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Massaker in Las Vegas:Die zähe Suche nach Paddocks Motiv

Die Befragung von Paddocks Lebensgefährtin brachte die Polizei in der Frage nach den Hintergründen nicht weiter.

(Foto: AFP)
  • Bei der Suche nach einem Motiv für den Massenmord von Las Vegas tappen die Ermittler weiterhin im Dunklen.
  • Inzwischen haben sie umfangreiche Videos aus dem Hotelcasino durchgesehen. Sie glauben nicht, dass er einen Komplizen hatte.
  • Ob Paddock weitere Attacken geplant hatte, wird nun geprüft.

Omar Mateen, der im vergangenen Jahr in einem Schwulenclub in Orlando 49 Menschen erschoss, rief noch während der Tat bei der Polizei an und legte einen Treueschwur auf den IS ab. Der Mann, der in einer Kirche in Charleston neun Menschen erschoß, stellte ein rassistisches Manifest ins Netz. Und der Heckenschütze, der in Dallas fünf Polizisten tötete, erklärte, er habe Weiße töten wollen. Die Hintergründe des Massenmords von Las Vegas liegen dagegen weiterhin im Dunklen.

Bislang haben die Ermittler noch keine Hinweise auf ein Motiv. Auch die Befragung von Stephen Paddocks Lebensgefährtin brachte sie nicht weiter. "Er hat nie etwas zu mir gesagt oder etwas getan, das ich als Warnung hätte verstehen können, dass so etwas Schreckliches passieren würde". Sie habe Paddock als "freundlichen, liebevollen, stillen Mann" gekannt. Sie habe ihn geliebt und auf eine "ruhige gemeinsame Zukunft" mit ihm gehofft, erklärte die 62-jährige Marilou Danley. Die Australierin lernte Paddock als Hostess in einem Casino in Reno im Bundesstaat Nevada kennen. Paddock war ein leidenschaftlicher Kartenspieler.

Derweil werden neue Details zu der Tat bekannt. Inzwischen hätten Ermittler umfangreiche Videos aus dem Hotelcasino durchgesehen. Sie glaubten nicht, dass Paddock einen Komplizen hatte, möglicherweise habe aber jemand Kenntnis von seinen Absichten gehabt, sagte Sheriff Kevin McMahill. Ein Ermittler sagte der Nachrichtenagentur AP, auf Paddocks Nachttisch sei eine Reihe von Telefonnummern gefunden worden. Die Ermittler glauben, dass er womöglich eine Prostituierte angerufen habe. Mehrere Callgirls würden befragt.

Rätsel um Notiz des Attentäters scheint gelöst

Auch ein Zettel aus gelbem Papier, den Paddock im Hotelzimmer hinterließ, gab Rätsel auf. Während die Ermittler mit der Zahlenkombination zunächst nichts anfangen konnten, gehen sie mittlerweile einem US-Medienbericht zufolge davon aus, dass der Attentäter darauf Berechnungen zur Zielgenauigkeit der Schüsse niedergeschrieben hat - um so viele Menschen wie möglich zu töten. Er habe die Notiz auf dem Nachttisch in der Nähe der Abschussvorrichtung entdeckt, sagte David Newton von der Polizei Las Vegas der Sendung "60 Minutes" des Senders CBS, die am Sonntag ausgestrahlt werden soll.

Paddock habe die Distanz niedergeschrieben, die Erhöhung, von der aus er seine Schüsse abgab, sowie den zu erwartenden Spannungsabfall der Kugeln in der Menschenmenge. "Er hat das niedergeschrieben und berechnet, sodass er wissen würde, wohin er schießen soll, um seine Ziele zu treffen", sagte Newton, der als einer der ersten Polizisten das Hotelzimmer stürmte. Aber auch diese Notiz liefert indes keine Erkenntnisse zum möglichen Motiv des Attentäters.

Als Paddock auf die Menschenmenge feuerte, hätten Kugeln auch einen Treibstofftank am nahegelegenen McCarran-Flughafen getroffen, sagte ein Sprecher des Flughafens. Der New York Times zufolge wird von den Ermittlern jedoch bezweifelt, dass die Schüsse absichtlich auf die Tanks abgefeuert wurden. Allerdings prüfen sie, ob Paddock weitere Attacken geplant hatte. Denn möglicherweise hat er noch andere Musik-Festivals ausgespäht. Er habe Hotelzimmer gebucht gehabt, von welchen aus er Blick auf das Festival Lollapalooza im August in Chicago und das Life-is-Beautiful-Konzert im September in Las Vegas hatte, teilten die Behörden mit. Zudem waren im Auto Paddocks mehrere Pfund explosives Material und Munition gefunden worden.

© SZ.de/ap/dpa/afp/dit/ick/sebi
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