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Japan: Proteste gegen Walfang:Die Jagdsaison ist vorbei

Verfolgungsjagden, Stinkbomben, Wasserwerfer: Nach wochenlanden Störaktionen von Aktivisten hat Japans Regierung die diesjährige Wahlfangsaison in der Antarktis endgültig abgebrochen. Tierschützer jubeln.

Japans Fischereiagentur hat am Freitag den Walfang im Südpazifik in dieser Saison vorzeitig für beendet erklärt und ruft nun die Schiffe zurück. Grund seien die Angriffe von Mitgliedern der Tierschutzorganisation Sea Shepherd, erklärte Fischereiminister Michihiko Kano. Die Jagd müsse beendet werden, um die Sicherheit der Besatzungen und Schiffe zu gewährleisten.

File photo of Japanese whaling fleet vessel Yushin Maru No. 3 spraying water cannons at Sea Shepherd activists in a dinghy boat during their clashes in the Southern Ocean

Japanische Walfänger im Clinch mit Aktivisten der Gruppe Sea Shepherd - auf diesem Bild versuchen die Jäger, die Tierschützer mit Wasserwerfern zu vertreiben.

(Foto: REUTERS)

Wann die Schiffe zurückkehren, war noch nicht klar. Die Regierung in Tokio hatte den Walfang schon in der vergangenen Woche nach mehreren Protestaktionen der Tierschützer vorübergehend ausgesetzt. Diese hatten versucht, die Jagd mit Säure- und Stinkbomben, Wasserwerfern und Störmanövern zu verhindern. Japan und Sea Shepherd haben in diesem Kleinkrieg in den letzten Jahren stetig aufgerüstet.

Die Jagd hatte im Dezember begonnen und sollte ursprünglich noch bis Mitte März dauern. Nach Angaben von Sea Shepherd haben die Japaner in dieser Saison nur 30 bis 100 Wale gefangen statt der von der Regierung vorgegebenen Quote von 985.

Umwelt- und Tierschutzgruppen begrüßten die Entscheidung. Sea Shepherd nannte die Absage des Walfangs einen Sieg. Im nächsten Jahr werde man den Druck weiter aufrechterhalten, kündigte die Gruppe an. "Wir sind jedes Jahr stärker geworden", sagte Sea-Shepherd-Gründer Paul Watson zu AP.

Nach Ansicht der Tierschutzschutzorganisation ist ein weiterer Grund für die Absage des Walfangs die stark zurückgegangene Nachfrage nach Walfleisch in Japan. Man habe schon Ende vergangenen Jahres einen Hinweis erhalten, dass die Jagd wohl verkürzt werde. In den vergangenen Jahren seien die Bestände an Walfleisch in den Kühlhäusern auf mehrere tausend Tonnen angewachsen. Der Walfang in Japan ist ein Zuschussgeschäft, das mit etwa sieben Millionen Euro subventioniert wird. Die rechtsnationalen Regierungen der letzten Jahre beharrten aber trotz des internationalen Drucks auf dem Walfang.

Die Internationale Walfangkommission hatte 1986 ein Moratorium für den kommerziellen Walfang in Kraft gesetzt. Der japanische Walfang dient offiziell wissenschaftlichen Zwecken, Kritiker erklären aber schon seit Jahren, das sei nur ein Vorwand, um einen kommerziellen Walfang zu verschleiern. Australien reichte vergangenes Jahr beim Internationalen Gerichtshof Klage ein, um auch die Jagd für Forschungszwecke zu verbieten.

"Das ist die Stimme der japanischen Öffentlichkeit, und die will kein Walfleisch essen", erklärte Junichi Sato von Greenpeace Japan. Ob der Walfang in der kommenden Saison wiederaufgenommen wird, ist offenbar noch unklar. Fischereiminister Kano erklärte, diese Frage werde geprüft.

© sueddeutsche.de/AP/aho/jab

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