Schönheits-OPs bei Minderjährigen:"Schönheitswahn sollten wir nicht fördern"

Kinder sollten vor unnötigen Operationen geschützt werden, finden Gesundheitsexperten aus CDU und CSU - und fordern ein Verbot von Schönheits-OPs an Minderjährigen, ohne medizinische Grundlage. Chirurgen bezeichnen die im Antrag vorgelegten Zahlen als "uralt".

Charlotte Frank

Schönheitsoperationen bei Minderjährigen sollen in Deutschland nach dem Willen von Gesundheitsexperten aus CDU und CSU verboten werden. Das geht aus einem Papier hervor, in dem sie Nachbesserungen am Patientenrechtegesetz fordern, das die Bundesregierung derzeit erarbeitet. Verboten werden sollen laut dem Papier "Schönheits-OPs an Minderjährigen, die keine medizinische Grundlage haben".

Abgeordnete fordert Verbot von Schönheitsoperation für Jugendliche

Schönheits-OPs sind in Deutschland auf dem Vormarsch. Jetzt fordern Abgeordnete ein Verbot des ästhetischen Eingriffs an Minderjährigen, sofern er keine medizinische Grundlage hat.

(Foto: dpa)

Um dies zu untermauern, zitieren die Autoren "Informationen der Vereinigung Deutscher Plastischer Chirurgen", wonach "zehn Prozent aller schönheitschirurgischen Eingriffe an unter 20-Jährigen durchgeführt werden sollen". Es handelt sich bereits um den zweiten Versuch, ästhetische Eingriffe an Minderjährigen zu verbieten. 2006 war dies gescheitert. Fachverbände reagierten am Donnerstag mit Unverständnis.

Ohren anlegen, Brüste verkleinern, Fehlbildungen entfernen

"Die Zahlen stammen aus dem Jahr 2004 und sind längst revidiert", sagte Regina Wagner aus dem Vorstand der Deutschen Gesellschaft für ästhetische und plastische Chirurgie. Bei den drei großen Fachverbänden liege der Anteil der Eingriffe an Minderjährigen "zwischen ein und maximal zwei Prozent". Auch eine Sprecherin der Deutschen Gesellschaft der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgen nannte die Zahlen "uralt". Einem Verbot sehen die Verbände mit Gelassenheit entgegen.

Besonders häufig werden bei Minderjährigen Ohren angelegt, Brüste verkleinert und Fehlbildungen, etwa ein sechster Finger bei Neugeborenen, entfernt. Diese Eingriffe wären auch weiterhin medizinisch oder psychisch indiziert und damit von einem Verbot nicht betroffen. Der gesundheitspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Jens Spahn, verteidigte den Plan: "Wir schützen Jugendliche bei Alkohol und Tabak vor sich selbst und vor gesundheitlichen Gefahren, da sollten wir sie auch vor unnötigen und nicht ungefährlichem OPs schützen. Schönheitswahn sollten wir nicht schon bei Jugendlichen fördern."

Ein weiterer Vorschlag, den Spahn und seine Mitstreiter in ihrem Papier machen, wurde positiv aufgenommen: Demnach soll der Begriff "Schönheitschirurgie" geschützt werden, so dass ihn nur noch Mediziner verwenden dürfen, die die sechsjährige Ausbildung zum Facharzt für Ästhetische und Plastische Medizin durchlaufen haben. Derzeit darf sich in Deutschland jeder approbierte Arzt Schönheitschirurg nennen und als solcher operieren.

© SZ vom 13.04.2012/soli
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