Süddeutsche Zeitung

Quentin Tarantino und Uma Thurman:Held der unglücklich Langzeitverliebten

20 Jahre lang hat Quentin Tarantino um Uma Thurman geworben. Er hat ihr Rollen gegeben, sie "Muse" genannt und öffentlich die Schönheit ihrer Füße gepriesen. Jetzt hat er sie anscheinend für sich gewonnen. Geschichte einer Eroberung.

Von Oliver Klasen

Jahrelang in eine Frau verliebt zu sein, wenn die Liebe nicht erwidert wird, ist meist keine so gute Idee. Man rutscht dann schnell in die Rolle des besten Kumpels, die extrem undankbar ist, wenn man mehr will. Bester Kumpel sein heißt: Man ist stets für die Frau da, verbringt so viel Zeit wie möglich mit ihr, versucht ihr zu gefallen und, weil die Dame auf das andauernde Flirten auch ein bisschen eingeht, rechnet man ständig mit der theoretisch vorhandenen Möglichkeit, sie doch noch irgendwie für sich zu gewinnen. Meist ohne jede Aussicht auf Erfolg.

Doch es gibt Ausnahmen. Wenn man dem Bericht des Magazins US Weekly Glauben schenkt - dann ist Regisseur Quentin Tarantino exakt so eine Ausnahme. Der 51-Jährige hat sehr, sehr lange um eine Frau geworben: 20 Jahre. Er war stets für sie da, hat so viel Zeit wie möglich mit ihr verbracht und versucht, ihr zu gefallen. Wann immer er in New York war, hat er sie zum Mittagessen getroffen. Er hat ihr auch Rollen in drei Filmen gegeben, er hat sie "meine Muse" genannt und öffentlich die Schönheit ihrer Füße gepriesen, die angeblich die schönsten Füße seien, die er je gesehen habe.

Die Frau, um die Tarantino so lange geworben hat und mit der er jetzt zusammen sein soll, heißt Uma Thurman. Wie bei US Weekly zu lesen ist, sind die beiden seit kurzer Zeit ein Paar und haben sich während des Filmfestivals in Cannes Mitte Mai sogar eine Villa geteilt. "Die beiden haben ihre Beziehung auf die nächste Ebene gehoben", schreibt das Magazin und beruft sich dabei auf zwei nicht näher genannte Insider.

Immer eine knisternde Spannung aufrechterhalten

Doch wie hat Tarantino es geschafft, aus dem Club der unglücklich Langzeitverliebten herauszukommen?

Vielleicht, indem er Thurman gegenüber nie in die Rolle des besten Kumpels gerutscht ist. Seit Ende 1993, als die beiden das erste Mal bei den Dreharbeiten zu Pulp Fiction zusammenarbeiteten, hat er immer eine knisternde Spannung aufrechterhalten, sagen Freunde der beiden. Er kam zu diesen Mittagessen in New York, aber wahrscheinlich hat er sich auch im richtigen Moment zurückgezogen und Distanz gehalten.

Vielleicht war es auch einfach eine Timing-Sache. Tarantino hatte in den vergangenen Jahren andere Partnerinnen, genauso wie Thurman andere Partner hatte. Noch bis vor wenigen Wochen war die 44-jährige mit dem französischen Milliardär und Hedgefonds-Manager Arpad Busson zusammen.

Aber Tarantino, der erfolgreiche US-Regisseur mit Vorliebe für Italo-Western, Trash-Kino der Siebzigerjahre und die Ästhetik weiblicher Gliedmaßen, ist ein Mann, der bewiesen hat, dass er ein hervorragendes Gespür für Timing hat, dafür, dass er warten kann, bis der richtige Zeitpunkt gekommen ist. Das sieht man an seinen Filmen, an seinem feinen Gespür für Pointen und dem Zusammenweben verschiedener Erzählstränge. Und man sieht es jetzt auch an seinem Verhältnis zu Uma Thurman - auch wenn das Warten in diesem Fall 20 Jahre gedauert hat.

Thurmans Achselzucken richtig interpretiert

Vielleicht liegt Tarantinos Erfolg schließlich auch daran, dass die Möglichkeit, sie für sich zu gewinnen, bei ihm stets mehr als nur theoretisch vorhanden war. Schon einmal, vor zehn Jahren, bei den Dreharbeiten zu Kill Bill, gab es Gerüchte über eine Affäre zwischen den beiden, die Tarantino in einem Interview mit der Zeitung USA Today damals ziemlich halbgar dementierte: "Ich sage nicht, dass wir nicht zusammen waren, aber ich sage auch nicht, dass wir zusammen waren."

Thurman dagegen ging erst einmal auf Distanz: "Wir sind wirklich sehr unterschiedliche Menschen mit sehr unterschiedlichen Perspektiven. Er ist sehr extrovertiert und ich bin sehr introvertiert", sagte sie der Nachrichtenagentur Associated Press. "Wir sind einfach sehr unterschiedliche Charaktere, aber irgendwie...". Thurman stoppte und beendete den Satz mit einem vielsagenden Achselzucken.

Gefunkt ist ein zu kleines Wort

Jetzt sollen Tarantino und Thurman also wieder zusammen sein. Auch einige deutsche Medien haben die Geschichte schon aufgegriffen. "Es hat gefunkt", titelt zum Beispiel die Bunte. Ohne jetzt Kollegenschelte betreiben zu wollen, muss man ja sagen, dass diese Zeile nicht 100 Prozent treffend ist. "Es hat gefunkt", das klingt eher nach einer kurzen Phase des Umwerbens, die dann nach einigen Wochen in einer Liebschaft mündet. "Gefunkt", das ist ein viel zu kleines Wort für das, was Tarantino jetzt widerfährt.

Wenn wir im Bild bleiben - und zugegeben, Feuer-Analogien haben sich in Liebesdingen jahrhundertelang bewährt - dann ist das, was sich zwischen Thurman und Tarantino über 20 Jahre lang abgespielt hat, eher die lodernde Glut in einem Holzkohlengrill, bei der von Zeit zu Zeit ein Stück Holz nachgelegt wurde, damit das Feuer nicht ganz ausgeht.

Wer die Bilder betrachtet, die vergangenen Samstag in Cannes entstanden sind, auf dem roten Teppich und bei der Abschlussveranstaltung des Filmfestivals, der konnte beinahe fühlen, dass die Flamme jetzt richtig brennt. Man sieht ein Paar über den roten Teppich tanzen, man sieht die beiden Hand in Hand die Treppe hinaufgehen. Und das schönste Bild zeigt einen Quentin Tarantino, der sich mit seiner angeblich neuen Partnerin noch einmal zu den Fotografen umgedreht hat. Uma Thurman, die ein zitronengelbes Versace-Kleid trägt, hat sich bei ihm eingehakt und den Kopf auf seine Schulter gelegt. Er blickt verträumt und ganz leicht melancholisch in die Menge. Es ist der Blick eines Mannes, dessen Warten schließlich belohnt worden ist.

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