Kohlebergbau:Mehr als 40 Tote nach Grubenunglück in Kasachstan

Kohlebergbau: Menschen hören dem kasachischen Präsidenten Tokajew zu, während er den Familien und Freunden der Bergleute, die bei dem Brand ums Leben gekommen sind, sein Beileid ausspricht.

Menschen hören dem kasachischen Präsidenten Tokajew zu, während er den Familien und Freunden der Bergleute, die bei dem Brand ums Leben gekommen sind, sein Beileid ausspricht.

(Foto: dpa)

In der Kohlemine in der Stadt Karaganda befanden sich mehr als 250 Bergleute unter Tage, als Methangas explodierte. Der Präsident des Landes kündigte Konsequenzen für den Betreiber Acelormittal an.

Bei dem schwersten Bergbauunglück seit Jahren in der zentralasiatischen Republik Kasachstan sind mindestens 45 Menschen ums Leben gekommen. Nach einer verheerenden Explosion im Kohlebergbauschacht Kostenko im Gebiet der Industriestadt Karaganda würde noch ein Vermisster gesucht, sagte der führende Mitarbeiter der Rettungsdienste, Gennady Silinsky, dem Sender Chabar-24. In der Grube war es am Samstagmorgen zu einer Methangasexplosion gekommen, als sich mehr als 250 Bergleute unter Tage aufhielten, wie der Betreiber Arcelormittal mitteilte.

Für Sonntag rief Präsident Kassym-Schomart Tokajew einen landesweiten Trauertag aus. Etwa 20 Verletzte mussten nach dem Minenunglück im Krankenhaus behandelt werden, hieß es. Retter hatten nach eigenen Angaben nur wenig Hoffnung, noch Überlebende zu finden. Die Druckwelle durch die Explosion habe sich über zwei Kilometer in den Gängen des Schachts ausgebreitet, sagte der Vizechef des staatlichen Rettungsdienstes, Gennadi Silinski. Es sei schwierig, die Toten zu identifizieren.

Die kasachischen Behörden warfen dem internationalen Stahlkonzern Arcelormittal schwere Versäumnisse vor. Die Sicherheit der Arbeiter sei nicht gewährleistet worden. Präsident Tokajew reiste zum Unglücksort und sprach den Angehörigen der Toten sein Beileid aus. Er sicherte den Hinterbliebenen finanzielle Hilfe zu. Zugleich wies Tokajew an, die Partnerschaft mit den Investoren zu beenden. Er stellte den Betrieb unter staatliche Verwaltung und setzte einen neuen Unternehmensleiter ein. Demnach soll es auch zu einem Eigentümerwechsel kommen. Arcelormittal droht der Verlust seines Geschäfts in dem rohstoffreichen Steppenstaat.

Deutschland bezieht auch Öl aus Kasachstan

Insgesamt wurde der Betrieb in acht Kohlegruben von Arcelormittal zeitweilig eingestellt, um die Vorrichtungen zum Schutz vor dem hochexplosiven Grubengas zu überprüfen, wie es hieß. Auch das Unternehmen sprach den Angehörigen der Toten Beileid aus und stellte Hilfen in Aussicht. Behörden zufolge sollen die Familien der Hinterbliebenen umfangreiche Sozialleistungen erhalten, darunter auf Kosten des Unternehmens eine Wohnung und Schmerzensgeld im Umfang von zehn Jahresgehältern sowie eine Ausbildung für Kinder.

In den Kohlegruben des Konzerns ist es immer wieder zu tödlichen Zwischenfällen gekommen. Nach offiziellen Angaben starben in den vergangenen 15 Jahren allein in den Objekten von Arcelormittal mehr als 100 Menschen. 2006 verloren 41 Bergleute in der Lenin-Kohlegrube ihr Leben, das bis dahin größte Unglück.

Das auch an Öl und Gas reiche Kasachstan ist wichtiger Rohstofflieferant für eine Vielzahl von Staaten. Deutschland etwa bezieht Öl aus der früheren Sowjetrepublik, das über das Transitland Russland nach Europa gelangt.

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