Religion modern Vernetzt mit Gott

Ein Londoner Priester segnet Notebooks und Handys - weil er Pflugscharen nicht mehr segnen kann. In der Kirche hat es Tradition, nicht nur für die Menschen, sondern auch für deren Arbeitsgerät zu beten.

Von Martin Zips

In einer Zeit, da die Menschen meinten, ein symbolisches Zeichen reiche, um den Heiligen Geist herabzurufen oder den Teufel vom Bauernhof zu jagen, da wurde noch viel gesegnet: Getreide, Eier, Fahnen - alles wurde mit Weihwasser besprengt. Eine Segnung, das war eine Art religiöser Zauber, er reinigte Menschen und Dinge, schützte vor Unheil und Verderben.

Der Londoner Pfarrer Canon David Parrott segnet Computer und Handys.

(Foto: Foto: AFP)

Am Montag nun hat der anglikanische Geistliche Canon David Parrott Aufsehen erregt, weil er in seiner Londoner Kirche die Notebooks, Blackberrys und Smartphones seiner Gemeindemitglieder auf dem Altar verteilte und über diesen Gegenständen ein segensreiches Gebet sprach.

Das ist konsequent, schließlich segnen Pfarrer mittlerweile sogar Autos oder Motorräder, völlig unabhängig von deren Schadstoffausstoß. Zudem sprach Parrott seinen Segen am Pflug-Montag, wie der erste Montag nach Dreikönig in England genannt wird. Früher kamen an diesem Tag zur Benediktion viele Bauern samt Sensen und Harken in die Kirche.

Da aber die Felder mittlerweile auch rund um die Londoner Kirche St. Lawrence Jewry den Banken und Lofts gewichen sind, hatte Priester Parrott die fabelhafte Idee, seine Klientel gewissermaßen am iPhone zu packen und ihnen eine kostenlose App anzubieten. Könnte sein, dass manche seiner Gottesdienstbesucher im Umfeld des Altars zunächst nach einem WiFi-Zugang gesucht haben, um nur ja nichts vom göttlichen Download zu verpassen.

Jedenfalls soll Parrotts Kirche dank des heiligen Updates endlich mal wieder einigermaßen voll gewesen sein. Und glücklicherweise verwendete der Pfarrer auch nur wenig Weihwasser. Andernfalls wäre sicher manch ein Nerd vom Glauben abgefallen.