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Brand der Kathedrale:Kirchenmitarbeiter aus Polizeigewahrsam entlassen

Nantes: Innenraum der zerstörten Kathedrale nach einem Brand 2020

Trümmer in der Kathedrale von Nantes: Brandermittler suchen nun nach Spuren.

(Foto: REUTERS)

Zwischen dem Freiwilligen aus der Diözese und dem Brand der Kathedrale von Nantes konnte keine Verbindung nachgewiesen werden. Die Polizei geht weiterhin von Brandstiftung aus.

Nach einem zerstörerischen Feuer in der Kathedrale der westfranzösischen Stadt Nantes gehen die Ermittler dem Verdacht auf Brandstiftung nach. Ein Mann wurde am späten Sonntagabend aus dem Polizeigewahrsam entlassen, berichteten mehrere Medien unter Berufung auf den Staatsanwalt von Nantes, Pierre Sennès. Es gebe keine weitere Strafverfolgung gegen den 39-Jährigen, sagte Sennès der Lokalzeitung "Presse Océan". Demnach gab es keine Verbindung zwischen ihm und dem Feuer.

Die Ermittler verfolgen derzeit die Theorie, dass der Brand mit Absicht gelegt wurde. Demnach gab es in der Kathedrale drei Brandherde. Bei ersten Untersuchungen waren keine Einbruchspuren an dem Gebäude gefunden worden.

Der Mann war am Samstag in Polizeigewahrsam genommen worden, nachdem der Brand unter anderem die Hauptorgel der Kirche zerstört hatte. Er arbeitete nach Angaben der Staatsanwaltschaft als Freiwilliger in der Diözese und war am Freitagabend für die Schließung der Kathedrale zuständig gewesen. Die Ermittler wollten Sennès zufolge Fragen in der zeitlichen Abfolge des Abends klären. Die Widersprüchlichkeiten hätten sich jedoch aufgelöst, hieß es in dem Bericht.

Die Feuerwehr beendete ihren Einsatz an der Kirche am Sonntag, der Vorplatz der Kirche wurde wieder freigegeben. Nun sollen Experten die Ursache des Feuers untersuchen, das die Hauptorgel in der Kathedrale komplett zerstörte. Teile fielen in den Innenraum des Kirchenschiffs und blieben dort als verkohlter schwarzer Haufen zurück. Die Plattform unter der Orgel sei durch das Feuer instabil geworden, erklärten die Einsatzkräfte. Auch ein großes Buntglasfenster und weitere Fenster wurden zerstört. Der Brand beschädigte auch ein Gemälde. Die Wände waren teilweise mit schwarzem Ruß überzogen.

Die Hauptorgel wurde komplett zerstört

Das Feuer in der spätgotischen Kirche war für Frankreich ein schreckliches Déjà-vu: Als am frühen Samstagmorgen dicke schwarze Rauchschwaden und Flammen aus der Frontfassade der Kathedrale schlugen, fühlten sich viele an das Inferno in der weltberühmten Pariser Kirche Notre-Dame vor mehr als einem Jahr erinnert. Schockiert verfolgten die Französinnen und Franzosen vor Ort in Nantes und auf den Bildschirmen den Brand.

Die Diözese veröffentlichte am Samstag erste Bilder der Schäden: Große Teile der Hauptorgel waren in den Innenraum der Kirche gefallen und lagen dort als verkohlter Trümmerhaufen. Neben der Orgel sei auch ein großes Buntglasfenster aus dem 15. Jahrhundert zerstört, teilte die Diözese mit. Auf den Bildern waren zudem ein schwarz ausgebrannter Schrank und großflächige Rußspuren an der Wand dahinter zu sehen.

Die Kathedrale von Nantes aus dem 15. Jahrhundert ist den Aposteln Peter und Paul geweiht und gehört zur französischen Spätgotik. Bei einem verheerenden Feuer 1972 wurde der Dachstuhl der Kirche komplett zerstört. Die Hauptorgel blieb bei dem Brand damals fast unversehrt. 2015 hatte in Nantes zudem ein spektakuläres Feuer das Dach der Basilika Saint-Donatien zerstört.

Frankreichs Premierminister Jean Castex bedankte sich am Samstag bei den Feuerwehrleuten vor Ort für ihren Einsatz. Er war gemeinsam mit Kulturministerin Roselyne Bachelot und Innenminister Gérald Darmanin nach Nantes gereist, um sich die Schäden in der Kirche anzusehen. Der Wiederaufbau müsse so schnell wie möglich geschehen, sagte Castex. Der Staat werde dazu seinen Teil beitragen, so der Premierminister.

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© SZ/dpa/vd/afis/lot

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