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Hurrikan in der Karibik:Zehntausende fliehen vor Hurrikan

  • Infolge des Hurrikans Irma sind in der Karibik bisher mindestens 15 Menschen gestorben.
  • Am Wochenende wird der Sturm in Florida erwartet. Vorhersagen zufolge könnte die Millionenmetropole Miami voll von Irma erfasst werden.
  • Der Gouverneur von Florida hat die Evakuierung von Teilen des Bezirks von Miami angeordnet, ebenso für die Inselkette Florida Keys.

Tausende Menschen ohne Strom, vollkommen verwüstete Inseln, dutzende Verletzte: In der Karibik hat Hurrikan Irma schwer gewütet. Die Insel Barbuda sei nur noch ein "Trümmerhaufen", sagte der Premierminister von Antigua und Barbuda, Gaston Browne. Bisher kamen in der Karibik mindestens 15 Menschen ums Leben.

Die Karibik traf Irma noch in der Kategorie fünf - nun hat das Nationale-Hurrikan-Zentrum den Hurrikan auf die zweithöchste Stufe vier heruntergestuft. Er nimmt mit Windgeschwindigkeiten von 250 Stundenkilometern Kurs auf Florida.

Zuletzt traf der Hurrikan auf die Amerikanischen Jungferninseln, allein dort starben vier Menschen. Auch auf den Britischen Jungferninseln gibt es offenbar Tote und Verletzte, berichtet die britische BBC. Wegen der vielerorts unklaren Lage und der katastrophalen Schäden ist aber noch nicht bekannt, wie viele Tote und Verletzte es insgesamt gibt.

In der Nacht zu Donnerstag war der Hurrikan über die Karibik hinweggezogen und hatte auf Barbuda 90 Prozent aller Häuser zerstört. "Was wir erlebt haben, ist etwas, das man in Horror-Filmen sieht - nicht etwas, das man wirklich erwartet, zu erleben", sagte die Verwaltungschefin von Barbuda, Knacyntar Nedd, dem Lokalsender ABC TV. Autos und zwölf Meter lange Container seien umhergeflogen, die Menschen hätten sich mit Seilen an ihren Dächern festgebunden, damit sie nicht wegfliegen.

Zuvor hatte der Hurrikane die Inseln Saint-Martin/Sint Maarten und Saint-Barthélemy verwüstet, die zu Frankreich bzw. den Niederlanden gehören. Anschließend soll es zu Plünderungen gekommen sein, weswegen beide Länder nun, zusätzlich zu Hilfsgütern, Polizisten und Soldaten in die Überseegebiete schicken.

Auf Haiti, dass noch unter den Folgen des Hurrikanes "Matthew" von 2016 leidet, sollen die Schäden weniger schlimm sein als befürchtet, berichten Hilfsorganisationen. Eine komplette Entwarnung gebe es aber noch nicht. Vor allem der tiefer gelegene Norden Haitis könne noch von Überschwemmungen bedroht sein.

"Irma" könnte Miami voll erfassen

In Florida wird Irma am Wochenende erwartet. Die Prognosen der Meteorologen schwanken und können sich noch ändern. Nach letzten Vorhersagen könnte die Millionenmetropole Miami allerdings voll von Irma erfasst werden. Möglich ist aber auch, dass Irma noch nördlich abdreht, Florida nicht voll trifft und die US-Ostküste hinauf nach South Carolina oder Georgia zieht. Zwei Atomkraftwerke liegen an der Atlantikküste Floridas, diese hat der Betreiber vorsorglich heruntergefahren.

Der Gouverneur von Florida, Rick Scott, rief die Einwohner des US-Bundesstaates zu äußerster Vorsicht auf. Der Sturm sei breiter als die Fläche des Staats, so Scott. "Egal, an welcher Küste Sie leben, seien Sie bereit für eine Evakuierung", sagte er. Einige Bewohner von Miami verbarrikadierten ihre Häuser, Supermärkte wurden regelrecht leer gekauft.

Weil der Gouverneur die Bewohner des Bezirks Miami-Dade aufforderte, sich in höher gelegene Gebiete zu begeben, brach ein Verkehrschaos aus, an den Tankstellen bildeten sich lange Warteschlangen. Die Nachrichtenagentur AP zitiert eine Anwohnerin, die mit ihrer sechsjährigen Tochter sieben Stunden um die Stadt fuhr, auf der Suche nach Benzin, aber alle Tankstellen waren leer. "Meine Tochter sagte zu mir, 'Mama, ich bin so müde, ich kann nicht mehr herumfahren', es war vollkommen verrückt", sagte Carmen Pardo. Weil sie kein Benzin bekam, musste die Mutter für sich und ihr Kind den einzigen Flug buchen, den sie noch finden konnte, nach Orlando. Von dort wollen sie mit dem Bus weiter Richtung Norden nach Tallahassee fahren - möglichst weit weg von Irma.

Auch US-Präsident Donald Trump, der entgegen wissenschaftlicher Erkentnisse bestreitet, dass der Klimawandel Naturkatastrophen verschärft, ist von dem Hurrikan persönlich betroffen: Sein Golflcub Mar-a-Lago in Palm Beach liegt ebenfalls in der Evakuierungszone und muss geräumt werden.

Auf der Inselkette Florida Keys ordnete der Gouverneur weitere Evakuierungen an, mindestens 31 000 Menschen haben die Inseln verlassen. Im US-Bundesstaat Georgia mussten 540 000 Menschen ihre Häuser verlassen. Der Wirbelsturm hat Wetterexperten zufolge das Potenzial, Georgia in der Stärke der Kategorie drei treffen.

Mit Windgeschwindigkeiten von 300 Kilometern pro Stunde ist Irma der stärkste Hurrikan, der je im Atlantik gemessen wurde. Der Sturm Jose, der hinter Irma im Atlantik seine Bahn zieht, wurde in der Nacht zum Freitag vom nationalen Hurrikanzentrum der USA als Hurrikan der Stufe 3 eingestuft. Er befand sich zu diesem Zeitpunkt mit Windgeschwindigkeiten von bis knapp 200 Kilometern pro Stunde etwa 1000 Kilometer östlich der Kleinen Antillen. In seinem Zug könnten auch die Inseln Antigua und Barbuda liegen - die bereits vollkommen verwüstet sind.

© SZ.de/dpa/Reuters/AP/ewid/vbol/eca/olkl
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