bedeckt München 10°
vgwortpixel

Kassationsgericht in Rom:Freispruch für Amanda Knox

Amanda Knox

Erleichterung für Amanda Knox. Im Falle einer Bestätigung ihrer Verurteilung hätte sie mit einem Auslieferungsverfahren rechnen müssen.

(Foto: AP)
  • Die ehemalige US-Studentin Amanda Knox und ihr Ex-Freund Raffaele Sollecito sind von höchster Instanz in Italien endgültig freigesprochen worden: Beide reagieren erleichtert.
  • Der Schuldspruch der zweiten Instanz aus dem Januar des vergangenen Jahres wurde damit aufgehoben. Knox wurde damals zu 28,5 Jahren Gefängnis verurteilt.
  • Knox und Sollecito wurden beschuldigt, die britische Studentin Meredith Kercher am 1. November 2007 in der Stadt Perugia ermordet zu haben.

Erleichterung nach endgültigem Freispruch

Ein langjähriges Verfahren endet mit einem Freispruch: Der Kassationshof in Rom hebt den Schuldspruch gegen Amanda Knox und Raffaele Sollecito auf. Die Richter in Rom mussten entscheiden, ob die Verurteilung der beiden wegen des Mordes an der britischen Austauschstudentin Meredith Kercher im November 2007 rechtens ist. Knox war im vergangenen Jahr wegen Mordes zu 28 Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt worden, Sollecito, 31, zu 25 Jahren. Nun hat das Gericht zugunsten der beiden Angeklagten entschieden.

Vor ihrem Elternhaus in Seattle erklärte Knox, sie sei "unglaublich dankbar" für die Gerechtigkeit, die ihr zuteilgeworden sei, dankbar dafür, dass sie ihr Leben zurückbekommen habe. Mit tränenerstickter Stimme äußerte sich die 27-Jährige auch zu der ermordeten Kercher. "Meredith war meine Freundin", sagte Knox. Sie hätte so viel in diesem Leben verdient. Bei Knox' Auftritt vor dem Elternhaus in Begleitung ihrer Familie ergriff auch ihre Mutter das Wort. "Wir sind so dankbar, dass nun endlich alles richtig ist", sagte diese. Knox arbeitet heute als Reporterin für eine Zeitung und will den gleichaltrigen Musiker Colin Sutherland heiraten.

Fall Amanda Knox Neues Kapitel im Drama um Amanda Knox
Rom

Neues Kapitel im Drama um Amanda Knox

Italiens höchstes ordentliches Gericht urteilt erneut im Fall Amanda Knox. Zum letzten Mal? Sieben Jahre nach dem Mord an der britischen Studentin Meredith Kercher vermischen sich Halbwissen und Voyeurismus.   Von Oliver Meiler

Sollecito erklärte: "Endlich kann ich mein Leben weiterleben." Endlich müsse er sich keine Sorgen um Gerichtsakten mehr machen und könne zur Normalität zurückkehren."

Opfer-Familie kritisiert Urteil

Die Angehörigen des Opfers Meredith Kercher reagierten schockiert auf den Freispruch. "Es ist eine Wahrheit, die schwer zu verdauen ist für die Familie, für uns Verteidiger und für Richter, die zuvor die Verurteilungen ausgesprochen haben", sagte Anwalt Francesco Maresca, der mit Merediths Schwester Stephanie Kercher telefonierte. Sie sei sehr "bestürzt" gewesen. Merediths Mutter Arline Kercher erklärte, sie sei "überrascht und sehr schockiert."

Der Fall Amanda Knox

Das Kassationsgericht beschäftigte sich in dieser Woche bereits zum zweiten Mal mit dem spektakulären Fall. Es ist mehr als sieben Jahre nach dem Mord in der Universitätsstadt Perugia ein weiteres Kapitel in dem Justizkrimi und bereits das fünfte Urteil.

Nachdem die damals 21-jährige Kercher im November 2007 in ihrem WG-Zimmer in Perugia vergewaltigt und mit durchschnittener Kehle entdeckt worden war, gerieten schnell ihre damalige Mitbewohnerin Knox und Sollecito unter Verdacht. Beide beteuerten von Beginn an ihre Unschuld, wurden aber 2009 in einem Indizienprozess zu langen Haftstrafen verurteilt. Sie waren dann 2011 in zweiter Instanz freigesprochen worden, woraufhin Knox in ihre Heimat zurückkehrte.

Freispruch galt als unwahrscheinlich

Das höchste Gericht kippte dieses Urteil und ordnete einen neuen Prozess an, in dem die Schuldsprüche folgten.

Nun hat das Kassationsgericht das erste Urteil endgültig bestätigt, und Knox und Sollecito direkt freigesprochen - was jedoch als unwahrscheinlich galt.

Während Sollecito, der seinen 31. Geburtstag am Donnerstag gemeinsam mit seiner Familie in Rom verbrachte, im Falle einer Verurteilung eine Festnahme drohte, hätte bei Knox ein Rechtsstreit um ihre Auslieferung entbrennen können. Sie verfolge die Entscheidung des Gerichts "besorgt, aber zuversichtlich", hatte ihr Anwalt Carlo Dalla Vedova mitgeteilt.