Vorwürfe gegen Charles:Der Prinz und sein Diener

Michael Fawcett allegations

Michael Fawcett (rechts) hat Prinz Charles (Mitte) viele Jahre als Kammerdiener begleitet und gilt noch heute als einer seiner engsten Vertrauten.

(Foto: Andrew Milligan/ picture alliance)

Aus dem Umfeld von Prinz Charles sollen einem saudischen Milliardär die Staatsbürgerschaft und die Ernennung zum Ritter angeboten worden sein, gegen eine Millionenspende. Eine zentrale Rolle spielt dabei sein früherer Kammerdiener.

Von Michael Neudecker, London

Stewart Pearce erzählte der britischen Boulevardpresse neulich von der Queen und dem Vorfall mit dem Papierflieger. Als er noch ein siebenjähriger Junge gewesen sei, habe er auf der großen Treppe im Buckingham-Palast mit einem Papierflieger gespielt. Plötzlich habe er hinter sich eine Frauenstimme gehört, die fragte: "Was tust du da?" Die Frau war Königin Elizabeth II., und als sie erkannt habe, wessen Sohn er war, habe sie ihn zu sich in ihr Privatzimmer genommen, um mit ihm Tee und Saft zu trinken.

Wie bei nahezu allen Anekdoten aus dem Inneren des Palastes lässt sich auch diese kaum seriös überprüfen. Allerdings ist sie plausibel: Stewart Pearces Vater war Joseph Pearce, der Kammerdiener von Prinz Philip zu dieser Zeit, vor gut 50 Jahren. Joseph Pearce war qua Amt ein Bestandteil des royalen Privatlebens, so weit das eben möglich ist.

Verantwortlich für Kleidung und Hygiene

Es gibt zahlreiche Geschichten über die Royals und ihre Kammerdiener, die Position der stets männlichen "Valets", wie sie im Englischen heißen (Frauen haben "Maids", Hausmädchen), ist schließlich nicht nur Jahrhunderte alt, sondern bringt automatisch eine seltene Nähe zu ihren Herren mit sich. Der Kammerdiener kümmert sich manchmal um Reisevorbereitungen und auch die persönlichen Finanzen des Lords, vor allem aber ist er verantwortlich für dessen Kleidung und mithin auch Hygiene.

Dass das besondere Verhältnis eines Kammerdieners zu einem Mitglied der britischen königlichen Familie dieser Tage mal wieder ein Thema ist, hat mit einem anderen ehemaligen Kammerdiener zu tun, mit Michael Fawcett, früherer Diener von Prinz Charles. Das Verhältnis zwischen Charles und Fawcett gilt als besonders eng, es heißt, Fawcett habe dem Prinzen gar die Zahnpasta auf die Zahnbürste geschmiert. Charles sagte einmal, er käme durchaus ohne jegliche Hilfe zurecht, "aber nicht ohne Michael". Fawcett begleitete Charles während seiner Dienstzeit Ende der Neunziger und Anfang der 2000er-Jahre überall hin, es gibt zahlreiche Fotos, auf denen Fawcett im Hintergrund zu sehen ist.

Nun aber soll Fawcett, 58 Jahre alt und in den vergangenen Jahren in verschiedenen Funktionen in Charles' Stiftungen tätig, eine entscheidende Rolle gespielt haben in einem Vorgang, der die britischen Zeitungen und damit auch Charles noch eine Weile beschäftigen dürfte. Die Times enthüllte, der saudische Geschäftsmann und Milliardär Mahfouz Marei Mubarak habe vor ein paar Jahren mehr als 1,5 Millionen Pfund an Charles' Stiftungen gespendet, um im Gegenzug die britische Staatsbürgerschaft sowie die Ernennung zum Ritter zu erhalten. Laut Mail on Sunday habe Fawcett, auch nach seinem Dienstende einer von Charles' engsten Vertrauten, ihm dies 2017 schriftlich bestätigt. Es sei unklar, ob Charles davon gewusst habe, er habe aber womöglich das Angebot an Mahfouz gebilligt. Weder die Staatsbürgerschaft, noch der Ritterschlag wurden Realität, doch das Geld floss.

Der Prinz weiß von nichts

Fawcett, der einst als 17-jähriger Footman, ein einfacher Diener, seine Karriere im royalen Haushalt begann, trat umgehend von seiner gut bezahlten Position als Geschäftsführer der "The Prince's Foundation" zurück. Die Metropolitan Police wurde von einem Abgeordneten aus dem Parlament aufgefordert, Ermittlungen aufzunehmen. Fawcett war schon früher in unsaubere Vorgänge verstrickt, unter anderem soll es vor mehreren Jahren Unstimmigkeiten in den von Fawcett geführten Finanzen des Kronprinzen gegeben haben. Sogar Charles' Privatsekretär führte damals eine Untersuchung durch.

Charles hielt stets zu seinem Kammerdiener - bis jetzt. Am Dienstag teilte sein Sprecher mit, der Prinz habe von all dem nichts gewusst. Er unterstütze die Untersuchung der Vorwürfe.

© SZ/lot
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