Nordrhein-Westfalen Großrazzia gegen Hells Angels in NRW: Waffen, Motorräder, Geldspielautomaten

  • In 16 nordrhein-westfälischen Städten durchsuchen die Polizei seit dem frühen Morgen mehrere Wohnungen und Geschäftshäuser.
  • Das Ziel der Razzia ist es, das Verbot einer im Großraum Erkrath aktiven Gruppe der "Hells Angels" und deren Teilorganisation "Clan 81 Germany" durchzusetzen.
  • Die Beamten beschlagnahmen neben Vereinsvermögen auch Waffen, Computer, Geldspielautomaten und Motorräder.

Mehr als 700 Polizisten durchsuchen seit Mittwochmorgen in mehreren nordrhein-westfälischen Städten Wohnungen und Geschäfte im Rockermilieu. Ziel ist, das vom Innenministerium verhängte Verbot der Gruppe Hells Angels MC Concrete City und deren Teilorganisation Clan 81 Germany durchzusetzen, wie die Polizei in Essen mitteilte. Demnach trat das Verbot am Mittwoch in Kraft.

Insgesamt sind die Beamten in 16 Städten im Einsatz, darunter auch in Erkrath, Düsseldorf, Wuppertal, Köln und Leverkusen. Wegen der "Gefährlichkeit einiger Rocker" setzte die Polizei an einigen Objekten auch Spezialeinsatzkommandos ein. Außerdem waren Einsatzhundertschaften, szenekundige Ermittler und zahlreiche Diensthunde vor Ort.

Bei der Razzia haben die Beamten auch Vereinsvermögen beschlagnahmt, in Erkrath seien zudem Motorräder sichergestellt worden. Außerdem Messer, Revolver, Gewehre, Rockerkutten, Computer und Geldspielautomaten, sagte Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) bei einer Pressekonferenz. Das Verhalten der Rockergruppe und die gefundenen Waffen belegten, dass es den Hells Angels MC Concrete City und deren Teilorganisation Clan 81 Germany "nicht um Motorradromantik geht, sondern dass der Verein eine kriminelle Organisation ist", erklärte Reul weiter und bestätigte, dass der Einsatz noch andauere.

Null-Toleranz-Strategie der neuen Landesregierung

Nordrhein-Westfalen werde nicht akzeptieren, dass kriminelle Banden den Rechtsstaat untergraben und das Gewaltmonopol missachten, sagte Reul. Das Verbot sei Bestandteil einer Null-Toleranz-Strategie der neuen Landesregierung gegen kriminelle Rockerbanden. Das Innenministerium beobachtete die Hells-Angels-Gruppe nach eigenen Angaben schon länger. Zu dem Verbot sei es gekommen, weil es inzwischen ausreichend Erkenntnisse für deren kriminelle Umtriebe gebe.

Ein Rechtsanwalt der Hells Angels hatte den Großeinsatz der Polizei gegen die Rocker kritisiert. Die Polizei sei über das Ziel hinausgeschossen, sagte Rechtsanwalt Wolf Bonn. "Da ist Privateigentum beschlagnahmt worden, das nicht vom Beschluss des Verwaltungsgerichts Düsseldorf umfasst ist", sagte Bonn, der die Hells Angels und den Clan 81 vertritt. Er kündigte an, sich einen Überblick über die Maßnahmen und betroffenen Personen verschaffen zu wollen und rechtliche Schritte gegen das Vereinsverbot zu prüfen.

Das deutsche Innenministerium hat auch schon andere Ortsgruppen der Hells Angels verboten, so etwa in Bonn. Die Hells Angels gelten als mächtigster und mitgliederstärkster Rockerklub der Welt. Die "Höllenengel" wurden 1948 von Kriegsveteranen in Kalifornien gegründet, der Name stammt von einer Bomberstaffel. Aus der Gruppe von Harley-Davidson-Fans wurde eine straff geführte Organisation mit Mitgliedern in etwa 30 Ländern. Der erste deutsche Ableger entstand 1973.

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