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Protest gegen Polizeigewalt in Baltimore:Demonstranten trotzen Ausgangssperre

  • In Baltimore ist es erneut zu Ausschreitungen gekommen - trotz einer nächtlichen Ausgangssperre.
  • Sicherheitskräfte gingen mit Pfeffergeschossen und Rauchbomben gegen die Demonstranten vor.
  • Bereits am Montag war es nach der Beisetzung des möglicherweise durch Polizeigewalt zu Tode gekommenen Afro-Amerikaners Freddie Gray zu gewaltsamen Ausschreitungen und Plünderungen gekommen. Nun bewacht die Nationalgarde die Innenstadt.
  • Präsident Obama verurteilte die Gewalt, äußerte aber auch Verständnis für die Demonstranten.

Ausgangssperre hat begonnen

Nach schweren Unruhen am Montag hat in Baltimore eine nächtliche Ausgangssperre begonnen. Allerdings bewegten sich am Dienstagabend (Ortszeit) zunächst noch vereinzelt Menschengruppen in der US-Ostküstenmetropole. TV-Sender zeigten, wie Sicherheitskräfte zunächst langsam und schrittweise gegen Hunderte Demonstranten vorgingen und dabei auch Pfeffergeschosse und Rauchbomben einsetzten. Wenig später patrouillierten schwere Fahrzeuge und Panzerwagen der Sicherheitskräfte durch die weitgehend leeren Straßen.

Die Polizei von Baltimore sprach über Twitter von aggressiven Kräften, die sich weigerten, nach Hause zu gehen. Kriminelle hätten an einer Straße ein Feuer entzündet, teilte die Polizei weiter mit. Zunächst wurden aber keine größeren Zwischenfälle gemeldet.

Baltimore Ein junger Fotograf zeigt sein Baltimore
Rassenunruhen

Ein junger Fotograf zeigt sein Baltimore

Devin Allen macht Bilder von den Protesten. Sie zeigen der Welt ein sehr menschliches Baltimore. Und eines, das schon zu lange leidet.

Stunden vor Beginn der Ausgangssperre waren mehrere hundert Demonstranten auf den Straßen. Freiwillige Helfer, darunter Pastoren und Geistliche, stellten sich zwischen Polizei und Demonstranten und riefen zum Frieden auf.

Schwerste Unruhen seit 1968

Am Montag war es zu schweren Ausschreitungen gekommen. Gebäude gingen in Flammen auf, Geschäfte wurden geplündert. Der Gouverneur Marylands, Larry Hogan, hatte daraufhin den Ausnahmezustand in Baltimore verhängt - zum ersten Mal seit den sogenannten Rassenunruhen von 1968. Eine Woche lang gilt von 22 Uhr am Abend bis 5 Uhr morgens eine Ausgangssperre. Das soll weitere gewaltsame Ausschreitungen verhindern.

20 Polizisten waren verletzt worden, als Demonstranten Steine und Flaschen auf die Beamten warfen. Mehrere Läden wurden geplündert, 144 Autos wurden in Brand gesetzt. 235 Menschen wurden festgenommen.

Die Gewalt war eskaliert, nachdem Hunderte Menschen im Anschluss an die Trauerfeier für den jungen Schwarzen Freddie Gray gegen Polizeigewalt demonstriert hatten. Viele Afroamerikaner sehen Gray als das jüngste Opfer in einer Serie von Fällen tödlicher Polizeigewalt gegen Schwarze.

Obama verurteilt Gewalt

US-Präsident Barack Obama sagte, für die Krawalle gebe es "keine Entschuldigung". "Wenn Menschen Brecheisen nehmen und Türen aufstemmen, um zu plündern, dann demonstrieren sie nicht", sagte Obama bei einer Pressekonferenz. Die "sinnlose Gewalt und Zerstörung" seien "kontraproduktiv". Allerdings zeigte er Verständnis für die Sorgen vieler Afroamerikaner angesichts der jüngsten Fälle tödlicher Polizeigewalt. Seit den tödlichen Schüssen auf den schwarzen Teenager Michael Brown vergangenen August in Ferguson hätten Polizisten Afroamerikaner aber bei "zu vielen Gelegenheiten" in einer Weise behandelt, die "beunruhigende Fragen" aufwerfe. "Ich glaube, wir als Land müssen in uns gehen", sagte der Präsident.

Proteste nach dem Tod von Freddie Gray

Ausnahmezustand in Baltimore

Auch am Dienstag versammelten sich wieder Hunderte Menschen auf den Straßen von Baltimore, um friedlich gegen Polizeigewalt zu demonstrieren, wie US-Medien berichten.