Reiche Prominente Fluch der Bahamas

Die Abfindung für Amber Heard? Nur sieben Millionen US-Dollar.

(Foto: John Phillips/Getty Images)

14 Häuser, 45 Autos, eine Insel, teure Gemälde - und so weiter: Der Schauspieler Johnny Depp soll vor dem Ruin stehen. Ein typischer Fall: Immer wieder geraten Prominente trotz Reichtums in Geldnot.

Von Friederike Zoe Grasshoff und Hannes Vollmuth

Es gibt viele Prominente und noch mehr Semi-Berühmte, doch nur ein paar Namen dürften in fast jedem usbekischen Dorf und jeder afrikanischen Stadt geläufig sein. Lionel Messi wäre so ein Name, Barack Obama, Bob Marley, Brad Pitt, Michael Jackson, vielleicht Mutter Teresa und Madonna, und vielleicht ja auch Johnny Depp. So gerne der unprominente Teil der Menschheit jenen wenigen dabei zuschaut, wie sie Nobelpreise entgegennehmen, Inseln kaufen und im Garten einen Vergnügungspark anlegen, so gerne seziert man später ihren Abstieg: Ach, sieh mal an, halt auch nur ein Mensch.

So ein Mensch mit finanzieller Fallhöhe ist Johnny Depp, mit 48 Millionen US-Dollar Jahreseinkommen einer der bestverdienenden Schauspieler. Und einer der exzentrischsten. Mal war er mit Kate Moss zusammen, mal ließ er sich "Wino forever" tätowieren (wegen Winona Ryder), mal kaufte er ein Dorf, mal eine Insel, und nebenher drehte er auch ziemlich viele erfolgreiche Filme, etwa die Reihe "Fluch der Karibik". 2016 wählte ihn Forbes zum überbezahltesten Schauspieler, und 2005, besonders extreme Anekdote: gab Depp drei Millionen Dollar für die Trauerfeier von Schriftsteller Hunter S. Thompson aus und ließ dessen Asche mit einer Kanone in die Luft schießen. Gut, die Scheidung von Amber Heard war da fast billig in Anbetracht der Depp'schen Dimensionen: sieben Millionen Dollar Abfindung. Ist ja nur Geld.

Zu dumm, dass es dann an der einen oder anderen Stelle doch nicht nur Geld war, sondern ein bisschen zu viel Geld. Johnny Depp steht mit 53 Jahren offenbar kurz vor dem finanziellen Ruin. Dies legt eine Klageschrift seiner ehemaligen Beratungsfirma The Management Group (TMG) nahe, die ihn 17 Jahre lang in finanziellen Fragen beraten hat. Mitte Januar hatte Depp TMG wegen schlechter Beratung und Vertragsbruch verklagt, er wirft der Firma vor, ohne seine Zustimmung Kredite aufgenommen zu haben. Am Dienstag wurde die Gegenklage in Los Angeles eingereicht.

In den letzten 20 Jahren hat Depp demnach rund zwei Millionen Dollar im Monat ausgegeben. Michael Kump, Anwalt von TMG, sagte der Nachrichtenagentur AFP, die Firma habe in 17 Jahren "alles in ihrer Macht Stehende getan, um den Schauspieler vor sich selbst zu schützen". So habe sie Depp mehrere Millionen Dollar geliehen, als dessen Bank die Rückzahlung eines Kredits verlangt habe, wegen dieses Darlehens habe man nun Klage eingereicht. TMG fordert 4,2 Millionen Dollar.

Ein ewig gültiger Aphorismus: mehr Geld, mehr Probleme

Und die Details in dieser Klage lesen sich recht feudal, so relativ sich Besitz auch anfühlen mag. Wenn es stimmt, was darin aufgelistet ist, gab es Grund genug, Depp vor sich selbst zu schützen: 75 Millionen Dollar soll er in seine 14 Häuser investiert haben, und der Begriff "Haus" trifft es auch nicht ganz. Depp besitzt ein Schloss in Frankreich, 18 Hektar Land auf den Bahamas, einen Reiterhof in Kentucky und ein paar Rückzugsorte in Hollywood. Sonst noch was? 18 Millionen für eine Jacht, 45 Autos, 700 000 Dollar monatlich für Flüge im Privatjet, Wein und um die 40 Angestellte. Und bevor das Kleinklein im Großgroß untergeht: 200 Originale von Warhol und Klimt soll er auch gekauft haben.

Man kommt hier nicht ganz am Gedanken an Michael Jackson vorbei, der zwar in guten Zeiten gut verdiente, aber auch viel Geld ausgab. Für seine Neverland-Ranch samt Vergnügungspark und Zoo, für Geschenke für Elizabeth Taylor, für Gerichtsverfahren. Als Jackson 2009 mit 50 Jahren starb, war er hoch verschuldet. Aber immerhin war er nicht allein mit seiner Freude am Konsum. Schauspieler Nicolas Cage sprach 2010 öffentlich über seine Steuerschulden, Pamela Andersons Geldprobleme waren ebenso von Interesse wie die Privatinsolvenz von Schlagersänger Matthias Reim. Bloß: Wieso passiert das ständig denen, die eigentlich reich sein sollten?

Anruf bei Heinz Egerland in Berlin, Anwalt, Spezialgebiet: verschuldete Promis. "Also, ich sag mal", sagt Egerland, "die meisten verschuldeten Promis haben einfach so gelebt, als ginge es immer so weiter." Dann aber komme plötzlich kein neues Engagement. Rollen und Auftritte fehlen, und da ist auch schon die Arbeitslosigkeit. "Wie bei uns Normalsterblichen, nur halt 100 Nummern größer." Die Moderatorin Eva Herman zum Beispiel war 2006 durchaus noch gut im Geschäft, dann kam ihr Buch "Das Eva-Prinzip", Skandal, sie verlor ihren NDR-Job. Am Ende, sagte Herman dann 2012, habe ihr eine Immobilie im Osten das Genick gebrochen.

Im Prinzip fügt sich das ziemlich gut in das ein, was im Überschuldungsreport des Hamburger Instituts für Finanzdienstleistungen (IFF) steht. Gründe für Schulden: Arbeitslosigkeit, Scheidung, Krankheit, Schrottimmobilien, übermäßiger Konsum. Dann muss halt das Traumschloss in der Oberpfalz wieder verkauft werden (siehe Nicolas Cage).

Was in einem Promi-Schulden-Leben erschwerend hinzukommt: der Lebensstil, der ja immer auch Arbeitsvoraussetzung ist. "Man muss für die Publicity einfach viel Geld ausgeben, gehört ja dazu", sagt der Anwalt Egerland. Er klingt verständnisvoll. Oder anders gesagt: Notorious B.I.G. rappte 1997 von "Mo Money Mo Problems", ein ewig gültiger Aphorismus: mehr Geld, mehr Probleme.

Zumindest vor dem Insolvenzverwalter sind am Ende vielleicht doch alle Menschen gleich. Geld, dieser Gleichmacher, er betraf und traf selbst einen Unsterblichen wie Mozart, der ein genialer Musiker, aber miserabler Musikunternehmer war. Auch er lebte über seine Verhältnisse, kaufte für viel Geld Kleidung, häufte Spielschulden an, und auch die Wohnung in der Domgasse 5, Erster Wiener Bezirk, war wohl etwas überdimensioniert. Er wurde 35 Jahre alt, sein Begräbnis war recht schlicht.