Katholische Kirche Papst: Homosexuelle Paare sind keine Familien

Papst Franziskus hat sich zur Ehe und zu Abtreibungen geäußert.

(Foto: Riccardo De Luca/dpa)
  • Nur Mann und Frau seien eine Familie nach dem Ebenbild Gottes, sagt der Papst.
  • Gleichzeitig kritisiert Franziskus, Ungeborene mit Behinderung oder schweren Krankheiten abzutreiben und vergleicht dies mit Praktiken der Nazis im Zweiten Weltkrieg.

Es ist nun fast ein Jahr her, dass der Bundestag die Ehe für alle beschlossen hat. Bei der Katholischen Kirche ist man von so einem Schritt noch weit entfernt. Nach Ansicht von Papst Franziskus können nur Männer und Frauen eine Familie sein.

Die Menschen sprächen heutzutage von vielen Formen von Familien, sagte der Papst am Samstag der italienischen Nachrichtenagentur Ansa zufolge. Aber: Die Familie als Ebenbild Gottes seien einzig Mann und Frau. Damit schloss der Papst homosexuelle Paare aus der Definition aus. Gleichzeitig kritisierte Franziskus Menschen, die eine Ehe eingingen wie ein Lotteriespiel: "Wenn es klappt, klappt es, wenn es nicht klappt, beenden wir die Sache und beginnen eine neue." Er wisse, dass ein Leben als Paar und als Familie nicht leicht sei. Deswegen müsse man die Vorbereitungen auf die Ehe verbessern und den Paaren besser helfen.

Der Papst stellt sich gegen Kardinal Marx

Franziskus lehnt die Kommunion für evangelische Ehepartner ab. Für Kardinal Marx und die Ökumene ist das eine überraschende Niederlage. Von Matthias Drobinski mehr ...

Aber auch die wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen für Familien müssten besser werden. Auch sollten Paare sich in der Ehe um Geduld bemühen. Wenn aber Fehler begangen worden seien, dürfe man den anderen nicht zu lange auf eine Bitte um Entschuldigung warten lassen. Zudem lobte der Papst Ehepartner, die Fremdgehen verzeihen. Viele Frauen - und manchmal auch Männer - blickten weg und warteten, bis ihr Partner wieder treu werde, sagte er. "Das ist Heiligkeit, die aus Liebe alles vergibt."

Gleichzeitig verglich Franziskus Abtreibungen von Föten mit Behinderung oder schweren Krankheiten mit Programmen der Nationalsozialisten: "Im vergangenen Jahrhundert war die ganze Welt schockiert davon, was die Nazis getan haben, um die Reinheit der Rasse sicherzustellen. Heute tun wir dasselbe, nur mit weißen Handschuhen." Man sollte Kinder so akzeptieren, wie sie seien, auch wenn sie manchmal krank seien, fügte er hinzu. "Um ein ruhiges Leben zu bewahren, wird ein Unschuldiger plattgemacht", kritisierte der Papst.

Franziskus hatte in der Vergangenheit die Kirche dafür kritisiert, sich zu sehr auf Abtreibungs- und Verhütungsdebatten zu konzentrieren, und gesagt, es sei nicht an ihm, über Homosexuelle zu richten.

Papst Franziskus ist viel weniger ein Reformer als viele hoffen

Er mag radikal sein, wenn es um die Ungerechtigkeiten des globalen Kapitalismus geht - doch der Papst hat deutlich gezeigt, wo für ihn die Grenzen der Veränderung sind. Kommentar von Matthias Drobinski mehr...