Landgericht Essen Staatsanwaltschaft erhebt Anklage nach Gruppenvergewaltigungen

  • Eine Gruppe 16- bis 23-Jähriger soll zwischen August 2016 und Januar dieses Jahres insgesamt sieben Mädchen an abgelegene Orte gebracht und dort die Sexualdelikte begangen haben.
  • Die Staatsanwaltschaft Essen hat nun wegen mutmaßlicher Gruppenvergewaltigungen und sexueller Nötigungen Anklage gegen fünf Männer erhoben.
  • Vier der fünf Beschuldigten sitzen in Untersuchungshaft.

Die Staatsanwaltschaft Essen hat wegen mutmaßlicher Gruppenvergewaltigungen und sexueller Nötigungen Anklage gegen fünf junge Männer erhoben. Die Anklage gegen die 16- bis 23-Jährigen sei bei der Jugendkammer des Essener Landgerichts eingereicht worden, sagte Oberstaatsanwältin Anette Milk. Mit der Anklageerhebung sind die Ermittlungen aber nicht abgeschlossen: Es gebe "Hinweise auf weitere Täter und weitere Taten", sagte eine Behördensprecherin.

Die Taten, an denen die aus Essen, Gelsenkirchen und Wuppertal stammenden Beschuldigten beteiligt gewesen sein sollen, wurden zwischen August 2016 und Januar diesen Jahres begangen. In drei der sieben Fälle soll es beim Versuch einer Sexualtat geblieben sein.

Die Tatverdächtigen sollen nach Angaben der Staatsanwaltschaft über soziale Netzwerke oder Bekannte Kontakt zu den Schülerinnen aufgenommen haben. Zunächst habe sich ein Mitglied der Gruppe mit einem Mädchen getroffen. Dann seien weitere junge Männer dazugekommen. Mit einem Auto sei man gemeinsam durch die Stadt gefahren und habe dem Mädchen das Handy abgenommen, bevor es dann an entlegenen Orten zu den Sexualstraftaten gekommen sei.

Über die Eröffnung des Hauptverfahrens und die Zulassung der Anklage gegen die Verdächtigen muss nun die Jugendkammer entscheiden. Vier der fünf Beschuldigten sitzen in Untersuchungshaft, gegen den 16-Jährigen gab es aus Altersgründen keinen Haftbefehl. Die Gruppenvergewaltigungen im Ruhrgebiet waren im Februar bekannt geworden. Nach einem tatverdächtigen 18-Jährigen hatte die Polizei damals mit einem Foto gefahndet. Der Gesuchte stellte sich daraufhin der Polizei. Nähere Angaben zu den fortdauernden Ermittlungen nach möglichen weiteren Tätern machte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft nicht.

Das Verfahren gegen die jungen Männer wurde an die Jugendstrafkammer gegeben, um den Opfern eine Tortur und mehrfache Aussagen zu ersparen. Oberstaatsanwältin Milk zufolge werden die volljährigen Tatverdächtigen aber nach Erwachsenenstrafrecht behandelt.

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