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Menschenschmuggel:64 Migranten in Lkw-Container in Mosambik erstickt

Die Äthiopier wollten illegal nach Südafrika einreisen. Der Fahrer und ein Mittelsmann wurden festgenommen.

Die Polizei in Mosambik hat am Dienstag 64 Äthiopier tot auf der Ladefläche eines Lastwagens entdeckt. Sie sind offenbar erstickt. Neben den Leichen fand die Polizei 14 Überlebende. Die Männer waren in einem Frachtcontainer eingeschlossen. Zwar ist die Todesursache noch nicht geklärt, allerdings berichten mosambikanische Medien, dass der Sauerstoff in dem Container knapp geworden ist und die Menschen deshalb erstickten. Die Überlebenden seien derzeit in Gewahrsam der Einwanderungsbehörde und erhielten medizinische Behandlung. Sie würden zunächst auf das Coronavirus untersucht und in Quarantäne gebracht. Einige von ihnen seien dehydriert: In Mosambik werden zu dieser Jahreszeit Temperaturen über 30 Grad gemessen.

Polizisten hielten den Lastwagen an einem Kontrollpunkt in der Nähe des Sambesi-Flusses routinemäßig an, als dieser aus Malawi über die Grenze fuhr. Dabei wurden sie auf den Container aufmerksam, als sie dumpfe Schläge und Schreie hörten, wie eine Sprecherin der Provinz sagte. Zunächst habe der Fahrer nicht anhalten wollen, wie die Zeitung Nyasa Times berichtet. Der Fahrer sagte einem lokalen Fernsehsender, ein Mann habe ihm in Malawi umgerechnet rund 460 Euro geboten, wenn er die Migranten nach Mosambik bringen würde. Polizisten nahmen den Lkw-Fahrer sowie einen Mittelsmann fest, der als Schleuser den Fahrer angeheuert haben soll. Beide Männer sind mosambikanische Staatsangehörige.

Angaben der Behörden zufolge hatten die Menschen versucht, von Äthiopien aus illegal in die Provinz Tete im Nordwesten Mosambiks einzureisen. Von dort aus wollten sie weiter nach Südafrika, eine der größten Volkswirtschaften des Kontinents. Das Land ist eines der Hauptziele für Migranten aus ganz Afrika, die sich dort bessere Chancen erhoffen. Südafrika ist zudem einer der am stärksten industrialisierten afrikanischen Staaten. Immer wieder kommt es dort zu Ausschreitungen und Gewalt gegen Migranten.

Zuletzt spitzte sich die Gewalt im Herbst 2019 zu: Rund 1000 Geschäfte ausländischer Inhaber wurden geplündert, mehrere Moscheen verwüstet. Zwölf Menschen wurden während der Ausschreitungen getötet und mehr als 700 verletzt. Viele der Migranten stammen aus den ärmsten Ländern der Welt. Auf der Transitroute nach Südafrika gilt Mosambik als wichtiger Korridor. Allein in diesem Jahr wurden bereits mehr als 200 Menschen festgenommen, die versuchten, zunächst illegal nach Mosambik zu gelangen, um von dort nach Südafrika weiterzureisen. Die meisten von ihnen kamen aus Äthiopien, Malawi, Ägypten und Somalia.

Vor fünf Jahren machte ein ähnlicher Fall weltweit Schlagzeilen: Auf einem Autobahn-Parkplatz in Österreich fanden Beamte in einem Lastwagen aus Ungarn 71 Migranten tot in einem Kühllaster. Die Menschen aus Syrien, dem Irak und Afghanistan, darunter vier Kinder, waren in dem Lkw erstickt. Ein ungarisches Gericht verurteilte die vier Schleuser - einen Afghanen und drei bulgarische Komplizen - 2019 zu lebenslanger Haft.

© SZ/lot
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