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Kölner Stadtarchiv:Die Versicherung will für die Trümmer nicht zahlen

Noch mehr Ärger für die Stadt Köln: Die Versicherung wird wahrscheinlich nicht für den Schaden aufkommen, der bei dem Einsturz am Gebäude entstand. Der Grund: Die Stadt habe sich dagegen nicht abgesichert.

Anna Fischhaber

Innerhalb von Sekunden brach am Dienstag das Kölner Stadtarchiv in sich zusammen - ein Kulturgut löste sich in Luft auf. In teure Luft.

Das historische Stadtarchiv, ein Trümmerfeld: Unter dem Schutt liegen Millionenschätze begraben.

(Foto: Foto: dpa)

Jetzt steht der Stadt Köln neuer Ärger ins Haus: Der Hauptversicherer des Gebäudes des historischen Stadtarchivs, die Provinzial Rheinland, wird wahrscheinlich nicht zahlen. Der Versicherungswert des Gebäudes liegt den Angaben zufolge bei zwölf Millionen Euro.

Der Einsturz sei von der Versicherung nicht gedeckt, erklärte der zuständige Assekuranz-Konzern. "Die Stadt Köln hat beim Gebäude auf eine Elementarversicherung verzichtet und das Stadtarchiv nur gegen Feuer, Sturm und Explosion versichert - dabei ging es wohl auch um die Höhe der Prämie", sagt Provinzial-Sprecher Christoph Hartmann auf Anfrage von sueddeutsche.de. Hat die Stadt am falschen Platz gespart?

Das Kulturgut des Stadtarchivs, zu dem beispielsweise der Nachlass von Heinrich Böll gehörte, ist nach Schätzungen von Experten rund 400 Millionen Euro wert. Die Provinzial übernimmt davon, nach Angaben des Versicherers, 60 Millionen Euro. Grundlage ist eine Allgefahrenversicherung.

Für eine endgültige Entscheidung über die Versicherungssache sei es zu früh, doch es sieht offenbar nicht gut aus für die Kommune. "Wir werden natürlich unsere Sachverständigen vor Ort schicken, wenn die Bergungsarbeiten abgeschlossen sind", sagt Hartmann. "Aber es sieht derzeit so aus, als müsste die Versicherung für das Gebäude nicht zahlen."

Bei der Stadt will man abwarten. Zu viele Informationen würden derzeit noch fehlen. "Aber wir müssen klären, wer der Verursacher ist und der muss dann bezahlen", erklärt ein Sprecher. Laut den Aussagen der eigenen Gutachter sei die Bausubstanz des Stadtarchivs nicht für den Einsturz verantwortlich. Es müsse einen anderen Grund für die Katastrophe geben - beispielsweise den U-Bahn-Bau. "Wenn das zutrifft, dann müssen die Kölner Verkehrsbetriebe bezahlen, wie schon vor ein paar Jahren, als der Kirchturm in Schieflage geraten ist." Die KVB wäre dann der Verursacher des Einsturzes.

Der Bau der vier Kilometer langen Nord-Süd-Bahn in Köln ist seit Beginn der Bauarbeiten vor fünf Jahren umstritten: Die Kosten für das Projekt sind um 320 Millionen auf rund 950 Millionen Euro explodiert. 2004 geriet der Turm der romanischen Kirche St. Johann Baptist wegen der Bauarbeiten in bedrohliche Schieflage. Die Aufrichtung kostete eine Million Euro.

Nach bisherigen Planungen sollten Mitte 2010 die ersten Züge auf der neuen U-Bahn-Strecke starten. Inzwischen hat Oberbürgermeister Fritz Schramma (CDU) den Weiterbau der neuen Nord-Süd-Linie unter der Altstadt in Frage gestellt: "Ich halte das eigentlich jetzt fast für unverantwortlich." Es müsse grundsätzlich geprüft werden, ob man in Zukunft in bewohnten Städten U-Bahn-Bauten in einem solchen Ausmaß durchführen könne und solle.

Wenn jetzt tatsächlich die Verkehrsbetriebe für das Stadtarchiv-Desaster zahlen müssen, ändert sich an der misslichen Lage des OB Schramma nichts: Die Firma gehört auch der Stadt. Bleibt zu hoffen, dass die Verkehrsbetriebe gut versichert sind.

© sueddeutsche.de/jja
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