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Proteste in Baltimore:Mutter hält Sohn mit Ohrfeige vom Randalieren ab

  • Nach dem Tod des Schwarzen Freddie Gray kommt es zu gewaltsamen Protesten in Baltimore. Unter den Randalierer entdeckt Toya Graham ihren jugendlichen Sohn.
  • Sie zieht ihn aus der Menge und gibt ihm eine Ohrfeige - sie habe nicht gewollt, dass er der nächste Gray werde.
  • Eine Kamera filmt die Aktion. Nun wird Toya Graham im Netz als Mutter des Jahres gefeiert.

Mutter fürchtet sich um Sohn

Autos brennen, Steine fliegen, Geschäfte werden geplündert. Die Polizei schlägt mit Pfefferspray und Tränengas zurück. Nach der Trauerfeier für den Schwarzen Freddie Gray schlägt der Protest in Baltimore in Gewalt um. Unter den Randalierern sind auch viele Jugendliche.

Als die alleinerziehende Mutter Toya Graham die Bilder ihrer Heimatstadt im Fernsehen sieht, ist sie geschockt. Und sie hat Angst. Angst, dass auch ihr Sohn unter den Randalierern sein könnte. Und so macht sich die Mutter von sechs Kindern auf, um den 16-Jährigen im Chaos zu suchen.

"Ich wollte nicht, dass er wie Freddie Gray endet"

Als sie ihn mit schwarzem Kapuzenpulli und Sturmhaube vermummt in einem Pulk Protestierender entdeckt, reagiert sie prompt: Graham verpasst ihrem Sohn eine Ohrfeige. Doch die Aktion bleibt nicht unbemerkt - denn in diesem Moment sind zahlreiche Kameras auf Baltimore gerichtet. Bald taucht ein Video der wütenden Mutter im Netz auf und wird dort zum Hit.

Auf den Bildern sieht man, wie die Frau immer wieder auf ihren Sohn einschlägt, ihn wütend beschimpft. Der Junge rennt weg, sie hinterher. Sie reißt ihm die Maske weg und stellt ihn schließlich auf einer Rasenfläche zur Rede. Eine ziemlich resolute Geste eigentlich, doch viele scheinen ihre Angst und Wut nachvollziehen zu können.

"Er ist mein einziger Sohn und am Ende des Tages wollte ich nicht, dass er wie Freddie Gray endet", erklärt Graham nun ihr resolutes Eingreifen in einem Interview mit dem Sender CBS News. Viele Afroamerikaner sehen Gray als das jüngste Opfer in einer Serie von Fällen tödlicher Polizeigewalt gegen Schwarze.

Graham wird als Mutter des Jahres gefeiert

Er sei kein perfekter Junge, aber immer noch ihr Sohn, sagt Graham. "Ich war sauer und ich war geschockt. Als Mutter möchte man doch nicht sehen, dass der eigene Sohn so etwas tut", sagt sie. Der junge Mann scheint die Botschaft verstanden zu haben. "Er wusste, dass er in Schwierigkeiten steckt", sagt zumindest Graham. Seine Freunde schrieben ihm nun: "Du solltest nicht böse auf deine Mutter sein, sondern sie lieber in den Arm nehmen".

Auch im Netz bekommt Graham viele Sympathiebekundungen. Für manche ist sie ausgerechnet mit ihrer Ohrfeige sogar zur "Mutter des Jahres" avanciert. Und zu einer Lösung beim Vorgehen gegen die Randalierer: Einige US-Medien schlagen nun vor: "Send in the moms!" - im Gegensatz zur Nationalgarde habe deren Eingreifen nämlich Erfolg.