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Japan:Des Kaisers alte Kleider

Die Krönung des japanischen Tennō ist voller Symbolik: Über den Thron, des Kaisers Kostüm, die Haare der Kaiserin und freudige "Banzai"-Schreie.

Im japanischen Pomp liegt eine große Ruhe. Diesen Eindruck konnte man am Dienstag in Tokio bei der Krönungszeremonie des neuen Kaisers Naruhito gewinnen. Naruhito, 59, hat die kaiserlichen Insignien schon im Frühjahr von seinem abgedankten Vater Akihito, 85, empfangen. Bei der Zeremonie Sokuirei-Seiden-no-gi im Hauptgebäude des Kaiserpalastes wurde Naruhito nun ausdrücklich als Kaiser ausgerufen. 194 Länder hatte Japans Regierung dazu eingeladen, 183 waren letztlich vertreten, unter den Gästen waren der britische Prinz Charles und der chinesische Vizepräsident Wang Qishan. Insgesamt erlebten 2000 Gäste ein Ritual, das Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier "beeindruckend und bewegend" nannte, und das einige besondere Äußerlichkeiten der japanischen Kaiserwürde in Szene setzte.

Naruhito Takes Throne as Japan's First New Emperor in 30 Years

Der aktuelle Thron des Kaisers wurde 1913 gebaut.

(Foto: Kazuhiro Nogi/Bloomberg)

Der Thron des Kaisers heißt Takamikura, er sieht ganz anders aus als die verzierten Hoheitssitze aus der europäischen Geschichte. Der aktuelle Takamikura wurde 1913 gebaut. Er besteht aus einer zweistufigen achteckigen Plattform, die wiederum auf einer schwarzen Basisplattform ruht und umgeben ist von einem zinnoberroten Geländer. Acht Säulen tragen das Dach mit einem Phönix auf der Spitze. Der Takamikura ist 6,48 Meter hoch. Im Inneren befindet sich ein Stuhl sowie ein kleiner Tisch für die kaiserlichen Insignien Schwert, Juwel und Siegel. Im Grunde sieht der Thron aus wie ein kleines Guckkastentheater mit Vorhang. Dieser war zu Beginn der Zeremonie zu, sodass niemand sah, wie Naruhito den Thron bestieg. Als der Vorhang sich öffnete, stand er da im Tennō-Ornat und schaute freundlich nach vorne.

Der rotbraune Ton des Kaiserkostüms entsteht, wenn man Sappanholz-Farbe mit der Rinde des japanischen Baumes Talgsumach mischt.

(Foto: AP)

Des Kaisers Kostüm für die Krönung hat einen rotbraunen Ton, der im Japanischen Korozen heißt. Dieser entsteht laut Hofamt, wenn man Sappanholz-Farbe mit der Rinde des japanischen Baumes Talgsumach mischt. Muster von japanischen Pflanzen und Legendenwesen sind in den Stoff eingewoben, hinten hat das Gewand eine weiß-violette Schleppe. Dazu trägt der Kaiser eine hoch aufragende schwarze Krone, die ebenfalls ganz anders aussieht als die Goldkronen aus der europäischen Bilderwelt. Außerdem gehört ein Holzzepter zur kaiserlichen Ausstattung, wobei Naruhito dieses zwischendurch gegen das Skript seiner Ansprache eintauschte. In dieser Ansprache ruft sich der Kaiser sozusagen selbst zum Kaiser aus. Naruhito gab ihr aber auch eine persönliche Note. Er bekannte sich zu den Leistungen seines Vaters, der die Kaiserwürde in seinen 30 Thronjahren auf ein neues Niveau gehoben hatte. "Seine Majestät der Kaiser Emeritus hat fortlaufend für Glück der Menschen und Weltfrieden gebetet, wobei er immer an den Freuden und Sorgen der Menschen Anteil nahm", sagte Naruhito. Er will dem Beispiel seines Vaters folgen.

Japans Premierminister Shinzo Abe reckt drei Mal die Arme und ruft "Banzai".

(Foto: AP)

"Banzai", riefen wenig später dreimal die Umstehenden und warfen freudig ihre Arme hoch. Auch der konservative Premierminister Shinzo Abe tat dies, der zuvor seine zur Zeremonie gehörende Gratulationsrede gehalten hatte. "Lang lebe der Kaiser", wäre in diesem Zusammenhang wohl die passende Übersetzung. Im Grunde steht Banzai aber für einen Zeitraum von zehntausend Jahren. Außerdem war der Begriff mal ein japanischer Schlachtruf, weshalb man über ihn genauso streiten könnte wie über die 21 Kanonenschüsse zum Salut. Dieser Jubel war allerdings das einzige, das die Ruhe der Zeremonie störte.

Enthronement Ceremony Of Emperor Naruhito In Japan

Die Kaiserin trägt ihre Haare im Osuberakashi-Stil - also so nach hinten frisiert, dass ihr die Spitzen frei auf den Rücken fallen.

(Foto: Getty Images)

Die Haare der Kaiserin gehörten zu den Hinguckern der Zeremonie. Masako bestieg, wie es die Tradition vorsieht, ihren eigenen Thron, den Michodai, eine kleinere Version des Takamikura. Ihre Robe wirkte komplizierter als die Naruhitos: fünf Schichten Damastseide, kurze Tunika, zusätzliche Überbekleidung. Auf dem Kopf hatte sie ein Krönchengesteck (Saishi), und ihre Haare trug sie im Osuberakashi-Stil, sie waren also so nach hinten frisiert, dass ihr die Spitzen frei auf den Rücken fielen. Die Krönung war ein Fest für Freunde der japanischen Exotik.

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