Rapper Bushido:"Ich mach' Schlagzeilen, yeah!"

Lesezeit: 2 min

Eklat um neues Bushido Lied "Stress ohne Grund"

Bushido macht, was er am besten kann: Pöbeln

(Foto: dpa)

Kalkulierte Provokation: Bushido bedroht in einem Musikvideo gleich mehrere Politiker massiv und rappt davon, sie zu töten. Neonazibands wurden wegen ähnlicher Textzeilen verboten. Klaus Wowereit will den Pöbler anzeigen.

Von Alex Rühle

Bushido ist wieder da. Er hat einen großen Haufen gemacht, man muss es so sagen, einen stinkenden Haufen, mitten ins Netz. Und er zwingt alle dazu, sich damit auseinanderzusetzen. Bushido, falls das jemand noch nicht weiß, ist Deutschlands erster Gangstarapper. Der Frauen in seinen Songs als "Fotzen" bezeichnete und für den "schwul" immer schon Schimpfwort war. Der dann ein Praktikum im Bundestag machte, Innenminister Hans-Peter Friedrich herzte und sagte, er schaue ja immer nur Phoenix.

Zur Belohnung gab es einen Integrationsbambi, weil er sich so einsetze "für ein respektvolles Miteinander in einer multikulturellen Gesellschaft". Und es gab ein grottiges Biopic, die Geschichte vom Underdog, der sich in die Mitte der Gesellschaft hocharbeitet, verfilmt von Uli Edel. Zuletzt kam er in die Schlagzeilen, weil er enge Beziehungen zu einem palästinensisch-libanesischen Clan unterhält, dem mafiaähnliche Strukturen nachgesagt werden. Das war nicht so schön.

Egal. Jetzt macht er wieder offen auf Straßengang und beleidigt und bedroht Prominente und Politiker. Das klingt in dem Song "Stress ohne Grund", den er mit dem Rapper Shindy aufgenommen hat, so: "Ich verkloppe blonde Opfer so wie Oli Pocher / Ich mach' Schlagzeilen, fick' deine Partei, Yeah / und ich will, dass Serkan Tören jetzt ins Gras beißt / Yeah, Yeah, was für Vollmacht, du Schwuchtel wirst gefoltert / Ich schieß' auf Claudia Roth, und sie kriegt Löcher wie ein Golfplatz."

Serkan Tören ist integrationspolitischer Sprecher der FDP. Er will genauso Strafantrag stellen wie Klaus Wowereit, auf dessen Namen Bushido "vogelfrei" reimt. Die Grünen-Fraktionsvorsitzende Renate Künast forderte die Staatsanwaltschaft auf, gegen Bushido wegen Mordaufrufs zu ermitteln.

Kalkulierte Provokation

Natürlich ist das kalkulierte Provokation. Natürlich soll ihm solch eine Aktion verschärfte Street Credibility verschaffen. Weshalb viele raten, den Song, das dazugehörige Video und Bushido einfach nur zu beschweigen. So schlägt der Grünen-Politiker Omid Nouripour vor: "Bushido ist ein Aufmerksamkeitsparasit. Man muss diesen talentlosen Musiker ignorieren."

Auf der einen Seite stimmt das. Bislang hat der Rapper noch alle Skandale für seine Popularität auszuschlachten gewusst. Als er einen Jungen, der ihm die Reifen zerstochen hatte, verletzte und einen Prozess bekam, nannte er das nächste Album "Staatsfeind Nr. 1" und ging "Gegen Kaution auf Tour 2005". So ging das dauernd hin und her. Die Medien empörten sich über Homophobie, Frauenfeindlichkeit, Antisemitismus, er nahm die Empörung als Beleg für seinen aufrechten Gangsta-Mut.

Das Ganze funktioniert auch diesmal prächtig. Das Video wurde gesperrt, ist aber natürlich dennoch im Netz zu finden - und beste Werbung für Shindys Album NWA, das auf Bushidos Label erscheint. Bushido triumphiert auf Twitter: "Auch wenn Youtube das Video entfernt hat, haben wir die 1.000.000 Klicks in unter 48 Stunden geknackt!"

Weshalb es schwer ist mit dem Ignorieren. Im Netz versuchen einige es mit halbironischen Sprüchen. Schlechtes Reimschema. Was für ein billiger Fake, das Auto wird in dem Video gar nicht mit Benzin übergossen, sondern nur mit Wasser. Auffällig ist auch, dass Bushido einzig die CDU-Politiker vor seinen Pöbeleien verschont; andererseits ja verständlich, schließlich hat er da mal ein Praktikum gemacht.

Aber all das Gewitzel wirkt auch nur schal. Weil man es sich damit zu einfach macht: Neonazibands werden wegen ähnlicher Songzeilen verboten.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema