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Streit um Zuchtstätte:Protest gegen Neubesetzung der wichtigsten Stellen in der Pferdezucht

Marek Trela war schon damals mit von der Partie. 38 Jahre arbeitete er in Janów Podlaski, zuerst als Tierarzt; als er die Leitung übernahm, war er erst der zweite Direktor seit Kriegsende. Trela und andere Veteranen der polnischen Araberzucht sind weltweit anerkannte Experten. Pferdezucht und Pferdekauf sind Vertrauenssache, und zu denen, die Trela vertrauten, gehörte auch Charlie Watts' Ehefrau Shirley, in England Züchterin von Araber-Pferden. Seit Jahren kam das Ehepaar Watts jeden Sommer zur "Stolz von Polen"-Versteigerung - seit 2007 ersteigerte Shirley Watts vier Stuten, für insgesamt 910 000 Euro. Sie ließ die Stuten in Janów Podlaski, um dort die Zucht weiter zu stärken.

Marek Trela wurde von der rechtspopulistischen Partei gefeuert.

(Foto: Janek Skarzynski/AFP)

Dann kam im Oktober 2015 die Wahl in Polen. Die rechtspopulistische Partei Recht und Gerechtigkeit (Pis) gewann und teilte schnell alle einträglichen staatlichen Fleischtöpfe unter ihren Gefolgsleuten auf: Ölgesellschaften, Versicherungen, Banken und so weiter. Mitte Februar waren Janów Podlaski und zwei andere Staatszuchten an der Reihe. Am 19. Februar wurden Marek Trela, Jerzy Białobok vom ebenso renommierten Stall Michałów und Anna Stojanowska, Polens Oberaufseherin über die staatliche Pferdezucht, gefeuert.

Watts will polnische Regierung verklagen

Der Skandal, in Polen seitdem Dauerthema, wurde schlimmer, als sich herausstellte, dass die Nachfolger der angesehenen Spezialisten entgegen ersten offiziellen Behauptungen wenig bis gar keine Erfahrung mit Pferden hatten: etwa Marek Skomorowski, der neue Direktor von Janów Podlaski, ein Betriebswirtschaftler und Gefolgsmann der Partei. Die angesehene "Weltorganisation für Araber-Pferde" mit Sitz in England und die gleichfalls renommierte "Europäische Konferenz von Araber-Pferde-Organisationen" forderten in Protesten von Polens Regierung die Wiedereinsetzung der drei Experten. Dann starben im März und Anfang April zwei Pferde von Shirley Watts.

Auch Stones-Drummer Charlie Watts und seine Frau Shirley sind erzürnt.

(Foto: Janek Skarzynski/AFP)

Kurz, bevor Watts' Stute Amra ein Fohlen zur Welt bringen sollte, wurde das Tier aus Janów Podlaski 200 Kilometer in eine Warschauer Tierklinik gefahren, nur drei Tage nach der Geburt wieder zurück, und, als die Stute krank wurde, wieder nach Warschau. Dort starb die Stute an einer Darmverschlingung. Die Pferdeexperten des Landes schlugen die Hände über dem Kopf zusammen: Trächtige Stuten dürften vor und nach einer Geburt nicht beunruhigt werden, schon gar nicht durch mehrfachen Transport über Hunderte Kilometer. Vor ein paar Tagen ließ Watts ihre beiden noch lebenden Pferde abholen - und kündigte im Guardian an, sie werde die polnische Regierung "wegen der Art, wie sie meine Stuten behandelt und mich im Dunkeln gelassen hat", verklagen.

Polens Landwirtschaftsminister wies jede Verantwortung zurück, er will an der Leitung festhalten. Erledigt ist die Sache damit natürlich nicht, im Gegenteil. Die internationalen Verbände wollen Veranstaltungen in Polen bis auf Weiteres boykottieren.