bedeckt München 21°

Schweres Nachbeben in Japan:Leck in weiterem Atomkraftwerk

Drei Menschen sterben, zahlreiche werden verletzt: Vier Wochen nach der verheerenden Naturkatastrophe hat ein Erdbeben der Stärke 7,4 Japan erschüttert. Nun treten auch in weiteren Atommeilern Probleme auf. Die Nerven der Menschen liegen blank.

Einen Tag nach dem bislang schwersten Nachbeben seit der Katastrophe muss Japan mit neuerlichen Opfermeldungen zurechtkommen: Am Donnerstag sind mindestens 140 Menschen verletzt worden, mindestens drei Todesopfer wurden gezählt.

Das heftige Nachbeben scheint überwiegend ohne schwere Folgen ausgegangen zu sein, doch die Nerven der ohnehin strapazierten Menschen liegen blank, vor allem in den Evakuierungslagern.

(Foto: AP)

Das Nachbeben, dessen Stärke nach mehrfachen Korrekturen mit 7,4 angegeben wurde, löste zahlreiche Brände aus und verursachte in der Millionenstadt Sendai mehrere Lecks im Gasversorgungsnetz. Bahnverbindungen wurden unterbrochen, vereinzelt fielen Telefonnetze aus. In etwa vier Millionen Haushalten wurde die Stromversorgung unterbrochen, wie CNN unter Berufung auf die Polizei meldete. Es war das schwerste Nachbeben seit dem verheerenden Erdbeben vor vier Wochen.

Das Epizentrum lag nach Angaben der US-Erdbebenwarte USGS in einer Tiefe von etwa 40 Kilometern vor der Küste der Präfektur Miyagi, 66 Kilometer östlich von Sendai, das bereits bei der Katastrophe am 11. März verwüstet worden war. Das Beben war auch in der etwa 330 Kilometer vom Epizentrum entfernten Hauptstadt Tokio noch zu spüren. Eine Tsunami-Warnung wurde schon eine Stunde nach dem Beben aufgehoben.

Im Atomkraftwerk Onagawa, das nur 20 Kilometer nodwestlich des Epizentrums liegt, trat nach dem Erdbeben nach Angaben des Betreibers Wasser aus. In allen drei Reaktoren sei Wasser auf den Boden geschwappt, teilte der Betreiber Tohoku Electric Power am Freitag mit. Nach Angaben des Fernsehsenders NHK waren es nur wenige Liter. Das Wasser stammt zum Teil aus Becken, in denen verbrauchte Brennelemente gelagert werden. Auch an anderen Stellen der Anlage sei Wasser ausgelaufen, berichtete der Betreiber. Außerdem wurden Teile, die den Druck kontrollieren sollen, im Turbinengebäude von Reaktor 3 beschädigt, berichtete NHK. Rund um den Meiler sei aber keine erhöhte Strahlung gemessen worden.

Außerdem berichtete der Betreiber nach Angaben des Fernsehsenders NHK über Schwierigkeiten mit der Stromversorgung. Zwei von drei Kreisläufen seien unterbrochen worden, die Kühlung habe dennoch nur kurzzeitig ausgesetzt und funktioniere wieder. Grundsätzlich sei die Versorgung der Anlage nach wie vor gesichert. Das AKW in der Präfektur Miyagi war beim Beben vor vier Wochen automatisch heruntergefahren worden und liegt seitdem still.

Auch an weiteren Meilern löste das Beben Störfälle aus: Im AKW Higashidori in der Präfektur Aomori im Norden Honshus und in der benachbarten Wiederaufbereitungsanlage Rokkasho wurde die externe Stromversorgung unterbrochen, berichtet Kyodo. Die Notversorgung funktioniere aber an beiden Standorten.

In der schwerbeschädigten Atomanlage Fukushima-1 soll es durch das Nachbeben hingegen keine neuen Schäden gegeben haben, wie der Betreiber Tepco mitteilte. Das Kernkraftwerk wurde nach dem Beben zunächst evakuiert, die Arbeiter seien später jedoch wieder in die Anlage zurückgekehrt, meldete CNN.

Die Arbeiter in Fukushima-1 bemühten sich weiter, einen drohenden Super-GAU zu verhindern. Die Kühlung der Reaktoren mit Wasser funktioniere auch nach dem Beben weiter, berichtete die Agentur Kyodo. Die Techniker seien in Sicherheit gebracht worden, verletzt worden sei niemand.

Die Arbeiter sollten die Anlage nach Aufhebung der Tsunami-Warnung kontrollieren. Es wurde nach Angaben von Tepco auch weiter Stickstoff in das Reaktorgehäuse am Block 1 eingeleitet. Die Maßnahme läuft erst seit Donnerstag.

Das Gas soll das brisante Luftgemisch im Innern verdünnen und so verhindern, dass es zu neuen Wasserstoff-Explosionen wie kurz nach der Havarie kommt. Kyodo meldete, der Energiekonzern wolle über sechs Tage fast 6000 Kubikmeter Stickstoff zuführen. Die Reaktorblöcke 2 und 3 könnten folgen.

Die japanische Regierung zieht inzwischen eine Erweiterung der Evakuierungszone um den Katastrophenreaktor in Erwägung. In der Presse wurde spekuliert, die Regierung könnte auch den Bewohnern außerhalb eines 30-Kilometer-Radius um Fukushima-1 raten, das Gebiet zu verlassen.

Regierungssprecher Yukio Edano hatte am Donnerstag erklärt, Experten hätten schon Beratungen über angesammelte Strahlungswerte aufgenommen, die Grundlage für weitere Evakuierungsmaßnahmen sein könnten. Bisher hat Tokio lediglich eine 20-Kilometer-Zone rund um den Reaktor evakuieren lassen, die Bewohner im Bereich zwischen 20 und 30 Kilometern dürfen selbst entscheiden, ob sie bleiben oder gehen wollen. Ihnen wurde lediglich empfohlen, sich nicht im Freien aufzuhalten.

Bei einem ersten Einsatz innerhalb der 20-Kilometer-Zone suchten etwa 300 Polizisten in Schutzkleidung nach Opfern der Erdbeben- und Tsunami-Katastrophe vom 11. März. Mit schwerem Gerät räumten sie Trümmer beiseite und bargen schon nach kurzer Zeit drei Tote, wie die Agentur Jiji Press berichtete. Allein in der Präfektur Fukushima gelten etwa 3900 Bewohner seit dem Unglück als vermisst.