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Muhammad Ali:Einer für alle

Könige, Schauspieler, Erdoğan und Tausende Menschen auf den Straßen: Muhammad Alis Heimatstadt Louisville (Kentucky) bereitet sich auf eine opulente Trauerfeier für den verstorbenen Boxer vor.

Offenbar ist der Boxsport etwas, das die Welt auf ganz besondere Weise eint. Etwas, das Menschen überall begeistert - unabhängig von Alter, Geschlecht, Religion oder Hautfarbe. Am Sonntag ist der Leichnam Muhammad Alis mit einem Privatjet aus Phoenix (Arizona) eingetroffen, an diesem Freitag wird der Sarg durch Louisville (Kentucky) getragen - vorbei an dem Haus, in dem Ali als Kind einst lebte, weiter zum Friedhof Cave Hill. Tausende Menschen werden ihn begleiten. Trauerreden auf den neunfachen Vater werden Ex-Präsident Bill Clinton halten, Jordaniens König Abdullah II., der Hollywood-Schauspieler Billy Crystal sowie Alis Witwe Lonnie. Der Dalai Lama hat leider abgesagt, aber möglicherweise schaut Barack Obama vorbei. Er hat Ali gerade mit Bürgerrechtlern wie Martin Luther King und Nelson Mandela verglichen und bekannt, dass er als erster farbiger US-Präsident erst sehr spät begriffen habe, dass Ali "für uns" kämpfte.

Boxer, Underdog, Vietnamkriegsverweigerer, Nachfahre der Sklaven, Christ, Muslim, Superstar - Ali war eine Universalikone, sein Deckel passte auf viele Töpfe. Von Madonna bis Snoop Dogg nennen sie ihn ihren "Helden", David Cameron spricht vom "Vorbild", Frank-Walter Steinmeier von einer "Ikone". Und während die einen sich gerne daran erinnern, dass Ali immer "die Liebe und den Frieden" betont habe, imponiert den anderen die Geschichte, dass er als Zwölfjähriger einem Polizisten gesagt habe, er werde dem Dieb seines Fahrrads "den Arsch versohlen", worauf der Polizist ihm glücklicherweise den Boxsport als Ausgleich empfahl.

Die Pfarrerin der King Solomon Missionary Baptist Church erinnert sich, Ali habe noch bei ihr im Gottesdienst gesessen, als er schon zum Islam konvertiert sei. Das sei Ausdruck für seine Toleranz. Vertreter verschiedenster Glaubensrichtungen sollen auch auf seiner Trauerfeier sprechen.

Und während in Kinshasa, wo Ali vor fast 42 Jahren beim Rumble in the Jungle George Foreman k.o. geschlagen hatte, die Menschen ihrem Idol mit Blumen und Karten gedachten, streute allein der Passauer Bischof Stefan Oster etwas Salz in die Suppe. Auf seiner Internetseite fragte er, ob tatsächlich jemand "der Größte" sein könne, "der davon lebt, einem Gegner so viel Schmerz wie möglich zufügen zu wollen, bis er möglichst nicht mehr aufrecht stehen kann?" So ein Urteil sei doch eher "Ausdruck von Blindheit einer Welt und Zeit". Ach, Passau. Nicht-Theologe George Foreman sieht das natürlich ganz anders. Er kommentierte Alis Tod mit der Feststellung, sein "schönster Teil" sei ihm abhanden gekommen.

29 000 Schläge habe er in seinem Leben eingesteckt, berichtete Ali einmal. Natürlich stellvertretend für alle Underdogs. Das olympische Gold, die WM-Siege im Schwergewicht - Ali hat für alle gekämpft. Sein Trauerzug wird ein sehr langer werden. Selbst Recep Tayyip Erdoğan hat sich schon angemeldet. Wie gesagt: Alis Deckel passt auf sehr viele Töpfe.