Neue Tierschutzregeln:Tiernutzen über Tierschutz?

Der Deutsche Tierschutzbund kritisiert, dass das neue Tierschutzgesetz ein "Tiernutzgesetz" geblieben sei, das weder Tierversuche noch Tierquälerei ernsthaft zu verhindern suche. Dies gelte auch für die neuen Heimtier-Regeln: "Tierverkäufer können wahllos entscheiden, was auf den Merkblättern stehen soll, die an Kunden verteilt werden. Deswegen wird es große qualitative Schwankungen geben." Österreich sei Deutschland in Fragen des Haustierschutzes voraus. Dort ist es zum Beispiel verboten, Meerschweinchen einzeln zu halten. Der Tierschutzbund fordert daher auch für Deutschland ein "Heimtierschutzgesetz, welches die Haltung, Kennzeichnung, Registrierung, die Ausbildung, die Zucht und den Handel mit Heimtieren insgesamt wirksam und umfassend einheitlich regelt".

Was die Ausbildung von Haustieren betrifft, befasst sich das neue Tierschutzgesetz in einem dritten Punkt mit Hundeschulen. Zwar kann man auch Kaninchen erheiternde Tricks beibringen, und Papageien sprechen bei richtiger Pflege willig ganze Sätze nach. Jedoch leidet kein Mensch unter einem schlecht ausgebildeten Meerschweinchen - die Körpermasse eines schlecht ausgebildeten Bernhardiners dagegen kann einiges niederwalzen. Um Hunden in Zukunft eine bessere Ausbildung zu garantieren, darf sich nach dem neuen Gesetz nur noch Hundetrainer nennen, wer vom Veterinäramt eine entsprechende Genehmigung erhalten hat.

Die Hundetrainerin ist unzufrieden: Sie fordert eine allgemeine Anleinpflicht

Der Hundetrainerin Astrid Lutz, die am Berliner Stadtrand wöchentlich bis zu 70 Hunden beibringt, an der Leine zu laufen und auf Zuruf zum Besitzer zurückzukehren, geht das berufsbedingt nicht weit genug. Sie ist für eine allgemeine Anleinpflicht für Hunde, die nur dann aufgehoben werden sollte, wenn die Halter einen Hundeführerschein ablegen. Hamburg hat so ein Gesetz bereits eingeführt. "Ich mag keine unerzogenen Hunde, und vor allen Dingen mag ich keine ignoranten Hundehalter," sagt Lutz. Kläffen, Fremde anspringen, Gesichter ablecken: Beinah alles lasse sich Hunden mit der nötigen Konsequenz abtrainieren. Und wenn die Gene sich gegen die Erziehung durchsetzen? Dann empfiehlt die Hundetrainerin einen Umzug. "Immer mehr Menschen halten Herdenschutzhunde in der Stadt. Die bellen dann natürlich die ganze Zeit. Da sollte man lieber aufs Land ziehen."

Für Herdenschutzhunde ist in dem kleinen Laden, in dem Otto wartet, ohnehin kein Platz. Der Mann in der grünen Latzhose verkauft einem Dackelbesitzer einen Knochen. Der Dackel nimmt den Knochen entgegen, der Besitzer zahlt. Und Otto zuckt und schnuppert. "Natürlich verkaufe ich den nur zu zweit", sagt der Latzhosen-Mann. Otto kann nur hoffen.

© SZ vom 01.08.2014/leja
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