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Gewalttat in Potsdamer Pflegeheim:Tatverdächtige war vorher nicht auffällig

Blumen und Kerzen am Babelsberger Oberlinhaus, wo am Vorabend vier behinderte Menschen gewaltsam getötet worden, Potsda

Vor dem Thusnelda-von-Saldern-Haus in Potsdam legten viele Menschen Blumensträuße ab.

(Foto: imago images/Martin Müller)

Zwei Tage nach der tödlichen Gewalttat in einem Potsdamer Behinderten-Wohnheim äußert sich die tatverdächtige Pflegemitarbeiterin nicht. Eine Schwerverletzte ist auf dem Weg der Besserung.

Nach der Gewalttat mit vier Toten und einer Schwerverletzten in einem Potsdamer Behinderten-Wohnheim soll die tatverdächtige Pflegemitarbeiterin auf ihre Schuldfähigkeit untersucht werden. Die Begutachtung der 51-Jährigen sei beauftragt worden, sagte ein Sprecher der Potsdamer Staatsanwaltschaft am Freitag. Nach Angaben der diakonischen Einrichtung Oberlinhaus war die Frau zuvor nicht psychisch auffällig geworden.

"Alle Mitarbeiter nehmen regelmäßig an Supervisionen und Teamsitzungen teil", sagte eine Sprecherin der Einrichtung. "Das ist zum Schutz unserer Klienten und Mitarbeiter unerlässlich." Ihren Angaben zufolge waren die Getöteten zwei Frauen im Alter von 31 und 42 Jahren sowie zwei Männer im Alter von 35 und 56 Jahren. Nach Angaben des Oberlinhauses lebten zwei von ihnen bereits seit ihrer Kindheit in der Einrichtung. Die schwer verletzte Frau ist 43 Jahre alt und nach einer Notoperation auf dem Weg der Besserung. "Das ist für uns alle eine gute Nachricht", sagte die Sprecherin.

Die 51-jährige Tatverdächtige war am Donnerstag von einer Haftrichterin vorläufig in die Forensik der Psychiatrie in Brandenburg/Havel eingewiesen worden. Den Angaben zufolge hat sich die Frau bislang nicht zu den Vorwürfen geäußert. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur wiesen die getöteten Bewohner schwere Schnittverletzungen an der Kehle auf. Zum Tathergang machte der Sprecher der Staatsanwaltschaft aus ermittlungstaktischen Gründen weiterhin keine Angaben. Auch zu den Ergebnissen der Obduktionen der Leichen äußerte sich die Staatsanwaltschaft nicht.

Immer noch stünden Mitarbeiter und Bewohner der Einrichtungen des Oberlinhauses unter Schock. An einer Gedenkandacht in der Oberlinkirche hätten am Mittwochabend neben Politikern auch zahlreiche Mitarbeiter, Angehörige der Opfer und Bewohner des Thusnelda-von-Saldern-Hauses teilgenommen, berichtete Benke. "Soweit die Corona-Regeln dies zuließen war die Kirche voll, einige Teilnehmer standen vor der Kirche." In zwei Wochen ist ein Gedenkgottesdienst in der Kirche geplant.

Wohltuend sei eine große Welle der Solidarität, die das Oberlinhaus von Verbänden und vielen Privatleuten aus ganz Europa erfahre, sagte die Sprecherin. "Diese mentale Unterstützung ist für uns ungeheuer wichtig." Auch im Potsdamer Stadtteil Babelsberg, wo die Gewalttat geschah, ist die Anteilnahme weiter groß. Am Freitag legten viele Menschen vor dem Wohnheim Blumensträuße ab.

© SZ/dpa/ick
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