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Wegen Anklage in den USA:Deutschland-Konzerte von R. Kelly auf dem Prüfstand

FILE PHOTO: Singer R. Kelly performs during the Red Light Concert series at the Hasely Crawford Stadium in Port-of-Spain

Keine baldigen Auftritte in Deutschland: R. Kelly, hier bei einem Konzert in Trinidad und Tobago 2013.

(Foto: REUTERS)
  • Der US-Sänger R.Kelly wird nicht wie geplant im April in Deutschland auftreten.
  • Ein Konzert in Bayern wurde bereits abgesagt, für einen weiteren Auftritt in Hamburg wurde der Ticketverkauf gestoppt.
  • Kelly sieht sich einer Angklage wegen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger gegenüber. Berichten zufolge musste er seinen Pass abgeben.

Nach der Anklageerhebung gegen R. Kelly wegen sexuellen Missbrauchs ist ein geplantes Konzert mit dem US-Sänger in Neu-Ulm abgesagt worden. Wegen der Entwicklung der vergangenen Tage sei der Vertrag für das am 12. April geplante Konzert "aus wichtigem Grund" gekündigt worden, teilte der Betreiber der Ratiopharm-Arena am Dienstag auf seiner Facebookseite mit. Wegen der Erstattung von bereits gekauften Karten sollten sich die Fans nun an den Tour-Veranstalter wenden.

Zudem wurde der Ticketverkauf für ein weiteres Konzert des Sängers am 14. April in Hamburg gestoppt, wie der Konzertkarten-Händler Eventim mitteilte. Vermieter der Halle ist das Bezirksamt Hamburg-Nord. "Es ist offenkundig, dass R. Kelly nicht in der Lage sein wird, sein Konzert in Hamburg oder andernorts außerhalb der USA zu geben", sagte der stellvertretende Bezirksamtsleiter Tom Oelrichs. Da dem Bezirksamt kein einseitiges Kündigungsrecht zustehe, gebe es intensive Gespräche mit dem Veranstalter, dass dieser das Konzert absagt.

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Der US-Sänger saß seit Freitag in Chicago in Untersuchungshaft - ihm wird sexueller Missbrauch vorgeworfen. Zuletzt hatte es geheißen, er könne die Mittel für seine vorübergehende Freilassung nicht aufbringen.

Das Bezirksamt bezog sich mit seiner Aussage offenbar auf eine Anordnung eines Richters, der Kelly dazu verpflichteten haben soll, seinen Pass abzugeben. Außerdem soll der Richter ihm verboten haben, Personen unter 18 Jahren zu kontaktieren. Der Sänger war aus dem Gefängnis entlassen worden, nachdem er die geforderte Kautionssumme von 100 000 Dollar hinterlegt hatte.

Videoaufnahmen belasten Kelly

Die Fälle in der Anklage stammen aus den Jahren 1998 bis 2010 und drehen sich um vier mutmaßliche Opfer, drei davon minderjährig. Bei einer Anhörung plädierte Kellys Anwalt in allen zehn Anklagepunkten des schweren sexuellen Missbrauchs auf nicht schuldig. Videoaufnahmen sollen den Künstler, der unter anderem für seinen Hit "I Believe I Can Fly" bekannt ist, schwer belasten.

Das Konzert in Neu-Ulm war bereits ein Ausweichtermin, weil ein geplanter Auftritt des Sängers bei Stuttgart nach einer Unterschriftenaktion abgesagt worden war. Mehr als 38 000 Unterzeichner einer Online-Petition hatten sich wegen den Missbrauchsvorwürfen gegen einen Auftritt Kellys ausgesprochen.

Anfang Februar hatte der Betreiber der Konzerthalle in Neu-Ulm noch an einem möglichen Auftritt des Künstlers festgehalten und dies damit begründet, Kelly nicht vorverurteilen zu wollen. Die Entscheidung, Kelly "ein musikalisches Forum" zu bieten, sei auch intern durchaus kontrovers diskutiert worden, hieß es damals in einer Mitteilung. "Jeder (insbesondere: jede Frau) hat das gute Recht, die im Raum stehenden Vorwürfe für sich persönlich zu bewerten." Die Vorwürfe seien "gravierend". Allerdings sei Kelly nicht verurteilt. "Auch die rechtsstaatliche Unschuldsvermutung halten wir für ein hohes Gut." Für den Fall, dass vor dem Konzert neue, juristisch relevante Fakten bekannt werden, seien "vertragliche Vorkehrungen getroffen" worden, hieß es damals. Diese Vorkehrungen treten nun offenbar in Kraft.

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