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Nach Schüssen auf Boxerin El-Halabi:Sechs Jahre Haft für Stiefvater

Er kam in ihre Kabine, zückte eine Waffe und schoss ihr in Hände und Beine: Noch immer ist unklar, ob die Profi-Boxerin Rola El-Halabi je wieder in den Ring steigen kann. Ihr Adoptivvater und früherer Manager wurde jetzt zu sechs Jahren Haft verurteilt.

Der Stiefvater der Profiboxerin Rola El-Halabi muss sechs Jahre in Haft - wegen gefährlicher Körperverletzung seiner Tochter. Der 44-Jährige hatte El-Halabi am 1. April 2011 vor einem Weltmeisterschaftskampf in Hände und Beine geschossen und schwer verletzt.

Kurz vor dem Kampf in Berlin war der frühere Sportmanager in El-Halabis Kabine gestürmt, hatte zwei Wachleute angeschossen und seine Stieftochter mit vier Schüssen niedergestreckt. Es ist unklar, ob die 26-Jährige je wieder boxen kann.

Die Boxerin war zur Urteilsverkündung ins Gericht gekommen. Der Adoptivvater hatte die Tat gestanden, aber bestritten, gezielt geschossen zu haben.

Das Gericht befand ihn dagegen für schuldig, "gezielt" auf seine Tochter geschossen zu haben. Eine Tötungsabsicht stellten die Richter jedoch nicht fest. "Es handelt sich nicht um einen schwer kriminellen Täter, sondern um einen massiven Beziehungskonflikt", sagte der Vorsitzende Richter Thomas Groß. Der Angeklagte habe eine "narzisstische" und "selbstbezogene" Persönlichkeit.

Hintergrund der Tat war laut Gericht, dass El-Halabi sich im Januar dieses Jahres von ihrem Stiefvater als Manager getrennt hatte. Dieser hatte ihre Karriere bis dahin eng begleitet. Außerdem soll er gegen die Beziehung seiner Stieftochter zu einem verheirateten Mann gewesen sein.

Mit seinem Urteil kam das Gericht der Forderung der Anklage sehr nahe: Die Staatsanwaltschaft hatte eine Gesamtstrafe von sechs Jahren und zehn Monaten Haft gefordert. Die Verteidigung hatte keinen konkreten Antrag gestellt, verlangte aber eine mildere Strafe. Die bis zu dem Anschlag sehr erfolgreiche Boxerin leidet weiter unter den Folgen ihrer Verletzung.