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Malaysia Airlines:MH370: Experten vermuten gezielten Gleitflug ins Meer

Member of staff at satellite communications company Inmarsat point to a section of the screen showing the southern Indian Ocean to the west of Australia, at their headquarters in London

Mitarbeiter einer Satellitenfirma deuten auf das MH370-Suchgebiet im südlichen Indischen Ozean vor der Westküste Australiens.

(Foto: REUTERS)
  • Die seit 2014 verschollene Malaysia-Airlines-Maschine wurde vermutlich in einem flachen Winkel ins Meer gesteuert, sagen Experten aus mehreren Ländern.
  • Das Suchgebiet müsste damit vier Mal größer gefasst werden als bisher.
  • Kurz zuvor wurde ein in Tansania angeschwemmtes Wrackteil als Landeklappe der Maschine identifiziert.

Von Katarina Lukač

Der verschollene Malaysia-Airlines-Flug MH370 mit 239 Menschen an Bord stürzte womöglich nicht wie zuletzt angenommen steil in den Indischen Ozean, sondern wurde im flachen Gleitflug ins Meer gesteuert. Diese These haben kurz vor einem Ministertreffen in Malaysia unabhängig voneinander mehrere Experten geäußert. Dadurch wäre das westlich von Australien vermutete mögliche Absturzgebiet gut vier Mal so groß wie das bisher etwa 120 000 Quadratkilometer große Suchgebiet. Die Boeing kam im März 2014 zwischen Kuala Lumpur und Peking vom Kurs ab und verschwand vom Radar.

Die zuständigen Minister von Australien, Malaysia und China wollen am Freitag in Putrajaya südlich der malaysischen Hauptstadt Kuala Lumpur beraten, wie und ob es überhaupt mit der Suche weitergeht. Das ursprünglich für Anfang der Woche geplante Treffen war zuvor angeblich aus Termingründen verschoben worden.

"Aktiv" ins Meer gesteuert?

Womöglich spielten dabei die jüngsten Expertenäußerungen eine Rolle. Die Tatsache, dass in dem bisherigen Suchgebiet im südlichen Indischen Ozean kein Wrack gefunden wurde, spreche dafür, dass jemand das Flugzeug im Gleitflug ins Meer steuerte - und zwar womöglich jenseits des bisherigen Suchgebiets, sagte der australische Radarexperte Vaughan Clarkson dem US-Nachrichtendienst Bloomberg. Zuletzt ging der von Australien koordinierte Suchtrupp davon aus, dass die Maschine, nachdem ihr der Sprit ausging, unkontrolliert ins Wasser stürzte.

"Vermutlich haben wir aus dieser Übung gelernt, dass das Flugzeug aktiv gesteuert wurde", sagte Clarkson. "Das Suchgebiet liegt im Grunde an der richtigen Stelle, nur ist es vielleicht nicht groß genug", sagte der frühere Mitarbeiter der University of Queensland, der heute als selbständiger Berater arbeitet.

Unternehmen haben Interesse an Suche

Selbst mit leerem Tank hätte ein Pilot die Maschine bis zu 230 Kilometer weiter in der Luft halten können als bisher angenommen, rechneten die australischen Sicherheitsbehörden nach Bloomberg-Informationen einst selbst vor. Der Gleitflug-These zufolge müsste das Suchgebiet von bisher 120 000 Quadratkilometern - etwa knapp der Größe Griechenlands - auf eine Fläche von mehr als 420 000 Quadratkilometer ausgedehnt werden.

Der US-amerikanische Experte Larry Stone äußerte gegenüber Bloomberg dieselbe Vermutung. Sein Unternehmen Metron war am Auffinden des 2009 abgestürzten Air-France-Fluges 447 beteiligt. Auch Paul Kennedy, Teamleiter des mit der Suche beautragten niederländischen Unternehmens Fugro, hält es für "logisch", dass die Maschine außerhalb des bislang abgesteckten Suchgebiets abstürzte. Das sagte Kennedy der Nachrichtenagentur Reuters. Freilich hat sein Unternehmen ein logisches Interesse an einer Fortführung der Suche.

Größtes angeschwemmtes Wrackteil identifiziert

Für die haben die beteiligten Länder Malaysia, China und Australien bislang umgerechnet mehr als 120 Millionen Euro ausgegeben. Nach Angaben des australischen Verkehrsministers Darren Chester sind bereits 90 Prozent des Suchgebiets durchgekämmt worden - er bezog sich auf das bislang abgesteckte Suchgebiet. Eigentlich sollte ohne konkrete Hinweis auf eine andere Absturzregion nicht weitergesucht werden. Dagegen protestieren aber die Angehörigen der Passagiere.

Das bislang größte angeschwemmte mögliche Wrackteil wurde jüngst als eine der Landeklappen der Maschine identifiziert, teilte die Koordinationsstelle für die Suche in Canberra mit. Das mehr als zwei Meter lange Teil war im Juni in Tansania in Ostafrika angespült worden. Das liegt Tausende Kilometer von der angenommenen Absturzregion entfernt. Strömungsmodelle zeigen aber, dass Trümmer aus dem Indischen Ozean westlich von Perth in Australien so weit getrieben sein könnten.

© SZ.de/dpa/AP/kat/jana

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