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Kältewelle in Europa:Fast 300 Menschen sterben durch eisige Temperaturen

Nahezu der gesamte Kontinent leidet unter dem frostigen Winter, ein Ende ist vorerst nicht in Sicht: In Deutschland soll es am Dienstag noch einmal kälter werden, von Mittwoch an muss dann gebietsweise mit heftigen Schneefällen gerechnet werden. Selbst über die europäischen Grenzen hinaus - in Afrika - erleben die Menschen einen Winter wie schon lange nicht mehr.

Schneemassen und Blitzeis machen den Menschen in Europa immer mehr zu schaffen. Etwa 290 Menschen starben bisher infolge der Kälte.

Am Genfer See in der Schweiz ist der Schnee mittlerweile gefroren - für Autofahrer wie für Spaziergänger gleichermaßen problematisch.

(Foto: AP)

In der Nacht zum Sonntag erlebte Deutschland mit minus 28 Grad die bislang kälteste Nacht des Winters. Dabei bleibt es jedoch möglicherweise nicht - denn die Temperaturen sollen in den kommenden Tagen weiter fallen. "Am Dienstag wird es noch frostiger", sagte Meteorologe Christoph Hartmann vom Deutschen Wetterdienst (DWD). Von Mittwoch an sollen die Werte dann deutlich steigen. Zugleich müsse vor allem im Südosten mit heftigem Schneefall gerechnet werden.

Tragische Unfälle

Die eisigen Temperaturen lassen die Gewässer vielerorts anfrieren, was immer wieder zu tragischen Unfällen führt: In Brandenburg brach am Samstag ein Eisangler in einen gefrorenen See ein und starb. In Nordrhein-Westfalen wird seit Freitag ein Mann aus den Niederlanden vermisst, der vermutlich beim Schlittschuhlaufen auf dem Nettetaler See eingebrochen war.

Die Kälte lähmt zudem den Schiffsverkehr: Auf der Elbe bildete sich so viel Eis, dass der Fluss von Magdeburg bis Hamburg unbefahrbar war, wie die Wasserschutzpolizei mitteilte. Auch der Elbe-Havel-Kanal und Teile des Main-Donau-Kanals waren dicht. Ein festgefrorener Frachter nahe Magdeburg wartete am Montagmorgen auf Hilfe von Eisbrechern.

Der europaweit harte Winter ist vor allem für Obdachlose lebensgefährlich: Allein in der Ukraine kamen mehr als 130 Menschen ums Leben. In Rumänien waren es seit Ausbruch der Kältewelle insgesamt 34, in Polen 53 Menschen. Im Baltikum erfroren fünf Menschen. In Rom und Umgebung starben drei Frauen und ein Mann. Aus Frankreich wurden vier Kältetote gemeldet. Zudem kam ein elfjähriger Junge ums Leben, als er durch das Eis in einen See einbrach.

Nach dem Schnee kommt der Regen

Angesichts einer bis zu zwei Meter hohen Schneedecke galt in Serbien am Samstag in fast 30 Gemeinden der Ausnahmezustand. Alle Grund- und Mittelschulen sowie Kindergärten sollten diese Woche geschlossen bleiben. Die Regierung in Belgrad rief die Bürger zur Hilfe beim Schneeräumen auf. 70.000 Menschen waren durch die Schneemassen von der Umwelt abgeschnitten. Ähnlich war die Lage in Montenegro, im kroatischen Dalmatien und in Bosnien-Herzegowina.

Auch in Mittel- und Süditalien herrschte Winterchaos: Zwei Menschen starben, als Dächer unter der Last des Schnees zusammenbrachen. Bis zu 120.000 Menschen waren zeitweise ohne Strom. Tausende blieben in Zügen oder Autos stecken. In Rom und anderen Städten befreiten Soldaten die Straßen von Schnee und Eis.

In Civitavecchia nordwestlich von Rom rammte ein Fährschiff im Schneesturm einen Hafendamm und wurde dabei schwer beschädigt. Das Schiff mit mehr als 300 Passagieren und Besatzung an Bord wurde evakuiert.

In Teilen Bulgariens, Rumäniens und Griechenlands wurden die Schneefälle von starkem Regen abgelöst. In zwei Gemeinden im Süden Griechenlands wurde der Notstand ausgerufen. Ein Stausee drohte überzulaufen. In Nordgriechenland beschädigten die Fluten Hunderte Geschäfte und Häuser. Eine 80-jährige Frau ertrank in ihrem Haus.

Heathrow am Samstag weitgehend dicht

In Großbritannien reichten etwa zehn Zentimeter Schnee aus, um ein Verkehrschaos auszulösen. Am Flughafen Heathrow wurde am Sonntag etwa die Häfte aller Flüge gestrichen. Tausende Passagiere waren von den Ausfällen betroffen. Erst am Montag kehrte Europas größter Airport wieder zur Normalität zurück. Außer "ein paar" gestrichenen Verbindungen, die in Zusammenhang mit dem Chaos am Sonntag stünden, sei das Flugprogramm wieder normal, sagte eine Sprecherin.

Die Kältewelle drang selbst bis Nordafrika vor. In höheren Lagen der algerischen Hauptstadt Algier fiel zum ersten Mal seit Jahren wieder richtig Schnee. Zahlreiche Kinder, die noch nie weiße Flocken gesehen hatten, stürzten sich nach Augenzeugenberichten begeistert nach draußen.

© Süddeutsche.de/dpa/jobr/gal

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