New York Was wir über den Terrorverdächtigen aus New Jersey wissen

Ahmad Khan Rahami wird wegen der Sprengsätze von New York und New Jersey angeklagt. Das FBI hatte ihn 2014 überprüft und als ungefährlich eingestuft. Bisher gilt er als Einzeltäter.

Von Hakan Tanriverdi, New York

Ahmad Khan Rahami liegt auf einer Trage und wird in einen Krankenwagen geschoben. Bei einer Schießerei mit der Polizei in der Kleinstadt Linden in New Jersey wurde er verletzt. Rahami trägt Handschellen, so zeigen es die Fernsehbilder. Kurz zuvor verbreitete die Bundespolizei vier Bilder des Mannes über soziale Netzwerke, eines zeigte Aufnahmen einer Überwachungskamera.

Rahami wird verdächtigt, mehrere Bomben gelegt zu haben, in New York und in New Jersey. Es wurde Anklage gegen ihn erhoben - wegen versuchten Mordes an Polizisten in fünf Fällen, des Einsatzes von Massenvernichtungswaffen und eines Anschlags auf öffentliche Orte.

Was wir wissen:

  • Ahmad Khan Rahami ist derzeit die einzige Person, die die Polizei in Zusammenhang mit dem Bombenanschlag in New York verdächtigt. Während einer Pressekonferenz am Montagnachmittag teilte William Sweeney vom FBI mit, dass es eine "direkte Verbindung" zwischen Rahami und den Bomben gebe. Konkretisiert hat Sweeney diese Verbindung nicht. Des Weiteren führte er aus, dass es derzeit "keine Anzeichen für eine Terrorzelle" gebe, die im Raum New York operiere.
  • Das FBI überprüfte im Sommer 2014 nach einem Hinweis von Rahamis Vaters, ob es Verbindungen zur Terror-Organisationen gebe - und stellte die Ermittlungen mit den Worten "Er ist sauber" wieder ein.
  • Ahmad Rahami ist 28 Jahre alt. Er wurde am 23. Januar 1988 in Afghanistan geboren. Er ist 1,67 Meter groß und wiegt 90 Kilogramm.
  • Anscheinend wurde sein Fingerabdruck auf einem Schnellkochtopf gefunden, der nicht explodierte. Das berichtet USA Today, New York Times und auch die Nachrichtenagentur AP. Der Fingerabdruck befand sich anscheinend schon in einer Datenbank.
  • Denn Rahami hat in der Vergangenheit mehrere Tage im Gefängnis verbracht, nach Angaben der New York Times unter anderem wegen nicht bezahlter Strafzettel und mutmaßlicher schwerer Körperverletzung. Er soll einem Verwandten ein Messer ins Bein gerammt haben. Es kam jedoch nicht zum Schuldspruch.
  • Rahami hat sich noch als Minderjähriger einbürgern lassen, besitzt also einen amerikanischen Pass. Dieser Punkt dürfte noch wichtig werden, da Donald Trump bereits im August sagte, dass unter seiner Präsidentschaft auch US-Bürger nach Guantanamo geschickt werden sollen, wenn gegen diese aufgrund von Terrorverdachts ermittelt würde. (Ein Schritt, der im US-Justizsystem derzeit nicht vorgesehen ist.)
  • Rahami wurde entdeckt, als er im Eingang einer Bar saß, offenbar schlief er dort.
  • Bei seiner Verhaftung trug er ein Heft mit Notizen bei sich, in denen er die USA kritisierte und neben dem getöteten Prediger Anwar al-Awlaki auch Al-Qaida-Anführer Osama bin Laden lobte.
  • Rahami lebt in Elizabeth, einer Stadt in der Nähe des Flughafens Newark im Bundesstaat New Jersey. In dieser Stadt wurde Sonntagnacht ein Rucksack gefunden. In diesem befanden sich mehrere Bomben.
  • Freunde von Rahami haben Reportern erzählt, dass er sich nach einem Besuch in Afghanistan 2014 verändert habe. Er sei "religiöser" geworden und habe sich seither anders angezogen. Er habe vermehrt traditionelle Kleidung getragen. Seine Freunde beschreiben ihn als unscheinbare, ruhige Person. Andere schildern den mutmaßlichen Täter und dessen Familie als Außenseiter.
  • Er sei mehrmals nach Pakistan gereist, ohne dass dies der US-Regierung aufgefallen wäre, wie unter anderem The Daily Beast berichtet.
  • Rahami stand auf keiner Terrorismus-Beobachtungsliste.
  • Seine Familie betreibt ein Fast-Food-Restaurant. Rahami lebte mit seinen Eltern in einer Wohnung über dem Restaurant. Anscheinend hat er seinen Freunden Essen spendiert, wenn diese knapp bei Kasse waren.
  • Die Familie verklagte die Stadt Elizabeth. Sie fühlte sich diskriminiert, seit 2011 beschlossen wurde, dass das Restaurant um 22 Uhr schließen muss, wie CNN schreibt. Die Klage blieb folgenlos.
  • Ahmad hat eine Tochter mit einer Freundin aus der High School, die aus der Dominikanischen Republik stammt. Ahmads Vater soll die Beziehung abgelehnt haben. Ahmad soll immer wieder die Unterhaltungszahlungen vergessen haben; die Mutter beantragte nun das volle Sorgerecht.
  • Seine Ehefrau stammt aus Pakistan; sie hielt sich während der Anschläge im Ausland auf.

Was wir nicht wissen:

  • Ob Rahami tatsächlich alleine gehandelt hat. Seine elektronischen Geräte, Laptops und Smartphones, werden derzeit untersucht.
  • Was genau Rahami motiviert hat.
  • Unklar ist, ob ihm jemand beim Bau der Bomben geholfen hat. Nach Angaben der Washington Post gibt es derzeit keine Anzeichen dafür.