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Quentin Tarantino und Uma Thurman:Thurmans Achselzucken richtig interpretiert

Vielleicht liegt Tarantinos Erfolg schließlich auch daran, dass die Möglichkeit, sie für sich zu gewinnen, bei ihm stets mehr als nur theoretisch vorhanden war. Schon einmal, vor zehn Jahren, bei den Dreharbeiten zu Kill Bill, gab es Gerüchte über eine Affäre zwischen den beiden, die Tarantino in einem Interview mit der Zeitung USA Today damals ziemlich halbgar dementierte: "Ich sage nicht, dass wir nicht zusammen waren, aber ich sage auch nicht, dass wir zusammen waren."

Thurman dagegen ging erst einmal auf Distanz: "Wir sind wirklich sehr unterschiedliche Menschen mit sehr unterschiedlichen Perspektiven. Er ist sehr extrovertiert und ich bin sehr introvertiert", sagte sie der Nachrichtenagentur Associated Press. "Wir sind einfach sehr unterschiedliche Charaktere, aber irgendwie...". Thurman stoppte und beendete den Satz mit einem vielsagenden Achselzucken.

Gefunkt ist ein zu kleines Wort

Jetzt sollen Tarantino und Thurman also wieder zusammen sein. Auch einige deutsche Medien haben die Geschichte schon aufgegriffen. "Es hat gefunkt", titelt zum Beispiel die Bunte. Ohne jetzt Kollegenschelte betreiben zu wollen, muss man ja sagen, dass diese Zeile nicht 100 Prozent treffend ist. "Es hat gefunkt", das klingt eher nach einer kurzen Phase des Umwerbens, die dann nach einigen Wochen in einer Liebschaft mündet. "Gefunkt", das ist ein viel zu kleines Wort für das, was Tarantino jetzt widerfährt.

Wenn wir im Bild bleiben - und zugegeben, Feuer-Analogien haben sich in Liebesdingen jahrhundertelang bewährt - dann ist das, was sich zwischen Thurman und Tarantino über 20 Jahre lang abgespielt hat, eher die lodernde Glut in einem Holzkohlengrill, bei der von Zeit zu Zeit ein Stück Holz nachgelegt wurde, damit das Feuer nicht ganz ausgeht.

Wer die Bilder betrachtet, die vergangenen Samstag in Cannes entstanden sind, auf dem roten Teppich und bei der Abschlussveranstaltung des Filmfestivals, der konnte beinahe fühlen, dass die Flamme jetzt richtig brennt. Man sieht ein Paar über den roten Teppich tanzen, man sieht die beiden Hand in Hand die Treppe hinaufgehen. Und das schönste Bild zeigt einen Quentin Tarantino, der sich mit seiner angeblich neuen Partnerin noch einmal zu den Fotografen umgedreht hat. Uma Thurman, die ein zitronengelbes Versace-Kleid trägt, hat sich bei ihm eingehakt und den Kopf auf seine Schulter gelegt. Er blickt verträumt und ganz leicht melancholisch in die Menge. Es ist der Blick eines Mannes, dessen Warten schließlich belohnt worden ist.

© Süddeutsche.de/feko/holz
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