Missbrauch in der katholischen Kirche Franziskus beruft Gipfeltreffen ein

Papst Franziskus will mit den Spitzen der Bischofskonferenzen über Missbrauch in der katholischen Kirche beraten.

(Foto: AFP)
  • Papst Franziskus hat Bischöfe weltweit zu einem Treffen einberufen, um über Missbrauch in der Kirche zu beraten.
  • Die katholische Kirche in Deutschland wird von einem Missbrauchsskandal erschüttert. Einer Studie zufolge hat es von 1946 bis 2014 mehr als 3600 dokumentierte Übergriffe gegeben.
  • In vielen Fällen seien Hinweise "vernichtet oder manipuliert" worden; nur wenige Beschuldigte hätten sich verantworten müssen.

Papst Franziskus will angesichts der Missbrauchsvorwürfe gegen die katholische Kirche die Leiter aller Bischofskonferenzen weltweit zu einem Gipfeltreffen bitten. Dieses werde vom 21. bis 24. Februar 2019 im Vatikan stattfinden, sagte die vatikanische Vizesprecherin Paloma Garcia Ovejero. Sie verlas eine Erklärung des sogenannten Kardinalsrates, der neun Mitglieder umfasst und den Papst bei Reformen berät. Der Rat hatte drei Tage lang beraten. Hauptthema war das Thema Missbrauch in der Kirche.

Die katholische Kirche war vor wenigen Wochen von einem Grand-Jury-Bericht zu sexuellem Missbrauch im US-Bundesstaat Pennsylvania erschüttert worden. Nun liegt auch ein Bericht vor, der Fälle in Deutschland dokumentiert. Demzufolge wurden in der katholischen Kirche in der Bundesrepublik jahrelang Minderjährige sexuell missbraucht und die Taten zum Teil vertuscht.

Der Spiegel zitiert vorab aus der vertraulichen Studie, die von der Deutschen Bischofskonferenz in Auftrag gegeben und von einem Forschungskonsortium der Universitäten Mannheim, Heidelberg und Gießen verantwortet wurde. Demnach soll es in den Jahren 1946 bis 2014 mindestens 3677 dokumentierte Fälle von sexuellen Übergriffen an überwiegend männlichen Minderjährigen gegeben haben, begangen von insgesamt 1670 Klerikern.

Mehr als die Hälfte der Opfer waren zum Tatzeitpunkt 13 Jahre alt oder jünger. In etwa jedem sechsten Fall soll es zu unterschiedlichen Formen der Vergewaltigung gekommen sein. Drei Viertel aller Betroffenen hätten mit den Beschuldigten in einer kirchlichen oder seelsorgerischen Beziehung gestanden, so der Bericht.

Die Dunkelziffer dürfte hoch sein. Die Studie gibt an, dass in vielen Fällen Hinweise "vernichtet oder manipuliert" worden seien. Die Hälfte aller Fälle sei nur entdeckt worden, weil die Betroffenen einen Antrag auf Entschädigung gestellt hatten. Daraus ergebe sich ein "Hinweis auf das Ausmaß des anzunehmenden Dunkelfelds", heißt es.

Wurde ein Fall intern bekannt, seien die Beschuldigten oft an einen anderen Ort versetzt worden, ohne dass die aufnehmende Gemeinde "mit der entsprechenden Information" über den Missbrauchstäter versorgt worden wäre. Nur ein Drittel musste sich einem kirchenrechtlichen Verfahren stellen. Und auch dann habe es meist nur minimale Sanktionen gegeben, wenn überhaupt.

Zölibat als Risikofaktor

Der Studie zufolge gäbe es keinen Grund zur Annahme, "dass es sich beim sexuellen Missbrauch Minderjähriger durch Kleriker der katholischen Kirche um eine in der Vergangenheit abgeschlossene und mittlerweile überwundene Thematik handelt". Demnach kamen bis zum Ende des Untersuchungszeitraums immer weitere, aktuelle Fälle zum Vorschein.

Die Autoren stellen offenbar auch Vermutungen zu den Hintergründen an, die Missbrauch in der Kirche zu begünstigen scheinen. Das Zölibat sei "ein möglicher Risikofaktor", so die Autoren. Und auch die "grundsätzliche Ablehnung der katholischen Kirche zur Weihung homosexueller Männer sei dringend zu überdenken".

Für die Studie wurden insgesamt 38 000 Akten aus 27 deutschen Diözesen untersucht. Die Deutsche Bischofskonferenz wollte die Ergebnisse der Untersuchung eigentlich erst am 25. September öffentlich vorstellen. Durch den Medienbericht und die Ankündigung des Papstes hat die Debatte nun neue Dynamik bekommen.

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