Missbrauchsfall in Lügde Leitender Ermittler suspendiert

Der Wohnwagen in Lügde ist mit einem Polizeisiegel verschlossen.

(Foto: dpa)
  • Im Fall des massenhaften sexuellen Missbrauchs von Kindern auf einem Campingplatz in Lügde sind 700 Gigabyte Beweismaterial verschwunden.
  • Seit Mittwoch suchen vier Beamte nach dem Material, für dessen Sichtung ein Beamter in Ausbildung zuständig war.
  • Nun muss der erste Polizist seinen Posten räumen.
Von Jana Stegemann, Düsseldorf

Im Fall des tausendfachen Kindesmissbrauchs auf einem Campingplatz im nordrhein-westfälischen Lügde wurde am Freitagnachmittag der Leiter der "Direktion Kriminalität" von seinen Aufgaben entbunden. Wolfgang Pader, so der Vorwurf des zuständigen Landrats und Behördenchefs Axel Lehmann (SPD), habe ihn zu spät über die verschwundenen Beweise im Fall Lügde informiert. Am Donnerstagabend hatte NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) einräumen müssen, dass wichtiges Beweismaterial, ein Alukoffer und eine schwarze Hülle mit 155 Datenträgern, seit Wochen verschwunden ist.

Am Freitagmittag wurde bekannt, dass ein Polizist in Ausbildung mit der Sichtung und Auswertung dieses hochsensiblen Datenmaterials beauftragt gewesen war. "Das darf nicht normal sein", so Lehmann; es verstößt aber nicht gegen Dienstvorschriften. Unklar ist, ob es sich bei den verschollenen 0,7 Terabyte um kinderpornografisches Material handelt.

Vier Beamte suchen nach Asservaten

Die CDs und DVDs waren im Dezember im Campingwagen des Hauptverdächtigen, des 56-jährigen Andreas V., sichergestellt worden. Das Fehlen der beiden Asservate sei aber erst am 30. Januar bemerkt worden. Seitdem sei bereits danach gesucht worden - ohne Erfolg. Seit vergangenem Mittwoch sind auf Anweisung von NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) ein Sonderermittler und vier Beamte vom Landeskriminalamt mit der Suche nach den Asservaten beauftragt.

Von der zuständigen Staatsanwaltschaft in Detmold hieß es, zum jetzigen Zeitpunkt gehe man davon aus, "dass die Asservate aufgrund nachlässigen Umgangs nicht auffindbar sind und nicht entwendet wurden". Auszuschließen sei ein Diebstahl aber noch nicht.

Der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) greift unterdessen die Landesregierung an: "Seit mehreren Jahren weisen meine Kollegen in Lippe darauf hin, dass sie am Limit arbeiten", sagte Sebastian Fiedler, Bundes- und NRW-Landesvorsitzender des BDK, dem WDR. Die Behörde sei ausgeblutet worden über die vergangenen Jahre. Lippe habe eine Quote von 1,1 Beamte auf 1000 Bewohner des Kreises - die niedrigste Polizeidichte in ganz NRW, bestätigte Landrat Lehmann. Eine neunköpfige Ermittlungskommission der Kreispolizeibehörde Lippe hatte zuerst im Fall Lügde ermittelt, erst später war er an die Polizei Bielefeld übergeben worden. Derweil haben die Oppositionsfraktionen im NRW-Landtag zu dem Thema eine Sondersitzung des Innenausschusses beantragt.

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