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Tiere:Gassi-Garantie für Hunde

Morgenspaziergang

Eine Frau geht am Morgen mit ihrem Hund spazieren. Das könnte bald Pflicht werden, zweimal am Tag.

(Foto: Sebastian Gollnow/dpa)

Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner will Hundebesitzer dazu verpflichten, ihrem Haustier zweimal täglich Auslauf zu bieten. Was aber, wenn der Hund gar nicht will?

Von Titus Arnu

Hunde sind auch nur Menschen. Sie müssen regelmäßig raus, um Geschäftliches zu erledigen, sie brauchen einen Job und Fitnesstraining, wollen fressen und faulenzen. "Den Tag vor sich hingammeln ist nicht artgerecht", sagt Anja Striegel, Hundetrainerin aus Tutzing am Starnberger See, "ein Großteil der Probleme, die Hundehalter heutzutage mit ihren Tieren haben, entsteht aus Mangel an Bewegung - die angestaute Energie verursacht Frustrationen."

9,4 Millionen Hunde leben in deutschen Haushalten, vom handtaschengroßen Chihuahua bis zur 80 Kilo schweren Dogge. Nicht alle werden artgerecht gehalten. Viele Wachhunde müssen ihr Leben im Zwinger oder an der Kette verbringen. Schoßhündchen werden von ihren Frauchen durch die Stadt getragen oder von ihren Herrchen in Wägelchen durch die Gegend kutschiert, damit sie sich nicht das Fell schmutzig machen. Faule Hunde verfetten, weil sie nur Fertiggerichte und ungesunde Snacks in sich hineinstopfen und auf dem Sofa herumhängen. Ein dicker Hund!

Um solche Missstände zu bekämpfen, plant Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) eine Verordnung, die Hundehalter unter anderem dazu verpflichtet, dem Haustier zweimal täglich für insgesamt mindestens eine Stunde Auslauf zu bieten. Auch für Züchter und Tiertransporte soll es strengere Regeln geben. Klöckners Entwurf muss noch mit den Bundesländern und Fachverbänden abgestimmt werden und könnte Anfang 2021 in Kraft treten. "Haustiere sind keine Kuscheltiere - ihre Bedürfnisse müssen berücksichtigt werden", sagt Julia Klöckner. Die Gassi-Verordnung des Bundeslandwirtschaftsministeriums wird mit "neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen über die Bedürfnisse von Hunden" begründet. Wie die neuen Regelungen in der Praxis kontrolliert werden sollen, ist allerdings noch unklar.

"Den Hund immer erst nach dem Spaziergang füttern"

Bewegung, Disziplin, Zuwendung - das ist dem Hundeflüsterer Cesar Millan zufolge die Glücksformel für den Hund. Tiertrainerin Anja Striegel, die nach Millans Methode arbeitet, kann das bestätigen: "Bewegung zählt zu den Grundbedürfnissen eines Hundes, deshalb halte ich den Beschluss für absolut sinnvoll." Der Deutsche Tierschutzbund begrüßt die geplante Verordnung, auch wenn die Regelungen nicht weit genug gingen, wie Hunde-Referentin Katrin Umlauf sagt: "Ein kleiner Hund, der neu in ein Zuhause kommt, müsste sogar noch viel öfter raus, um überhaupt stubenrein zu werden." Selbstverständlich müsse die Gassi-Dauer dem Gesundheitszustand, dem Alter und der Rasse angepasst sein, sagt Züchterin Striegel. Für einen jungen fitten Labrador sind zwei Stunden Gassi sicher gesünder als für einen herzkranken arthritischen Mops.

Was aber, wenn der Hund gar nicht Gassi gehen will? Weil er zu bequem ist, seine Wampe am Boden schleift oder es draußen regnet? Mit einer gesetzlichen Verordnung kann man ihn wahrscheinlich nicht hinter dem Ofen hervorlocken. Die Gassi-Pflicht gilt jedenfalls für Menschen und Tiere gleichermaßen. Und essenziell wichtig dabei sei es, rät Trainerin Anja Striegel, sich während dem Gassi-Gang nicht hauptsächlich dem Smartphone zu widmen, sondern dem Tier.

Um träge Hunde zu motivieren, empfiehlt sie einen einfachen Trick: "Den Hund immer erst nach dem Spaziergang füttern, das gibt ihm das Gefühl, für sein Fressen gearbeitet zu haben."

© SZ/zip
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