bedeckt München 17°
vgwortpixel

Gerichtsurteil:Italien muss Amanda Knox entschädigen

Amanda Knox talks to the press surrounded by family outside her mother's home in Seattle, Washington

Erleichterung: Amanda Knox (Archivbild aus dem Jahr 2015) nachdem sie vom Vorwurf des Mordes freigesporchen worden war.

(Foto: Jason Redmond/Reuters)
  • Am 1. November 2007 wurde in Italien die britische Studentin Meredith Kercher ermordet.
  • Die US-Amerikanerin Amanda Knox und ihr damaliger italienischer Freund Raffaele Sollecito wurden wegen Mordes verurteilt, später jedoch freigesprochen.
  • Gegen ein weiteres Urteil wegen falscher Verdächtigung hat Knox vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte geklagt - und recht bekommen.

Italien muss der US-Amerikanerin Amanda Knox, die erst wegen Mordes verurteilt und dann freigesprochenen wurde, mehr als 18 000 Euro Entschädigung zahlen. Die italienischen Behörden hätten bei der Befragung von Knox mehrere Menschenrechte verletzt, urteilte der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) an diesem Donnerstag in Straßburg. So sei man nicht den Anschuldigungen der US-Amerikanerin nachgegangen, von der Polizei geschlagen und unter Druck gesetzt worden zu sein, hieß es. Außerdem habe Italien nicht zufriedenstellend begründet, warum Knox im Jahr 2007 bei einem entscheidenden Polizeiverhör keinen Anwalt gestellt bekommen habe.

Damit habe Italien gegen das Recht auf ein faires Verfahren sowie gegen das Misshandlungsverbot verstoßen, begründeten die Richter ihr Urteil. Knox hatte nach Überzeugung italienischer Richter im Jahr 2007 einen Barbesitzer zu Unrecht des Mordes an Meredith Kercher beschuldigt. Dieses Urteil blieb auch nach ihrer Freilassung aus dem Gefängnis bestehen. Dagegen machte Knox vor dem EGMR geltend, sie habe ihre Rechte und den Verfahrensablauf nicht gekannt.

Selten hat ein Mordfall mehr internationale Aufmerksamkeit erfahren als der an der britischen Studentin Kercher, die am 1. November 2007 im umbrischen Perugia getötet worden war. Die Polizei fand sie halb nackt in einem abgeschlossenen Zimmer, mit durchschnittener Kehle und 47 Stichwunden am Körper. Schnell fiel der Verdacht auf ihre Mitbewohnerin, die damals 20-jährige Knox und ihren damaligen 23-jährigen italienischen Freund Raffaele Sollecito.

War es ein Sexualverbrechen? Ein Raubmord? Ein Streit, der eskaliert war? Zahlreiche Spekulationen füllten damals die Schlagzeilen. Vor allem Knox wurde in vielen Berichten zur skrupellosen Mörderin, zum "Engel mit den Eisaugen" stilisiert. Am 4. Dezember 2009 wurden Knox und Sollecito von einem italienischen Gericht zu 26 und 25 Jahren Haft verurteilt. Es war ein reiner Indizienprozess, beide Angeklagten beteuerten ihre Unschuld.

Vier Jahre saßen Knox und Sollecito im Gefängnis, bis sie 2011 in einem Berufungsprozess freigesprochen wurden. Knox verließ umgehend Italien und ging zurück in die USA. Dabei wurde der wahre Täter wohl schon 2008 verurteilt. Die Polizei hatte am Tatort Fingerabdrücke und DNA-Spuren des damals 20-jährigen Rudy Hermann Guede gefunden. Die Ermittler waren anfangs davon ausgegangen, dass die drei Komplizen waren.

Die italienische Justiz kann innerhalb von drei Monaten das Urteil des EGMR anfechten.

Amanda Knox "Entweder bin ich ein Psychopath im Schafspelz oder ich bin du"

Netflix-Doku über Amanda Knox

"Entweder bin ich ein Psychopath im Schafspelz oder ich bin du"

Amanda Knox wurde zweimal als Mörderin verurteilt und zweimal wieder freigesprochen. Jetzt rekonstruiert Netflix ihre Geschichte: sachlich richtig - und zugleich spannend.   TV-Kritik von Marc Hoch