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Neue Doktorarbeit:KT ist jetzt auch PhD

Karl-Theodor zu Guttenberg

Karl-Theodor zu Guttenberg, inzwischen "Doctor of Philosophy".

(Foto: Angelika Warmuth/dpa)

Als Abgeordneter im Bundestag sitzen, Vater sein und dann auch noch Doktorarbeit schreiben, das war für Karl-Theodor zu Guttenberg einst wie die Quadratur des Kreises. Jetzt sind die Voraussetzungen günstiger - und Markus Söder ist schlecht gelaunt.

Von Nico Fried, Berlin

Im Februar 2011 versuchte Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg, im Bundestag zu erklären, warum - jetzt mal vorsichtig formuliert - die Quellennachweise in seiner Doktorarbeit aus dem Jahre 2007 nicht ganz vollständig waren. "Ich war sicher so hochmütig zu glauben, dass mir die Quadratur des Kreises gelingt", so Guttenberg. Damit meinte er die gleichzeitige Bewältigung seiner politischen Tätigkeit als aufstrebender Abgeordneter, der wissenschaftlichen Arbeit des Doktoranden und der Pflichten eines jungen Familienvaters. Alles zusammen habe ihn "offensichtlich überlastet", so Guttenberg damals.

Einige Jahre später waren die äußeren Umstände offenbar vorteilhafter. Denn wie jetzt die Bild-Zeitung als erste meldete, hat KT, wie er von seinen sehr zahlreichen Fans gerne genannt wurde, mittlerweile an der Universität Southampton eine zweite Dissertation eingereicht. Die Arbeit handelt von sogenannten Korrespondenzbanken. Deren Geschäft ist zuletzt wegen des Cum-Ex-Skandals ins Gerede gekommen. Guttenberg beschäftigt sich in der Arbeit aber ausweislich einer Zusammenfassung auf der Webseite der Universität weniger mit der Gegenwart, sondern spannt einen historischen Bogen über viele Jahrhunderte Korrespondenzbankgeschäft. Für diese Arbeit hat die Universität dem heute 48-jährigen Guttenberg nun den akademischen Grad eines "Doctor of Philosophy" (PhD) verliehen.

Man kann nun zu Guttenberg stehen, wie man will, aber so ein zweiter Anlauf verdient Respekt, vorausgesetzt natürlich, diesmal ging alles mit rechten Dingen zu. Davon kann man ausgehen, schließlich sind die Kinder Guttenbergs mittlerweile volljährig, und die Belastung des politischen Geschäfts ist mit seinem Rücktritt 2011 auch weggefallen, jedenfalls für ihn.

Wo Guttenberg in seiner Funktion als Berater in der Politik auftaucht, wird er jetzt nur noch zur Belastung für andere: Den CDU-Politiker Philipp Amthor, der zwar nicht von adeliger Herkunft ist, vom ganzen Gebaren her aber durchaus als vorpommersche Version des jungen Guttenberg durchgeht, brachten Geschäftsverbindungen zu einer amerikanischen Firma in Erklärungsnot, an der auch Guttenberg beteiligt ist. Und bei der Bundeskanzlerin erhielt Guttenberg im persönlichen Gespräch die Gelegenheit zur Lobbyarbeit für die inzwischen insolvente Firma Wirecard, womit Angela Merkel ein Auftritt im zu erwartenden Untersuchungsausschuss des Bundestages sicher sein dürfte.

Dass Guttenbergs akademischer Erfolg nun ausgerechnet an dem Tag bekannt wurde, an dem der bayerische Ministerpräsident Markus Söder in coronapolitische Schwierigkeiten geraten ist, dürfte zwar ein Zufall sein, die Laune des CSU-Chefs aber nicht verbessern, der seinen Parteifreund und fränkischen Landsmann noch nie leiden konnte. Wer immer sich in der Union sonst noch zum Kanzlerkandidaten berufen fühlt, kann sich allerdings den Angstschweiß beruhigt von der Stirn wischen. Guttenberg sagte der Funke-Mediengruppe, er habe aus persönlichen Gründen promoviert und nicht für ein politisches Comeback, "das ich gewiss nicht anstrebe".

© SZ/olkl
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