Prozess gegen Peter Madsen Welche Geschichte wird U-Boot-Bauer Madsen vor Gericht erzählen?

Was geschah auf der Nautilus? In Kopenhagen beginnt der Prozess gegen den U-Boot-Konstrukteur Peter Madsen (Archivbild aus dem Jahr 2008).

(Foto: dpa)
  • An diesem Donnerstag beginnt in Kopenhagen der Prozess gegen Peter Madsen.
  • Die Staatsanwaltschaft wirft dem Konstrukteur vor, im August vergangenen Jahres die schwedische Jorurnalistin Kim Wall ermordet und die Leiche geschändet zu haben.
Von Silke Bigalke, Kopenhagen

Es ist nicht mehr viel zu sehen von der berühmten Nautilus. Sie ist in weiße und grüne Planen gewickelt, orangefarbene Bänder halten die Verpackung fest um den 18 Meter langen eisernen Körper. Nur die Form verrät, dass dort ein U-Boot auf dem Trockenen steht, besser gesagt in Matsch und Schneeregen. Die schützenden Planen haben einen Grund - der Staatsanwalt geht davon aus, dass die Nautilus ein Tatort ist.

Viele Journalisten und Schaulustige waren schon hier im eher verlassenen Teil von Kopenhagens Nordhavnen, um das U-Boot zu sehen. Um Fotos zu machen und vielleicht einen Blick durch die Bullaugen zu erhaschen. Irgendwann hatte jemand "Free Madsen" in weißen Buchstaben auf das U-Boot gesprayt, außerdem ein Herzchen und auf Dänisch "uskyldig", unschuldig. Das kann man jetzt auch nicht mehr sehen.

Porträt eines soziopathischen Tüftlers

Lange bevor Peter Madsen in Verdacht kam, die Journalistin Kim Wall ermordet zu haben, entstand eine Doku über ihn. Sie zeigt einen schwierigen, unnahbaren Menschen. Von Kathleen Hildebrand mehr ...

Es sieht nicht so aus, als würde Peter Madsen bald freikommen. Am Donnerstagmorgen beginnt der Prozess gegen den 47-jährigen Konstrukteur. Der Staatsanwalt wirft ihm vor, die schwedische Journalistin Kim Wall ermordet zu haben. Die 30-Jährige war für ein Interview zu ihm auf die Nautilus gekommen. Er soll sie erdrosselt oder ihr die Kehle durchgeschnitten haben. Was genau passiert ist, kann die Gerichtsmedizin nicht mit Sicherheit sagen, weil der Leiche der Kopf abgetrennt wurde.

Manche Dänen haben den Fall satt

Peter Madsen soll den Mord geplant und vorbereitet haben. Er brachte dafür laut Anklageschrift Werkzeuge und Gurte an Bord. Er soll die Schwedin gefesselt und sich sexuell an ihr vergangen haben, indem er ihr ein Messer oder einen Schraubenzieher zwischen die Beine und in den Unterleib rammte.

Peter Madsen bestreitet das alles. Er sagt zwar, Kim Wall sei auf der Nautilus gestorben, allerdings bei einem Unfall. Er hat schon viel gesagt über das Schicksal der Schwedin, das sich später als unwahr herausgestellt hat. Welche Geschichte wird er vor Gericht erzählen?

Am Tag vor Prozessbeginn hat der dänische öffentlich-rechtliche Sender DR bereits zwei kleine Zelte vor dem Gerichtsgebäude aufgebaut. Ins Gericht dürfen sie nicht mit der Kamera, und auch die Angehörigen, die zum Prozess kommen, dürfen sie nicht filmen. Einerseits ist das Interesse an dem Fall riesig. In den dänischen Medien haben sich in den vergangenen Wochen immer wieder Zeugen und Bekannte von Madsen geäußert, Stück für Stück setzen sie ein neues Bild vom Raketen-Madsen zusammen, der Frauen mit auf sein U-Boot brachte, der Sex unter Wasser hatte.

Andererseits hätten viele Dänen den Fall auch satt, erzählt eine DR-Mitarbeiterin bei den Vorbereitungen. Das kleine Land macht nicht gerne weltweite Schlagzeilen, weil ein scheinbar irrer Tüftler verdächtigt wird, eine junge Journalistin gefoltert, ermordet, zerstückelt zu haben.

Die Nautilus war eine Erfolgsgeschichte, als sie 2008 zu Wasser gelassen wurde, als damals größtes privat gebautes U-Boot der Welt. Madsen hat sie erschaffen, mit viel Energie, vielen Spenden und Helfern. Selbstgemacht, unabhängig, verrückt, gemütlich, mehr "alternativ dänisch" gehe gar nicht, schrieb am Wochenende die Tageszeitung Politiken in einem langen Artikel über den U-Boot-Fall. Peter Madsen gilt als jemand, der Grenzen ausgetestet hat. Es war bekannt dafür, dass er dabei auch schon mal die Geduld und jedes Maß verlieren konnte.

Aus Freunden wurden Konkurrenten

Sein nächstes Projekt war eine Amateur-Rakete, die Menschen ins All bringen sollte. Doch auch davon ist nun nichts mehr zu sehen. An der großen Wellblechhalle, in der Madsen sie bauen wollte, ist das Schild abgehängt. "Raketmadsen's Rumlaboratorium" stand darauf. Er war hier eingezogen, nachdem er sich mit seinem alten Verein, den Copenhagen Suborbitals in der Halle gleich gegenüber, zerstritten hatte. Aus Freunden wurden Konkurrenten. Wer würde es als Erstes in All schaffen?

Dieser Wettlauf der Amateur-Raumfahrer, das war es, was die Journalistin Kim Wall interessierte. In der Halle traf sie den Maschinenbastler, ihr dänischer Freund wohnte nicht weit. Wenig später folgte sie Madsen auf sein U-Boot. Jetzt sind auf dem alten Werftgelände nur noch die Copenhagen Suborbitals zu finden.

Wenn Peter Madsen schuldig gesprochen wird, könnte er lebenslang in Haft bleiben. Der Prozess gegen ihn soll bis Ende April dauern.

Tod in der Tiefe

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