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Hurrikan an der US-Ostküste:"Sandy" wird stärker - New York im Ausnahmezustand

U-Bahnen fahren nicht, Schulen und Geschäfte sind geschlossen, der Parketthandel an der Wall Street ist ausgesetzt: Das öffentliche Leben in den großen Metropolen der US-Ostküste steht still. Die Bewohner von New York und Washington warten darauf, dass der Sturm auf Land trifft.

Die Menschen im Nordosten der USA warten auf "Sandy" und können jetzt nichts mehr tun, als hoffen, dass der Hurrikan sie verschont. Das öffentliche Leben in den Metropolen New York und Washington steht still. Tausende Flüge fallen aus, U-Bahnen fahren nicht, die New Yorker Börse bleibt geschlossen.

Mehr als 400.000 New Yorker sind vom Evakuierungsbefehl betroffen, sie sind bereits in Hotels und in 72 Notunterkünfte in Schulen ausgewichen. Auch das Zentrum der Hauptstadt Washington gleicht inzwischen einer Geisterstadt.

Nach Berechnungen von Meteorologen soll "Sandy" am späten Montag (Ortszeit) zwischen Boston und Washington auf Land treffen. Die Behörden wiederholen immer wieder ihre Aufforderung, die gefährdeten Gebiete zu verlassen. Die Zeit der Vorbereitung und des Redens sei praktisch abgelaufen, sagte der Leiter der Katastrophenschutzbehörde Federal Emergency Management Agency (Fema), Craig Fugate: "Die Leute müssen jetzt handeln."

Präsident Barack Obama und sein Herausforderer Mitt Romney sagten mehrere Wahlkampfauftritte ab. So nahm Obama nicht an einer Veranstaltung im besonders umkämpften Bundesstaat Ohio teil, Romney ließ Termine in Virginia ausfallen.

New York könnte von einer großen Welle getroffen werden

Experten befürchten, dass der Hurrikan entlang eines 1300 Kilometer breiten Streifens von der Ostküste bis zu den Großen Seen tobt. Bedroht sind 50 Millionen Menschen in dem dichtbesiedelten Gebiet. New York könnte demnach von einer 3,3 Meter hohen massiven Welle getroffen werden, die Teile Manhattans unter Wasser setzen würde.

Bürgermeister Michael Bloomberg hatte deshalb bereits am Sonntag die Evakuierung niedrig liegender Stadtteile angeordnet. Wer sich nicht in Sicherheit bringe, gefährde nicht nur sein eigenes Leben, sondern auch das der Menschen, die dann zu Hilfe eilten, sagte Bloomberg. Der Gouverneur von New Jersey, Chris Christie, sagte: "Seid nicht dumm. Haut ab!"

Fluggesellschaften strichen in dem Gebiet mehr als 9000 Flüge, auch viele Verbindungen von und nach Deutschland waren betroffen. Die Eisenbahngesellschaft Amtrak stellte den Passagierbetrieb im gesamten Nordosten der USA ein.

Sandy legt auch die New Yorker Finanzwelt teilweise lahm. Der Börsenbetreiber NYSE Euronext entschied, dass am Montag der Parketthandel an der Wall Street ausgesetzt wird. Wertpapiere können stattdessen auf der elektronischen Handelsplattform Arca ge- und verkauft werden. Die Entscheidung sei nach Gesprächen mit der Stadt, mit Finanzaufsehern sowie Händlern gefallen, erklärte Börsenchef Duncan Niederauer. Das letzte Mal war die Börse wegen 1985 sturmbedingt geschlossen.

Wegen des Hurrikans "Sandy" werden in der Karibik mindestens sechs Franzosen vermisst. Die sechs oder sieben Franzosen seien mit einer Freizeitjacht zwischen den Inseln Martinique und Dominica unterwegs gewesen, hieß es aus dem Verkehrsministerium in Paris. Seit Sonntagabend fehle von ihnen jede Spur. Wegen "Sandy" gebe es in der Region einen hohen Wellengang.

Am Sonntag war bereits ein Dreimaster vor der Küste des US-Bundesstaates North Carolina in Seenot geraten. Die Besatzungsmitglieder der "HMS Bounty", ein Nachbau des legendären Schiffs aus dem 18. Jahrhundert, retteten sich mit Beibooten, teilte die US-Küstenwache mit, zwei Besatzungsmitglieder werden allerdings noch vermisst.

© Süddeutsche.de/dpa/dapd/mane/jst/gal/gba

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