Indien Täter gibt Opfer Schuld an tödlicher Vergewaltigung

  • Die tödliche Gruppenvergewaltigung einer Studentin in einem Kleinbus im indischen Neu-Delhi sorgte 2012 für weltweites Entsetzen.
  • Jetzt hat sich einer der sechs Täter, Mukesh Singh, erstmals in einem Interview zu Wort gemeldet.
  • Singh gibt dem Opfer die Schuld an der Tat: "Ein Mädchen ist weit mehr verantwortlich für eine Vergewaltigung als ein Junge."

Mindestens eine Stunde lang vergewaltigen die sechs Männer die junge Frau, dann schlagen sie mit einer Eisenstange auf sie ein und werfen sie anschließend nackt auf die Straße. Dort versuchen sie, ihr schwerverletztes Opfer zu überfahren. Die Studentin erliegt wenige Tage später in einem Krankenhaus ihren inneren Verletzungen. Auch ihr männlicher Begleiter - die Männer hatten die 23-Jährige und ihren Freund in einem Kleinbus mitgenommen - wird schwer misshandelt. Mehr als zwei Jahre nach der tödlichen Gruppenvergewaltigung in Neu-Delhi hat sich einer der Täter nun erstmals zu Wort gemeldet.

Der britischen BBC sagte Mukesh Singh in einem Interview für eine Dokumentation, die am Sonntag ausgestrahlt wird: "Ein Mädchen ist weit mehr verantwortlich für eine Vergewaltigung als ein Junge. Ein anständiges Mädchen ist nicht um 21 Uhr draußen unterwegs. Hausarbeit ist das richtige für sie, nicht der Besuch von Discos oder Bars in falscher Kleidung." So zitiert der britische Telegraph aus dem Interview. Frauen, die abends ausgingen, seien selbst schuld, wenn sie das Interesse von Vergewaltigern auf sich ziehen, sagte der Mann, der zum Tode verurteilt wurde, weiter. Daher sehe er die Schuld für die Tat bei seinem Opfer.

"Eine Frau sollte sich nicht wehren"

Außerdem wäre die Gruppenvergewaltigung nach Aussage Singhs nicht tödlich ausgegangen, wenn sich das Paar, das auf dem Rückweg von einem Kinobesuch war, gegen die sechs Männer nicht gewehrt hätte: "Eine Frau sollte sich nicht wehren, wenn sie vergewaltigt wird. Sie sollte einfach ruhig sein." In jener Nacht hätte die Studentin die Tat über sich ergehen lassen sollen, "dann hätte nur der Junge Schläge bekommen".

Gericht spricht von bestialischem Verbrechen

Singh, der bei der Tat 26 Jahre alt war und nach eigener Aussage lediglich den Kleinbus fuhr, hat sein Todesurteil angefochten. Das Gericht hatte jedoch belastende DNA-Beweise Singhs auf dem Körper des Opfers gefunden.

Richter Yogesh Khanna bezeichnete die Tat bei der Strafmaßverkündung als "bestialisches Verbrechen", welches das Bewusstsein der Gesellschaft wachgerüttelt habe. Vier Männer wurden zum Tode verurteilt, der Hauptangeklagte erhängte sich wenig später im Gefängnis. Ein Mann war zum Tatzeitpunkt minderjährig, er wurde zu drei Jahren Jugendarrest verurteilt. Die Tat hatte für wochenlange Proteste im ganzen Land gesorgt und weltweit Schlagzeilen gemacht.

Singh behauptet nun, dass die Vollstreckung seiner Todesstrafe das Leben künftiger Vergewaltigungsopfer in Indien bedrohe. Männer, die Frauen vergewaltigen, hätten bisher ihre Opfer stets nach der Tat laufen lassen, sagte Singh, weil sie sicher waren, dass die Frauen nicht zur Polizei gingen. "Nun töten sie die Frauen aus Angst vor einem Schuldspruch", glaubt der verurteilte Vergewaltiger.

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