Protokoll des Schiffsunfalls vor Italien Die Suche nach den Überlebenden

Sonntag, 1 Uhr: Im Schiffswrack werden zwei Passagiere geortet. Wenig später kann das junge Paar aus Korea gerettet werden. Die beiden waren auf Hochzeitsreise, schliefen nach eigener Aussage, als das Unglück passierte. "Als wir aufwachten, kippte das Schiff", berichtet Han Ki Deok später. "Wir sind bis zum Ende des Korridors gerutscht und haben uns dabei verletzt", so der 29-Jährige. Seine Frau und er seien deshalb in ihre dunkle Kabine zurückgekehrt und hätten dort ausgeharrt, mit ein paar Keksen und etwas Wasser als einziger Verpflegung. Sie hätten geschrieen, bis sie heiser waren, und die an ihren Rettungswesten angebrachten Pfeifen betätigt.

Die Unglücksfahrt der Costa Concordia - so weit sie sich aus Satellitendaten rekonstruieren lässt.

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Sonntag, 8:56 Uhr: Ein weiterer Überlebender wird geortet. "Wir versuchen das schier Unmögliche, um zu der Person vorzudringen", sagt ein Sprecher der Küstenwache dem italienischen Fernsehen. Drei Stunden später ist auch das Besatzungsmitglied Marrico Giampietroni in Sicherheit.

Sonntag, 12:48 Uhr: Die Black Box des Luxusliners wird gefunden und von der Küstenwache zur Auswertung beschlagnahmt.

Sonntag, 16:17 Uhr: Taucher finden im Rumpf der Concordia zwei weitere Leichen. Es handelt sich um einen Italiener und einen Spanier.

Sonntag, 23 Uhr: Die Betreibergesellschaft des Kreuzfahrtschiffs nimmt öffentlich Stellung zu dem Unglück. Es habe den Anschein, als ob der Kapitän eine fehlerhafte Einschätzung vorgenommen habe, indem er zu nahe an die Küste gefahren sei und von den Evakuierungsprozeduren abgewichen sei, heißt es in einer Erklärung des in Genua ansässigen Unternehmens Costa Crociere. Die Reederei äußert ihr "tiefstes Bedauern über diesen schrecklichen Unfall".

Montag, 6:38 Uhr: Ein sechstes Todesopfer wird aus dem Wrack der Concordia geborgen. Es soll sich um einen Passagier handeln.

Montag, 12 Uhr: Noch immer werden Personen an Bord des havarierten Kreuzfahrtschiffs vermutet, auch das Schicksal mehrerer Deutscher ist ungeklärt. Das Auswärtige Amt spricht von einer Zahl "im niedrigen zweistelligen Bereich". Mittlerweile könne man nicht mehr ausschließen, dass unter möglichen weiteren Todesopfern auch deutsche Staatsangehörige sind. Es könne "betrübliche Nachrichten" geben.

Montag, 12:13 Uhr: Die Suche nach weiteren Überlebenden muss wegen starken Seegangs vor der Insel Giglio unterbrochen werden.

Montag, etwa 14:30 Uhr: Die Sorge um die Vermissten hat die Gefahr für die Umwelt durch das havarierte Schiff fast in Vergessenheit geraten lassen. Nach Angaben eines niederländischen Fernsehsenders hat ein Expertenteam aus den Niederlanden gemeinsam mit örtlichen Helfern nun jedoch begonnen, ausgetretenen Treibstoff abzuschöpfen. Sobald die Suche nach Überlebenden und Opfern abgeschlossen sei, solle der noch in den Schiffstanks verbliebene Treibstoff abgepumpt werden.

Montag, 15:33 Uhr: Nach Informationen von Landesbehörden ist zur Stunde das Schicksal von zwölf Deutschen ungewiss. Unter den Vermissten sind demnach fünf Menschen aus Hessen sowie je zwei Personen aus Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen. Ungeklärt ist zudem das Schicksal einer Frau aus Bayern sowie eines offenbar gehbehinderten Paares aus Berlin. Ob sich die Vermissten tatsächlich noch an Bord der Concordia befinden oder ob sie auf eigene Faust die Heimreise nach Deutschland angetreten haben, ist unklar.

Montag, 15:41 Uhr: Nach mehrstündiger Unterbrechung geht die Suche nach Überlebenden und Opfern im Wrack des Schiffes weiter.

Mit Material aus den Agenturen.