Plastische Chirurgie bei Minderjährigen Was ist Schönheit?

Teenager unter 18 Jahren dürfen nicht rauchen und keinen harten Alkohol konsumieren, aber sich die Brüste vergrößern oder Fett absaugen lassen. Ein gesetzliches Verbot scheint überfällig, ist vor allem jedoch: übertrieben.

Ein Kommentar von Charlotte Frank

Es soll das ja alles geben: 13-Jährige, die sich die Brust auf Doppel-D vergrößern lassen. 14-Jährige, die sich Fett absaugen lassen. Und lief da nicht letztens irgendwo der Film über eine 15-Jährige, die sich die Lippen hat aufspritzen lassen? Oder waren es die Wangen? Egal, Hauptsache da wird mal durchgegriffen. Wer immer ein Verbot von Schönheits-OPs an Minderjährigen fordert, wie jetzt Gesundheitsexperten der Union, kann sich breiter Zustimmung sicher sein, der Vorschlag klingt ja überfällig. Er ist aber vor allem übertrieben.

Das zeigen schon die Zahlen, die das Papier zitiert: Zehn Prozent aller Schönheits-OPs werden demnach an Minderjährigen durchgeführt. Die seriösen Fachgesellschaften zählen in dieser Altersgruppe hingegen maximal zwei Prozent ihrer Patienten. In der Regel werden bei ihnen medizinisch indizierte Eingriffe vorgenommen wie das Anlegen von Segelohren, das meist sogar die gesetzliche Kasse bezahlt. Ein verantwortungsvoller Facharzt dürfte daher gegen ein Verbot nichts haben - weil es ihn nicht tangiert.

Aber natürlich gibt es schwarze Schafe, wie überall. In der ästhetischen Chirurgie können sie auch noch besonders evidenten Schaden anrichten - bis hin zu Doppel-D-Brüsten bei 14-Jährigen. Solche Ausreißer werden dadurch befördert, dass sich in Deutschland jeder Mediziner, ob Orthopäde oder Lungenfacharzt, "Schönheitschirurg" nennen darf. Das Unionspapier hat daher auch einen sinnvollen Teil: Es sieht vor, dass künftig nur noch als "Schönheitschirurg" praktizieren darf, wer ausgebildeter Facharzt für Ästhetische und Plastische Chirurgie ist. Das könnte das Niveau in der Branche weiter heben. Die Verbotsforderung wäre damit erst recht obsolet.