bedeckt München 16°

Katholische Kirche:Papst entlässt ehemaligen Erzbischof wegen Missbrauchs

Theodore McCarrick

Der damalige Kardinal Theodore Edgar McCarrick während eines Interviews in Rom im Jahr 2013.

(Foto: dpa)
  • Papst Franziskus hat den ehemaligen Erzbischof von Washington, Theodore McCarrick, aus dem Stand des Klerikers entlassen.
  • Der 88-Jährige ist der höchste katholische Würdenträger der Neuzeit, der aus dem Priesterstand entlassen wird.
  • McCarrick wurde nach Angaben des Vatikan des sexuellen Fehlverhaltens mit Minderjährigen und Erwachsenen in Verbindung mit Machtmissbrauch für schuldig befunden.
  • Während seiner Zeit in Washington galt er als engagierter Kämpfer gegen Missbrauch.

Wenige Tage vor dem Vatikan-Gipfel zu Missbrauch hat Papst Franziskus den früheren Washingtoner Erzbischof Theodore McCarrick aus dem Klerikerstand entlassen. Für Geistliche ist das die im Kirchenrecht vorgesehene Höchststrafe. McCarrick wurde nach Angaben des Vatikan des sexuellen Fehlverhaltens mit Minderjährigen und Erwachsenen in Verbindung mit Machtmissbrauch für schuldig befunden, außerdem des Missbrauchs des Beichtsakraments.

Der 88-Jährige ist der höchste katholische Würdenträger der Neuzeit, der aus dem Priesterstand entlassen wird. Im Juli 2018 hatte McCarrick bereits seine Kardinalswürde verloren. Der Vorsitzende der US-Bischofskonferenz, Kardinal Daniel DiNardo, sprach in einer ersten Reaktion von einem "starken Signal, dass Missbrauch nicht hingenommen wird".

Das Erzbistum Washington teilte mit, man hoffe, die Entscheidung aus dem Vatikan trage zu einem "Heilungsprozess" bei allen Betroffenen von Missbrauch bei. Der Leiter des Kinderschutzzentrums an der Päpstlichen Universität Gregoriana, Hans Zollner, sagte der katholischen Wochenzeitung The Tablet, der Vatikan habe eine "sehr starke Entscheidung" getroffen. "Sie zeigt, dass die Verfahren in Gang gesetzt werden, auch wenn es sich um einen Kardinal handelt", so der Jesuit.

James Grein, eines von McCarricks Opfern, zeigte sich erleichtert. Er betonte zugleich: "Nichts kann mir meine Kindheit zurückbringen." Der ehemalige Erzbischof von Washington (2001-2006) hatte zwischen 1970 und 1990 Priesteramtskandidaten zum Sex verführt und mindestens zwei Minderjährige missbraucht. Er lebt inzwischen in einem Kapuzinerkloster im US-Bundesstaat Kansas und durfte sein Priesteramt nicht mehr ausüben, bis die Anschuldigungen in einem kirchenrechtlichen Prozess geklärt waren. Dieser Prozess ist nun abgeschlossen.

McCarrick galt als engagierter Kämpfer gegen Missbrauch

Wie die Glaubenskongregation weiter mitteilte, hatte die Behörde ihr Urteil bereits am 11. Januar gefällt. Ein Widerspruch McCarricks wurde zwei Tage später beraten, aber abgelehnt. Diese Entscheidung wurde McCarrick demnach an diesem Freitag mitgeteilt, nachdem der Papst als letzte Autorität das Urteil bestätigte. Ein neuerlicher Widerspruch ist nicht zugelassen.

Aus vatikanischen Kreisen ist zu hören, dass Franziskus den aufsehenerregenden Fall vor dem Anti-Missbrauchsgipfel ab Donnerstag geklärt haben wollte. Angeordnet hatte er die gründliche Untersuchung aller Akten zum Fall McCarrick im vergangenen Sommer. Geboren am 7. Juli 1930 in New York, wurde Theodore McCarrick 1958 zum Priester geweiht. Er machte zunächst Karriere im Bildungsbereich und wurde 1977 Weihbischof in New York. 1981 wechselte er als Diözesanbischof ins neu gegründete Bistum Metuchen und 1986 als Erzbischof nach Newark. Von 2001 bis 2006 war er Erzbischof im Hauptstadtbistum Washington. Im Februar 2001 ernannte Papst Johannes Paul II. McCarrick zum Kardinal.

McCarrick war wegen seines sozialen Engagements, seines diplomatischen Geschicks und seiner exzellenten Verbindungen zum politischen und gesellschaftlichen Establishment bekannt. In seiner Zeit in Washington galt er als engagierter Kämpfer gegen den Missbrauch und hatte Anteil an der "Null-Toleranz"-Politik gegen übergriffige Priester.

Kirche Wenn beten nicht mehr hilft

Missbrauchs-Studie der katholischen Kirche

Wenn beten nicht mehr hilft

Deutschlands Bischöfe wollen nicht aufklären, zumindest nicht schonungslos, wie ihre nun vorgelegte Missbrauchs-Studie zeigt. Der Bericht verkennt das wahre Ausmaß der sexualisierten Gewalt in der katholischen Kirche.   Von Matthias Drobinski