Minu Baratis erste Kinoproduktion Grenzüberschreitungen werden nicht akzeptiert

Über Fischer und seine Frau war lange wenig bekannt, es war auch nicht ratsam, über sie zu berichten. Bei der Hochzeit 2005 in Rom war zum Beispiel das Menü tabu. Wer übers Essen schrieb, bekam Post vom Anwalt. "Sie mögen das lächerlich finden", sagt Barati. "Aber es gibt Situationen, in denen man sich besser gegen alles erwehrt, um klar zu machen, dass nicht jede Grenzüberschreitung akzeptiert wird."

Die Scheu vor den Kameras scheint inzwischen gewichen, ausgiebig posiert sie auf den roten Teppichen der Hauptstadt, und es gibt Menschen, die sagen, dass es mit ihr fast ist wie mit dem Hasen und dem Igel: Immer, wenn man in Berlin auf eine Party geht, ist Minu Barati schon da.

Sie plaudert über Filme und Mode, sie redet wenig über Privates. Man weiß, dass der Kanarienvogel ihrer Oma Joschka hieß, weil er schimpfte wie der Fischer. Sie war Waldorfschülerin, machte Abitur am Privatgymnasium, und lange war es ihr größter Traum, sagt sie, in einer Reihenhaussiedlung zu wohnen, um zu sein, wie alle. Heute lebt sie mit Mann und Tochter Shirin, 16, die aus ihrer ersten Ehe stammt und die sie allein großgezogen hat, im feudalen Grunewald.

Schon ein anderer Planet, eine Villa dort, oder? Sie knipst ihr Sphinx-Lächeln an. Anderes Thema bitte.

Zu Hause waren oft Regimekritiker zu Gast

Dass sie in privaten Dingen so strikt ist, mag auch daran liegen, dass sie weiß, wie es ist, wenn Freiheit beschnitten wird. Sie ist die Tochter einer deutschen Lehrerin und Mehran Barati. Der ist eine mächtige Stimme der iranischen Opposition im Exil. Politik war immer ein Thema zu Hause, oft waren Regimekritiker zu Gast. Es war eine gefährliche Zeit für ihren Vater, später lebte er unter Polizeischutz. Nur durch Zufall wurde er 1992 nicht Opfer des Attentats im griechischen Restaurant Mykonos in Berlin, bei dem vier Menschen starben. Das Treffen von acht Oppositionsführern wurde kurzfristig verlegt, Barati nicht informiert. Der Stuhl, auf dem er sitzen sollte, war von Kugeln durchsiebt. Auftraggeber: der iranische Geheimdienst.

Minu Barati war damals 16. Sie redet nicht gern darüber, sagt nur: "Das war ein schlimmer Tag für viele Menschen." Aber es sei auch so, dass der harte Kurs der deutschen Justiz gegen die Drahtzieher die Anschlagsserie in Europa beendet habe. Sie war einmal in Iran, als Kind, und sie möchte wieder dahin, auch, weil Verwandte in Teheran leben. Aber als Tochter eines Oppositionellen sei das keine gute Idee.

Diskutieren ihr Mann und ihr Vater über Politik? "Ja, natürlich." Diskutieren Minu Barati und Fischer über Politik" "Ja, natürlich." Sind Sie einer Meinung? "Natürlich nicht." Auch als er noch aktiv in der Politik war? "Ja, natürlich." Haben Sie je Joschka gewählt? "Ich spreche nicht darüber, was ich wähle." Nächste Frage, bitte. Vielleicht mal nichts mit Politik?

"Ich liebe schöne Sachen"

Auf dem Sofa gegenüber sitzt ein langhaariger Abenteurer, er redet pausenlos in sein Handy und dazwischen lächelt er Minu Barati an. Sie lächelt zurück. Andere Gäste tuscheln. So ist das oft, wenn sie irgendwo auftaucht, egal, ob in einfachen Cafés oder den Epizentren der Hauptstadtgesellschaft, also Restaurants wie dem Grill Royal oder Borchardt. Sie scheint die Inszenierung zu lieben. In einer Stadt, die für T-Shirts und Jeans steht, setzt sie auf Robe und High Heels. Der Münchner Merkur nannte sie einmal eine Stilikone.

"Ich liebe schöne Sachen, ich finde da auch nichts Frevelhaftes dabei", sagt Barati, die ein schwarzes Kleid trägt und einen braunen Pullover. Abends ist sie oft in Mode von Unrath & Strano zu sehen. Die Vorliebe für die Berliner Designer mit ihren asymmetrischen Kaskadenschnitten, die nicht jeder Figur schmeicheln, teilt sie mit Kati Witt und Verona Pooth. Designer Klaus Unrath ist ein Freund von Barati, "er leiht mir seine wunderschönen Abendkleider für Events, ich kaufe aber auch viel". Kleid gegen PR, so geht das.

Beim Dreh, bei dem sie 4000 Kilometer durch Niemandsland juckelte, spielte das alles keine Rolle. Da habe sie Trekkingschuhe und Outdoorkleidung getragen, die sei schrecklich, aber eben nötig. Der nächste Dreh soll bald folgen. Sie arbeite jetzt an einem Film mit Danis Tanovic, dem bosnischen Regisseur, der für "No Man's Land" einen Oscar bekam.

Dass sie eine Komödie produziert habe, schließe ja nicht aus, sich dann mit einem schweren Thema zu beschäftigen, sagt sie, mit einem Stoff, der Fragen aufwirft und der eine politische Haltung einnimmt.

Sie will sich nicht einordnen lassen. Nicht einmal von ihrem Mann. Der durfte den Film erst bei der Premiere sehen.