Kasseler Regierungspräsident Doch keine schnelle Klärung im Fall Lübcke

Der Kasseler Regierungspräsidenten war in der Nacht zum 2. Juni auf der Terrasse seines Wohnhauses mit einer Schussverletzung am Kopf entdeckt worden.

(Foto: dpa)
  • Mangels dringenden Tatverdachts ist ein zwischenzeitlich in Gewahrsam genommener Mann im Fall Lübcke von der Polizei wieder entlassen worden.
  • Die Fahnder wollen weiter "in alle Richtungen" ermitteln.
  • Der Kasseler Regierungspräsident war in der Nacht zum Sonntag vergangener Woche leblos auf der Terrasse seines Hauses aufgefunden worden.
Von Susanne Höll, Frankfurt

Die Hoffnung auf eine schnelle Aufklärung des gewaltsamen Todes des nordhessischen Regierungspräsidenten Walter Lübcke hat sich zerschlagen. Ein Mann, der am Samstag von der Polizei zwischenzeitlich als Verdächtiger befragt worden war, ist mangels dringenden Tatverdachts wieder auf freiem Fuß. Das Verhör habe keine Hinweise darauf gegeben, dass der Mann an der Erschießung Lübckes vor einer Woche beteiligt gewesen sei, sagte ein Polizeisprecher in Kassel. "Wir ermitteln jetzt wieder weiter in alle Richtungen", fügte er hinzu. Zugleich verwies er aber ausdrücklich darauf, dass die Fahnder zum gegenwärtigen Zeitpunkt keine Anhaltspunkte für einen politisch motivierten Mord an dem 65 Jahre alten CDU-Politiker hätten.

Lübcke war in der Nacht zum 2. Juni mit einer Schusswunde am Kopf auf der Terrasse seines Hauses im nordhessischen Wolfhagen-Istha aufgefunden worden. Seither gibt es Spekulationen, er könne wegen seiner liberalen Ansichten in der Flüchtlingspolitik getötet worden sein. Details zu dem zunächt verdächtigen Mann und dem Verdacht wollten die Behörden nicht mitteilen, zum Schutz der Person und der Ermittlungen, wie es hieß.

Lübcke war als Regierungspräsident ab 2015 für die Unterbringung Tausender Schutzsuchender im nördlichen Teil Hessens zuständig. Er hatte diese Aufgabe nach Einschätzung von Experten und Politikern exzellent gemeistert, war Kritik an der Aufnahme von Asylbewerbern klar entgegengetreten und deshalb von Fremdenfeinden beschimpft und bedroht worden. Er war in Hessen über die Grenzen seiner Partei hinaus gleichwohl beliebt und geschätzt.

Die Ermittler machten schon kurz nach dem Tod des Behördenleiters deutlich, dass sie keinen Zusammenhang zwischen dem Verbrechen und den Bedrohungen seinerzeit sähen. Sie vermuten ein privates Motiv. Die Aufklärung des rätselhaften Falls hat für die hessischen Behörden Priorität. Eine Sonderkommission mit mittlerweile 50 Beamten sucht nach dem Täter.

Zuletzt hatten die Fahnder in öffentlichen Aufrufen die Bevölkerung zur Mithilfe aufgefordert und um Informationen aus der Tatnacht gebeten, in der in Wolfhagen-Istha eine Kirmes gefeiert worden war. In Kassel ist am Donnerstag eine Trauerfeier für Lübcke geplant, bei der auch der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier sprechen wird.

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