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Nach Festnahme:Wegen Bombenbaus verdächtigter Junge verlässt USA

Ahmed Mohamed, a 14-year-old student from Irving, Texas

Nach einer kleinen Reise hat sich Ahmed Mohamed entschieden. Er will in Katar leben.

(Foto: dpa)
  • Der 14-jährige Ahmed Mohamed wollte Mitschüler und Lehrer mit einer selbstgebauten Uhr beeindrucken - und landete in Haft, weil Lehrer und Polizisten dachten, es handle sich um eine Bombe.
  • International wurde ausführlich über den Fall berichtet - der Junge wurde von Präsident Obama persönlich ins Weiße Haus eingeladen.
  • Nun teilt die Familie mit, die USA verlassen zu wollen. Als Grund wird angegeben, dass die bestmögliche Ausbildung des Jungen "zentral" für die Entscheidung gewesen sei.

Von Hakan Tanriverdi, New York

Der Terminkalender von Ahmed Mohamed ist voll gewesen in den vergangenen Tagen: Reisen nach Mekka, Katar, Sudan, nach New York (unter anderem in das Büro von Google) und schließlich nach Washington, D.C., um vom Präsidenten der Vereinigten Staaten umarmt zu werden. Wie sich nun herausstellt, gefällt es dem 14-jährigen in Katar so gut ("amazing"), dass er sich dazu entschlossen hat, die USA zu verlassen.

Ahmed Mohamed, das ist der Junge, der weltweit für Schlagzeilen sorgte, weil er eine Uhr gebaut hatte, die seine Lehrer für eine Bombe hielten. Der daraufhin festgenommen wurde. Dessen Geschichte hunderttausendfach in sozialen Netzwerken geteilt wurde - und die in zahlreichen Kolumnen und Nachrichtenstücken seither als Beweis dafür angeführt wird, dass die USA zutiefst rassistisch sein können.

Ahmed bekam nach Bekanntwerden seiner Geschichte viel Zuspruch, zum Beispiel in Form eines Praktikum-Angebots von Twitter. Er sollte Facebook und die Elite-Uni M.I.T. besuchen - und ebenfalls den Präsidenten. "Coole Uhr, Ahmed. Magst du sie ins Weiße Haus bringen?" hatte Obama getwittert. Der Junge kam zu Besuch (die Uhr hingegen nicht).

Bestmögliche Ausbildung

In einem Statement des Vaters heißt es nun: "Unsere Familie ist überwältigt von den vielen Angeboten und der Unterstützung, die wir seit der bedauerlichen Verhaftung von Ahmed erhalten haben." Die Familie habe die Angebote sorgfältig geprüft und sich dazu entschieden, jenes der katarischen Stiftung für Bildung, Wissenschaft und Gesellschaftsbildung anzunehmen. Ahmed werde dort ein Programm für junge Erfinder absolvieren. Die Ausbildung werde über ein Stipendium bezahlt. Die Familie betont, dass die bestmögliche Ausbildung des Jungen "zentral" für die Entscheidung gewesen sei.

Auch Ahmed Mohamed kommt im Statement zu Wort: "Katar war ein cooler Ort für einen Besuch. Ich mag die Stadt Doha, weil sie so modern ist. Ich habe dort viele tolle Schulen gesehen, viele von ihnen von amerikanischen Universitäten. Die Lehrer waren großartig. Ich glaube, dass ich sehr viel lernen und eine gute Zeit haben werde."

Die Entscheidung, das Land zu verlassen, soll innerhalb der vergangenen 24 Stunden gefallen sein, schreibt die Washington Post. Über die Reise des Jungen wurde in amerikanischen Medien ausführlich berichtet. Dass er sich mit dem sudanesischen Präsidenten traf, wurde kritisiert. Gegen Omar al-Baschir liegen internationale Haftbefehle vor. Die Familie von Ahmed kommt aus dem Sudan, sein Vater trat als Kandidat gegen al-Baschir an.

Immenser Druck auf dem Jungen

Nach Angaben der Washington Post, die mit Ahmeds Schwester und einem Familienfreund gesprochen hat, soll ein immenser Druck auf dem Jungen lasten. Dieser sei einerseits gut: "Er ist nun motiviert, härter zu arbeiten als je zuvor", so die Schwester. Andererseits: "Es werden so viele Sachen (über Ahmed; Anm. d. Red.) gesagt, die schlicht nicht wahr sind". Seit der Junge Gegenstand medialer Berichterstattung ist, gibt es Verschwörungstheorien, schreibt die Washington Post. Auf rechtskonservativen Blogs heißt es, dass Ahmed die Uhr nicht selbst gebaut habe. Der britische Biologe Richard Dawkins warf auf Twitter die Frage auf, ob der Junge vielleicht verhaftet werden wollte.

Dieser Druck habe dazu geführt, dass Ahmed keine amerikanische Schule mehr besuchen wollte. Die Familie plane, das Land bereits kommende Woche zu verlassen.

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