SZ-Kolumne "Bester Dinge":Das Glück liegt im Loch

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(Foto: Mohssen Assanimoghaddam/dpa)

Neuerdings buddeln Menschen Gruben in den Sand und posten Videos davon. Warum? Dieser Trend soll Stress lindern.

Von Violetta Simon

Wenn Sie wissen wollen, warum Ihr Hund den halben Garten umgräbt: Fragen Sie nicht. Machen Sie mit, dann erkennen Sie: Buddeln macht glücklich. Es ist anstrengend, und somit gut für Körper und Seele. Das liegt daran, dass beim Auspowern Dopamin, Serotonin und Endorphine freigesetzt werden. Schauen Sie nur mal den Hund an, dann wissen Sie Bescheid.

Auch Menschen graben gern, deshalb wurde der Sandkasten erfunden. Umso bedauerlicher, dass die meisten, sobald sie erwachsen sind, es nurmehr in offizieller Mission tun, etwa unter dem Label "Gartenarbeit" oder um sich zu messen: Im Wettkampf um das tiefste Loch bohrten im Kalten Krieg die USA und die damalige Sowjetunion so lange Richtung Erdmantel, bis sie wegen der Hitze aufgeben mussten. Das tiefste Loch befindet sich seitdem auf der russischen Halbinsel Kola, verschlossen mit einem Eisendeckel. Und wem ist damit gedient? Anwohner beteuern, man würde die Seelen aus der Hölle schreien hören.

Wie schön, dass neuerdings wieder drauflosgebuddelt wird. Auf Tiktok zeigen Leute weltweit Videos von sich und den metertiefen Löchern, die sie gegraben haben. Einer von ihnen: Charlie Mone. Einem Bericht des Wall Street Journal zufolge hatte der Student seine Leidenschaft in einem Urlaub auf den kanarischen Inseln entdeckt. Nach seiner Rückkehr ins schottische St. Andrews machte er damit einfach weiter. Seitdem folgen immer mehr Menschen seinem Beispiel und graben die halbe Ostküste Schottlands um.

Gestresst sind inzwischen nur die Ranger, die dafür sorgen müssen, dass die Leute ihre Löcher wieder schließen, damit andere nicht hineinfallen. Das könnte man ja vielleicht mal seinem Hund beibringen.

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