Belgien Angreifer von Lüttich tötete bereits vor dem Attentat

Polizisten untersuchen nach einem Attentat den Tatort im belgischen Lüttich, an dem zuvor Schüsse gefallen sind.

(Foto: dpa)
  • Am Dienstagvormittag hat ein 38-jähriger Häftling auf Freigang im belgischen Lüttich drei Menschen erschossen. Die Sicherheitskräfte töteten den Angreifer schließlich, der außerdem zwei Geiseln genommen hatte.
  • In der Nacht zuvor soll er bereits einen ehemaligen Mithäftling umgebracht haben.
  • Die belgische Justiz spricht nun von einem Terroranschlag.

Die belgische Justiz stuft die Gewalttat in Lüttich mit insgesamt vier Todesopfern als "terroristische Morde" ein. Das teilte ein Richter mit. Ein Staatsanwalt ergänzte, der von der Polizei später erschossene Täter habe mehrmals "Allahu Akbar" gerufen, als er am Dienstag drei seiner Opfer getötet habe. Dies hatten schon einige Medien berichtet.

Bei dem Angriff in der Lütticher Innenstadt hatte der Täter, ein Häftling auf Freigang, zunächst zwei Polizistinnen mit einem Messer angegriffen. Dann nahm er ihnen die Dienstwaffen ab und erschoss sie. Einen 22 Jahre alten Lehrer, der in seinem in der Nähe geparkten Auto saß, tötete er ebenfalls. Sicherheitskräfte erschossen den 36 Jahre alten Angreifer schließlich, nachdem er in einer Schule zwei Mitarbeiterinnen als Geiseln genommen hatten.

In der Nacht zuvor soll der Täter im südbelgischen On zudem einen Drogendealer mit einem Hammer erschlagen haben. Der Hammer wurde später im Auto des Angreifers von Lüttich gefunden.

Weil der Mann während seiner Tat einem Polizeisprecher zufolge die Konfrontation mit anderen Polizisten suchte und sie durch Schüsse an den Beinen verwundete, hieß es, dass er offenbar gezielt die Polizei ins Visier nahm. Der Mann habe keinen Amoklauf begehen wollen, "sondern Polizisten treffen wollen, also die Institution, den belgischen Staat", sagte der zuständige Polizeichef Christian Beaupère.

Unter den drei Opfern des Attentäters war eine 53 Jahre alte Beamtin, die Zwillingstöchter hinterlässt. Diese hätten bereits ihren ebenfalls als Polizist tätigen Vater verloren.

Diebstahl, Drogendelikten und Übergriffe

Zur Einstufung des Angriffs in Lüttich als terroristischen Anschlag äußerte sich Innenminister Jan Jambon indes vorsichtig. "Das Motiv kann eine Radikalisierung sein", sagte er. Möglichersweise habe der Mann aber nach dem Mord an dem Drogendealer auch keine Perspektive mehr für sich gesehen.

Die Behörden beschrieben den Täter als Gefängnisinsassen, der wegen Diebstahls, Drogendelikten und Übergriffen vorbestraft gewesen sei. Belgiens Justizminister Koen Geens sagte, es handele sich um einen seit 2003 inhaftierten Wiederholungstäter. Er hätte in zwei Jahren entlassen werden sollen. Offenbar ist der Mann schon einmal am Rande in Berichten über radikalisierte Personen der belgischen Sicherheitsbehörden aufgetaucht.

Belgien war in der Vergangenheit das Ziel mehrerer terroristischer Attacken. Bei der schwersten davon töteten islamistische Extremisten in Brüssel am 22. März 2016 in der Metro sowie am Flughafen 32 Menschen. Die Terrorwarnstufe wurde erst vor einiger Zeit auf die zweitniedrigste von vier Stufen herabgesetzt. Daran soll sich vorerst nichts ändern, wie das zuständige Krisenzentrum mitteilte.

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Der Täter wird von Sicherheitskräften erschossen. Bei den Opfern handelt es sich um zwei Polizistinnen und einen 22-Jährigen. Sein Motiv sei gewesen, gezielt die Polizei anzugreifen.