Anklage wegen sexuellen Missbrauchs R. Kelly gegen Kaution von 100.000 Dollar aus Haft entlassen

Am Freitag stellte sich R. Kelly den Behörden in Chicago.

(Foto: AP)
  • Sänger R. Kelly hat in Chicago eine Kaution von 100.000 Dollar hinterlegt. Kurz darauf verließ er das Gefängnis.
  • Zuletzt hatte es geheißen, er könne die nötigen Mittel nicht aufbringen.
  • In Deutschland formiert sich derweil Widerstand gegen geplante Konzerte des R&B-Sängers.

Sänger R. Kelly hat in Chicago nun doch Kaution hinterlegt - zuletzt hatte es geheißen, er könne die 100 000 Dollar für seine vorübergehende Freilassung aus der Haft nicht aufbringen. Eine Sprecherin des Sheriffbüros von Cook County bestätigte die Zahlung. Kurz darauf wurde der Musiker von Fotografen beim Verlassen des Gefängnisses abgelichtet, Fragen der wartenden Journalisten beantwortete er nicht.

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Gizem Adıyaman will R-Kelly-Konzerte in Deutschland verhindern. Dass sich Veranstalter auf die Unschuldsvermutung berufen, lässt sie nicht gelten.

Bei einer Anhörung am Montag hatte Kellys Anwalt für den Sänger bei allen zehn Anklagepunkten des schweren sexuellen Missbrauchs auf nicht schuldig plädiert. Die Staatsanwaltschaft legt Kelly zur Last, vier Frauen sexuell missbraucht zu haben, darunter drei, die zum mutmaßlichen Tatzeitpunkt minderjährig gewesen seien. Kelly bestreitet ein Fehlverhalten.

Noch am Sonntag hatte Kellys Anwalt Steve Greenberg Medienberichte bestätigt, wonach Kelly die erforderlichen zehn Prozent der auf eine Million Dollar festgelegten Kaution nicht habe zahlen können. "Korrekt", sagte Greenberg auf die Frage, ob der Sänger immer noch inhaftiert sei. R. Kelly hatte da bereits zwei Nächte im Gefängnis verbracht. Kelly sei nicht so reich, wie sein Ruhm es vermuten lasse, sagte der Anwalt. "Er hat derzeit wirklich kein Geld."

Der 52-jährige R&B-Star hatte sich am Freitag der Polizei in Chicago gestellt. Zu den Kautionsbedingungen gehört neben einer finanziellen Sicherheit auch, dass Kelly seinen Pass abibt. Ihm ist es außerdem verboten, Kontakt zu Minderjährigen sowie zu mutmaßlichen Opfern und Zeugen in dem Verfahren aufzunehmen. Die nächste Anhörung in dem Fall soll am 8. März stattfinden.

Seit mehr als 20 Jahren kursieren Missbrauchsvorwürfe gegen Kelly. In der kürzlich veröffentlichten Dokumentarserie Surviving R. Kelly erklären mehrere Frauen, dass der Musiker sie in seine Villa gelockt, dort gefangen gehalten, gequält und missbraucht habe. Weiter heißt es darin, dass Kelly Kinderpornografie nicht nur besessen, sondern auch produziert habe. Lisa Van Allen, die eigenen Angaben zufolge an der Produktion eines Missbrauchsvideos mit einem damals 14 Jahre alten Mädchen beteiligt war, sagt in der Dokumentation: "Ich hoffe, dass er endlich aufhört, diese Mädchen zu verletzen."

Kelly ist im Jahr 2008 von vielen dieser Vorwürfe freigesprochen worden, er selbst bestreitet sie - zuletzt im 19-Minuten-Lied "I Admit", in dem er unter anderem zugibt, pleite zu sein und mit unfassbar vielen Frauen geschlafen zu haben. Er habe jedoch nichts Unrechtes getan, die Vorwürfe seien eine Verschwörung von Neidern. Trotz der Vorwürfe wollte Kelly bis zuletzt auf Tour gehen, es waren Konzerte in Australien, Sri Lanka und Deutschland geplant. In den USA ist er schon lange nicht mehr aufgetreten, die Stadt Philadelphia erklärte ihn kürzlich sogar per Gesetz zur nicht erwünschten Person. Sein einstiges Vermögen soll laut dem Wirtschaftsmagazin Forbes jenseits der Marke von hundert Millionen Dollar gelegen haben.

Widerstand gegen Konzerte in Deutschland

Ob R. Kelly ein am 12. April in Neu-Ulm geplantes Konzert spielen darf, ist derzeit noch unklar. Die Betreibergesellschaft der Neu-Ulmer Ratiopharm-Arena teilte am Montag mit, dass die "vertraglich relevanten Meldungen bezüglich früherer oder aktueller Vorwürfe gegen R. Kelly" beobachtet würden. Derzeit würden die vertraglichen Bedingungen im Hinblick auf die Veranstaltung im April geprüft, erklärte ein Sprecher der Halle.

Schon zuvor gab es einen breiten Protest gegen den Sänger wegen der Missbrauchsvorwürfe. Das Neu-Ulmer Konzert war zunächst in Baden-Württemberg geplant, doch wegen der Kritik an Kelly war in Sindelfingen der Auftritt abgesagt worden. Die deutsche Online-Petition "#RKELLYSTUMMSCHALTEN - Sexualverbrechen keine Bühne geben" listet etwa 240.000 Unterstützer.

Ein weiteres Deutschland-Konzert von Kelly ist am 14. April in Hamburg geplant.

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