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Italien:Italien feiert Fruchtbarkeitstag gegen Geburtenrückgang

  • In Italien liegt die Geburtenrate unter dem EU-weiten Durchschnitt. Gesundheitsministerin Beatrice Lorenzin erklärte den 22. September deswegen zum landesweiten "Fruchtbarkeitstag".
  • In ganz Italien soll es an diesem Tag Veranstaltungen geben, bei denen sich die Bürger über Familienplanung informieren können.
  • Eine italienische Frau bekommt in etwa 1,4 Kinder. Im Rest Europas liegt der Wert etwas darüber, bei 1,5. 1970 waren es noch 2,4 Kinder.

In Italien bekommen Frauen noch weniger Kinder als im EU-weiten Durchschnitt. Nun hat die italienische Regierung den Kampf gegen die sinkende Geburtenraten aufgenommen - und sich etwas ganz Besonderes ausgedacht: Gesundheitsministerin Beatrice Lorenzin erklärte den 22. September zum "Fruchtbarkeitstag".

In ganz Italien soll es an diesem Tag Veranstaltungen geben, bei denen sich die Bürger über Familienplanung informieren können. Gleichzeitig initiierte das Ministerium eine Twitter-Kampagne. Unter #FertilityDay sind zwölf Bilder mit unterschiedlichen Leitsätzen zu sehen, die den Italienern die Lust am Kinderkriegen zurückbringen sollen. Die Tweets gingen auch sofort viral - allerdings nicht im gewünschten Sinne.

Denn der Grundton der Bilder ist nicht unbedingt ermutigend: "Schönheit hat kein Alter, aber Fruchtbarkeit schon," heißt es da drohend, während eine Frau angestrengt lächelt und dem Betrachter eine ablaufende Sanduhr entgegen streckt. Ein anderes Bild appelliert an die Verantwortung, die die Frauen ja für die Gesellschaft hätten. Kinder kriegen als privates Glück - von wegen: "Fruchtbarkeit ist ein Allgemeingut." Kein Wort von Selbstbestimmung oder freiem Willen.

Ein drittes Bild wirbt mit dem Slogan: "Junge Eltern: Der beste Weg um kreativ zu sein." Ein Kind mag vielleicht die Kreativität fördern, womit der Luxus eines Kindes allerdings bezahlt werden soll. In keinem anderen europäischen Land leiden die jungen Menschen so sehr unter Arbeitslosigkeit wie in Italien.

Die Geburtenrate liegt unter dem europäischen Durchschnitt

Wohl auch deswegen sinkt in dem Land seit Jahren die Geburtenrate. Mittlerweile liegt sie sogar unter dem europäischen Durchschnitt. Eine italienische Frau bekommt in etwa 1,4 Kinder. Im Rest Europas liegt der Wert etwas darüber bei 1,5. 1970 waren es noch 2,4 Kinder.

Die Gesellschaft für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (OECD) geht aber davon aus, dass eine Geburtenrate von 2,1 Kindern pro Frau notwendig ist, damit das Bevölkerungsniveau einer Gesellschaft stabil gehalten werden kann. Fällt die Zahl darunter, dann droht eine Gesellschaft zu schrumpfen und zu überaltern, was die Sozialsysteme belastet. Der politische Wille ist also verständlich, allein der Erfolg der Kampagne erscheint zweifelhaft?

Ähnliche Versuche hat kürzlich auch Dänemark unternommen, das Land litt ebenfalls unter starkem Geburtenrückgang. Im Jahr 2014 rief das Reiseunternehmen Spies die Bevölkerung dazu auf, sich zu vermehren. Das Unternehmen legte den Dänen nahe, öfter zu verreisen, denn Studien hätten gezeigt, dass sich Paare im Urlaub wieder näher kämen. Die Aktion mag nicht ganz uneigennützig gewesen sein.

Kurze Zeit später zog auch die Stadt Kopenhagen mit einer eigenen Werbekampagne nach, in der sie ihre Bewohner daran erinnerte, dass die Fruchtbarkeit mit dem Alter nachlasse. Laut der dänischen Zeitung The Local sind diese Aktionen nun von Erfolg gekrönt. Denn für den Sommer 2016 werden 1200 Babys mehr erwartet als im Vorjahr.

Dass für einen Baby-Boom nicht unbedingt große Werbekampagnen notwendig sind, sieht man in Deutschland. 2015 wurden hierzulande 738 000 Kinder geboren - das sind 23 000 mehr als 2014.

© SZ.de/dit/leja
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