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Prostitutionsskandal um Franck Ribéry:Nachspiel in Paris

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Vier Jahre nach seiner Begegnung mit Zahia Dehar droht Franck Ribéry neuer Ärger: Zahia bei einer Modenschau 2012 in Paris

(Foto: AFP)

Franck Ribéry stürmt mit den Bayern von Erfolg zu Erfolg, die Fans lieben ihn. Fast wäre der Skandal um die minderjährige Prostituierte Zahia Dehar vergessen. Wäre da nicht der Prozess, der jetzt in Paris begonnen hat. Und der für den Fußballprofi schlimmstenfalls im Gefängnis enden könnte.

Dies ist die Geschichte zweier Aufsteiger. Nachdem sich ihre Lebenswege in einem Münchner Luxushotel gekreuzt hatten, ging es für Zahia Dehar richtig nach oben, für Franck Ribéry dagegen vorübergehend steil hinab. Heute sind beide, jeder an seinem Himmel, Stars. Ihre damalige Begegnung würde in Vergessenheit geraten, wenn da nicht dieses Strafverfahren wäre. Seit Dienstag verhandelt ein Gericht in Paris darüber, ob sich Ribéry strafbar gemacht hat, als er vor vier Jahren Sex mit der damals 17 Jahre alten Dehar hatte. Zunächst müssen noch Verfahrensfragen geprüft werden. Wann der Prozess weiter geht, ist noch nicht bekannt.

Ribéry verkörpert einen Jungentraum: vom Straßenkicker zum Weltfußballer. In bescheidenen Verhältnissen in Boulogne-sur-Mer aufgewachsen, dribbelte er sich mit Talent und Courage ins Herz des FC Bayern und der französischen Nationalmannschaft. Als er am 7. April 2009 seinen 26. Geburtstag feierte, galt der verheiratete Vater zweier Töchter als Vorbild für die Jugend und Liebling der Fans. Dann ließ er das Call-Girl in sein Leben treten.

Sie stammt aus Algerien. Als kleines Mädchen war sie eine gute Schülerin mit einem hochfliegenden Traum: Pilotin. Als sie zehn Jahre alt war, trennten sich ihre Eltern. Die Mutter zog mit Zahia in die Pariser Banlieue. Wie Zahia später in Interviews erzählte, musste sie mehrfach Wohnung und Schule wechseln. Da sie nicht gut genug Französisch sprach, kam sie im Unterricht schlecht mit. Trost suchte sie bei ihrem hübschen Äußeren.

"Als ich merkte, dass ich den Männern gefalle, habe ich mir gesagt: Warum soll ich nicht Profit daraus schlagen?", erzählte Zahia Dehar später. Sie fuhr mit der Metro aus der Banlieue in die Pariser Innenstadt und geriet in den Dunstkreis einer Nachtbar nahe der Champs-Élysées. Im "Zaman Café" wurden Begegnungen zwischen mehr oder weniger prominenten Männern und Prostituierten angebahnt. Die Polizei überprüfte das Lokal und wurde auf die minderjährige Zahia aufmerksam. Sie berichtete freimütig, sie begleite Männer auf Reisen und nehme 2000 Euro pro Nacht. Als Kunden nannte sie auch Ribéry.

"Sie sind keine Gentlemen"

Zahia berichtete den Ermittlern, wie sie 2009 zu Ribérys Geburtstag nach München eingeflogen wurde. Dort will sie zusammen mit einer anderen Prostituierten an einer Orgie teilgenommen haben, bei der Ribéry zugegen war. "Ich bin doch ein schönes Geschenk, oder?", fragte die junge Frau später im Gespräch mit Reportern. Ribéry habe ihr 700 Euro bezahlt. "Das war nicht viel, ich erwartete mehr." Überhaupt ist Zahia Dehar wenig von Fußballern angetan. "Sie sind nicht so gut erzogen, keine Gentlemen", beklagte sie sich bei den Ermittlern. "Außerdem zahlen sie nicht sehr gut."

Als die Sache 2010 bekannt wurde, war nicht nur Fußball-Frankreich entsetzt über Ribéry. Bei der Prostitution Minderjähriger hört auch im liberalen Frankreich das Verständnis auf. Politiker erklärten, das Trikot der Nationalmannschaft sei heilig und regten an, Ribéry nicht mehr für die Bleus spielen zu lassen. Er wurde dann doch zur Fußballweltmeisterschaft in Südafrika mitgenommen. Das Turnier endete für die Franzosen im Debakel. Auf dem Platz erfolglos, sorgten die Spieler durch Beschimpfungen und einen Trainingsstreik für Schlagzeilen. Als einen Rädelsführer machten die Medien Ribéry aus. Jetzt stürzte er endgültig in der Gunst der Nation ab, wurde zum Anti-Helden.